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Bairischer Dialekt : Ein Stückerl Selbstbewusstsein

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Träger der Bairischen Sprachwurzel: Stefan Dettl, der Kopf der Band La Brass Banda Bild: dpa

Das Bairische ist wieder auf dem Vormarsch: Man ist stolz darauf, aus Bayern zu kommen, sogar dann, wenn man eigentlich von anderswoher kommt. Trotz aller Beliebtheit ist der Dialekt aber immer noch bedroht.

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          Bayern ist überall. Der Fußballclub, der so heißt, gewinnt Titel um Titel. Zum Oktoberfest strömen von Samstag an wieder Millionen Menschen auf die Münchner Theresienwiese. Und als die Band La Brass Banda sich erfolglos anschickte, Deutschland mit einem Lied auf Bairisch beim „Eurovision Song Contest“ zu vertreten, unterstützte das fast die ganze Republik. Die Bayernpartei sieht mit Blick auf das Referendum in Schottland sogar gute Chancen für eine Abspaltung des Freistaats – „mit eigener Sprache“.

          Das Bairische ist nach dem Norddeutschen die beliebteste Sprachfärbung, hat eine Studie des Instituts für deutsche Sprache herausgefunden. Man könnte fast sagen, dass es, nun ja, einen Hype ums Bairische gibt. Man muss sich nur umhören in München und mehr noch in den Städten und Dörfern im Umland. Viele sprechen Bairisch – und Hochdeutsch nur dann, wenn das Gegenüber nichts versteht. Negative Erfahrungen macht damit heute kaum noch jemand. Vor allem sind es auch junge Leute, die Bairisch sprechen, wenn auch mit einer geringen Dialekttiefe. Dialektausdrücke gehen verloren, statt dessen werden hochdeutsche Worte bairisch ausgesprochen. „Es ist halt oft das Mia-san-Mia-Bairisch des FC Bayern“, sagt ein echter Bayer. Man ist stolz darauf, aus Bayern zu kommen, sogar dann, wenn man eigentlich von anderswoher kommt.

          Der Wunsch nach Differenzierung kehrt zurück

          Bairisch gehört, aller Beliebtheit zum Trotz, laut Unesco zu den bedrohten Sprachen. Eine Sprache gilt als bedroht, wenn weniger als 30 Prozent der Kinder sie sprechen. Wie viele Menschen Dialekt sprechen, ist kaum erforscht. Zahlen gibt es bloß aus dem Jahr 1998. Damals sprachen in München nur rund eineinhalb Prozent der Kinder Bairisch. Dort, in der bayerischen Landeshauptstadt, sitzt der Förderverein für Bairische Sprache und Dialekte (FBSD), der die Sprache erhalten will. Dazu sucht der Verein den Kontakt zur Politik, zu Trachtenvereinen und zur Volksmusik. Den Dialekt sieht man als Kulturgut voller Charakter und Variationsreichtum. Und man hofft, dass die Beliebtheit des Bairischen selbstverständlich wird.

          „Ein Stückerl Selbstbewusstsein“ habe seine Sprache dazugewonnen, sagt Siegfried Bradl, der im Vorstand des FBSD sitzt und die Vereinszeitung herausgibt. 25 Jahre ist der Verein jetzt alt, und die Zeiten haben sich geändert. Als der FBSD gegründet wurde, galt Dialekt als Sprache der unteren Schichten und der Provinz. Jetzt, berichtet Bradl, kämen immer mehr junge Leute dazu, die sich Gedanken darüber machen, wie ihre Kinder aufwachsen sollen. Dialekt sei ein Identifikationsmerkmal und ein Teil der Identität, sagt Bradl, der Gegentrend zur Globalisierung. Dass die Globalisierung eine Rückbesinnung auf die Herkunft hervorrufen kann, will Ludwig Eichinger nicht ausschließen. Der Direktor des Instituts für Deutsche Sprache in Mannheim meint, der Dialekt habe eine Nähefunktion. Er sei „die kleinsträumige Verständigungsform“ und werde als persönlicher und emotionaler empfunden als die Standardsprache. „Sprache ist ein atmendes System, in dem sich Vereinheitlichung und Differenzierung die Waage halten.“ Im vergangenen Jahrhundert hat Hochdeutsch die Dialekte als Alltagssprache abgelöst. Nun kehrt der Wunsch nach Differenzierung zurück. Die Akzeptanz wachse durch die Sprachvielfalt in Deutschland – also unter anderem durch Einwanderer und durch das Privatfernsehen, in dem die Menschen sprechen, wie sie eben sprechen.

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