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Bahnstrecke : Mit 230 von der Haupt- in die Hansestadt

Bild: F.A.Z.

Eigentlich wollte die Bundesregierung hier den Transrapid sehen, jetzt fährt ein ICE: Am Sonntag eröffnet die Bahn die neue Ausbaustrecke von Berlin nach Hamburg.

          Die erste Panne ist schon vor der Jungfernfahrt passiert. Vergangene Woche schoß den Fahrplanern der Deutschen Bahn AG das Blut in den Kopf, als sich herausstellte, daß sie im aktuellen Fahrplanheft "Städteverbindungen" ausgerechnet die Aufnahme der neuen Hochgeschwindkeitsverbindung zwischen Berlin und Hamburg vergessen hatten. Die Heftchen wurden umgehend eingezogen.

          Kerstin Schwenn

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Sie sollen bis zum dritten Advent mit den vollständigen Angaben über die eiligen ICE-Züge neu gedruckt sein, denn Untertreibung ist ein Stilmittel, auf das sich die Bahn als werbendes Unternehmen nicht verläßt: Vom Sonntag an soll der Zug von der Haupt- in die Hansestadt nur noch 90 Minuten benötigen, jedenfalls wenn er nicht an einer Zwischenstation haltmacht. Das ist "Bestzeit", wie die Bahn superlativisch und ohne unfreiwilliges Understatement plakatiert - und damit ganz im Sinne des Vorstandsvorsitzenden Hartmut Mehdorn, der es zu seinen Zielen zählt, den Betrieb "zur besten Bahn der Welt" machen.

          Tagsüber in Hamburg, nachts in Berlin

          Mehdorn wird die Nordstrecke am Sonntag nach dem Frühstück in einem Sonderzug von West nach Ost bereisen, politisch ausgewogen begleitet von Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe (SPD) und Hamburgs Erstem Bürgermeister Ole von Beust (CDU). Ein Politikum ist die Strecke allemal - nicht nur weil die Investitionsmittel für die 287 Kilometer lange Ausbaustrecke von rund 650 Millionen Euro in erster Linie aus dem Bundeshaushalt stammen.

          Die beiden größten Städte Deutschlands rücken näher zusammen. Politiker und Wirtschaftsverbände beider Länder jubilieren, die Tourismusgesellschaften wollen enger kooperieren. Tagsüber in Hamburg zur Arbeit, abends in Berlin ins Theater oder auch umgekehrt: Das ist von sofort an eine Option für Umtriebige, die im Vergleich zum bisherigen Fahrplan mehr als eine halbe Stunde sparen - wenn denn dereinst späte Züge fahren.

          Die Geschichte der Strecke

          Die seit 158 Jahren bestehende Schienenverbindung zwischen beiden Städten hat Geschichte, eigentlich gleich mehrere Geschichten. Eine beginnt in den dreißiger Jahren und endet mit dem Krieg, eine zweite spielt in der DDR, und die jüngste ist eine aus der Nachwendezeit. Schon im Jahr 1933 stellte der Dieseltriebzug "Fliegender Hamburger" einen legendären Geschwindigkeitsrekord auf: In 138 Minuten verkehrte der Zug der Deutschen Reichsbahn bis Tempo 160 zwischen Alster und Spree - sechs Jahre lang bis zum Kriegsbeginn 1939.

          Nach dem Krieg wurden die Züge sowohl bei der Bundesbahn im Westen als auch bei der DDR-Reichsbahn wieder eingesetzt. 1949 wurde der Interzonenverkehr mit einem "Fliegenden Hamburger" eröffnet. Doch die deutsche Teilung beschränkte den Zugverkehr. Bald begann die Strecke zu verfallen. Die betriebliche Rechtfertigung für den Zugverkehr zog die DDR aus der Existenz der Orte Wittenberge und Ludwigslust, wo in sozialistischer Manier Betriebe angesiedelt wurden. Aus politischen Gründen war eine schnelle Verbindung zwischen Berlin (West) und Hamburg unerwünscht.

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