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Bahntarife : Wer früh kommt, spart

Wer früh bucht, kommt günstig weg Bild: dpa

Familien und Frühbucher sind die Nutznießer der Tarifreform der Bahn. Wer auf flexible Abfahrtzeiten angewiesen ist, muss dafür jedoch mehr bezahlen.

          Auf eine Tarifreform der Bahn haben viele gewartet. Und ebenso viele unkten bereits im Vorfeld, dass eine solche Reform nur die Verteuerung des Reisens im Zug bedeuten könnte. Doch das Konzept der neuen Bahnpreise, das DB-Chef Hartmut Mehdorn am Mittwoch vorstellte, überzeugt.

          Monika Ganster

          Redakteurin vom Dienst bei FAZ.NET.

          Das neue Tarifsystem schlägt eine Schneise in den bisher undurchdringlich wirkenden Tarifdschungel, an dem nicht nur viele Zugreisende, sondern auch Schalterbeamte verzweifeln können. Bislang gelten zu viele Sondertarife, zu viele Ausnahmen von zum Teil unbekannten Regeln und das führt zu manch böser Überraschung bei der Kontrolle im Zug. Ab 15. Dezember 2002 soll nun alles einfacher werden - und für Familien und Gruppen, auf Fernstrecken und für Frühbucher auch deutlich günstiger als bisher.

          Günstig weg: Familien und Kleingruppen

          Das neue Tarifmodell baut auf einen Grundpreis, drei Sonderpreisen und einer neuen Bahncard als Eckpfeiler auf. Dazu kommen umfassende Mitfahrerrabatte und eine Familienregelung, bei der Kinder bis 14 Jahren sogar umsonst ihre Eltern begleiten können. Die Bahncard kostet vom 15. Dezember an in der 2. Klasse nur noch 60 Euro (statt 140), in der ersten 150 (statt 280 Euro). Sie gewährt aber nur noch 25 Prozent Ermäßigung, dann aber auch auf Sonderpreise.

          Näheres dazu: Übersicht: Die neuen Sparpreise der Bahn

          Nachteile im Nahverkehr

          Die Tarifreform, die mehr als drei Jahre lang vorbereitet wurde, hat auch Nachteile. Bahnchef Hartmut Mehdorn räumt ein, im Nahverkehr komme auf Pendler, die auf die Bahncard setzen „eine rechnerische Mehrbelastung zu“. Diese würde aber durch die Vorteile des neuen Preissystems wie Familienermäßigungen und Sonderpreise „mehr als kompensiert“, beteuerte der Chef des Konzerns. Umweltverbände kritisierten, dass das neue Tarifsystem im Regionalverkehr abseits von Verkehrsverbünden und auf Mittelstrecken Reisende benachteilige. Denn: die attraktiven Sonderpreise ("Plan&Spar") werden nur auf IC und ICE-Strecken angeboten.

          Zielgruppe: Familien auf Fernreise

          Die Zielsetzung ist klar: Auf Langstrecken kann die Bahn noch nicht mit dem Pkw konkurrieren. Familien bevorzugen nach wie vor das Auto, wenn sie längere Strecken zurücklegen müssen. 60 Prozent der Deutschen, so die ernüchternde Bilanz der Bahn, nutzt keine Züge, wenn sie auf Fernreise gehen. Das neue Tarifsystem soll genau diese Gruppen am Bahnhof abholen. Denn mit 40 Prozent Auslastung hat die Bahn ihre Möglichkeiten noch lange nicht ausgeschöpft.

          Von Fluggesellschaften gelernt

          Mehdorn hatte schon im vergangenen Jahr angekündigt, das Tarifsystem zu vereinfachen und die Züge besser auszulasten. Die Methode kupferte er von Fluggesellschaften ab, deren so genannte Yield Manager sich bereits seit Jahren um die Auslastung der Flüge bei möglichst hohem Ertrag kümmern. Für Kunden gilt dabei: Wer bereit ist, Einschränkungen bei der Buchung in Kauf zu nehmen, wird mit einem günstigeren Preis belohnt. Dazu zählt beispielsweise, ein Ticket nicht umbuchen zu können oder eine Vorausbuchungsfrist einhalten zu müssen. Und dass in den Zügen nur eine begrenzte Anzahl von Sitzplätzen für Sondertarife gebucht werden kann. Denn nach wie vor hofft die Bahn auf die Vollzahler, in der Regel Geschäftsleute, die für die notwendige Flexibilität teurer als bisher bezahlen müssen.

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