https://www.faz.net/-gum-7qi4j

Bahnlärm im Mittelrheintal : „Wir haben ein Monstrum geschaffen“

  • -Aktualisiert am

Ein ICE passiert die Altstadt von Bacharach - und ist dabei noch etliche Dezibel leiser als nächtliche Güterzüge Bild: dpa

Der Lärm im Mittelrheintal ist unerträglich, finden viele Bürger zwischen Bingen und Bonn. Von der Bahn fühlen sie sich allein gelassen und sind in ihrem Zorn kaum zu bremsen.

          3 Min.

          Kürzlich im Bürgerzentrum von Oestrich-Winkel. Vielleicht fünfzig Zuglärmgeschädigte waren gekommen, um sich über die Ergebnisse einer „Machbarkeitsstudie“ informieren zu lassen. Deren Ziel: weitere technische Möglichkeiten auszuloten, um das Mittelrheintal (und dessen Ausläufer) leiser zu machen. Da stand nun also ein armer Ingenieur neben seinem Beamer und mühte sich redlich, den Bürgern zu erklären, dass alles leider nicht so einfach sei. Und fügte dann hinzu, dass man aber trotzdem noch drei Dezibel Lärmminderung hier herausholen könne und da ebenfalls noch drei und woanders vielleicht sogar fünf - über das Schleifen der Schienen etwa oder über Schienenstegdämpfer, mit denen die Schienenschwingung vermindert werden soll. Oder mit Hilfe von Schienenschmiereinrichtungen, die das Quietschen in den Kurven abschwächen.

          Timo Frasch
          Politischer Korrespondent in München.

          Allein: Die Bürger von Bingen bis Bonn, die das Glück haben, im wunderschönen Mittelrheintal zu leben, und das Pech, dass Güterzüge, die auch nachts zum Teil nur ein paar Meter an ihren Häusern vorbeidonnern, dieses Glück zunichtemachen - diese Bürger haben keine Lust mehr auf Peanuts und Brotkrumen. Schließlich geht es nicht um ein, zwei oder fünf Dezibel, sondern um 110 in der Spitze - und 80 bis 90 sind schon verdammt laut.

          Der Zorn traf an diesem Abend im Bürgerzentrum vor allem den anwesenden Vertreter der Bahn, den „Oberkasper“, wie ihn einer aus dem Publikum nannte. Warum die eigentlich wichtigen Fragen nicht aufgeworfen würden, fragten ihn die Leute. Also: Nachtfahrverbot - ja oder nein? Oder: Halbierung der Geschwindigkeit - ja oder nein? Die Antwort gaben viele selbst: Es bestehe daran kein übergeordnetes Interesse.

          Bürger aus dem Rheingau und dem Mittelrheintal demonstrieren in Rüdesheim gegen den Lärm von Güterzügen (10. Mai 2014)
          Bürger aus dem Rheingau und dem Mittelrheintal demonstrieren in Rüdesheim gegen den Lärm von Güterzügen (10. Mai 2014) : Bild: Kaufhold, Marcus

          Dass man das so nicht stehen lassen kann, zeigte die Bahnlärm-Konferenz „Schneller leiser“ in Lahnstein (die von einer „Désirée Duray“ moderiert wurde) am Montag. In die Stadt mit der langen Eisenbahntradition hatten die für den Schienenverkehr zuständigen Minister von Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen, Roger Lewentz und Michael Groschek (beide SPD), sowie der Schweizer Botschafter in Deutschland, Tim Guldimann, eingeladen. Warum nun gerade der? Weil die Schweiz offenbar Mittel und Wege gefunden hat, den Bahnlärm auf ein Maß zu reduzieren, das von der Bevölkerung vielleicht nicht als Wohlklang, aber doch als notwendige Begleitmusik der Prosperität akzeptiert wird.

          Guldimann sagte, dass in der Schweiz pro Kopf zehnmal mehr für die Bekämpfung von Lärm ausgegeben werde als hierzulande. Außerdem ließ er keinen Zweifel daran, dass es ohne staatlichen Zwang, sprich: gesetzliche Regelungen, nicht gehe. In der Schweiz hat das Parlament etwa ohne Gegenstimme dem Verbot der Grauguss-Bremssohlen zugestimmt.

          Weitere Themen

          Schweres Erdbeben erschüttert Kreta Video-Seite öffnen

          Erhöhte seismische Aktivitäten : Schweres Erdbeben erschüttert Kreta

          Bei einem schweren Erdbeben auf Kreta ist mindestens ein Mensch ums Leben gekommen. Mindestens elf weitere Menschen wurden bei dem Erdstoß der Stärke 5,8 verletzt. Amateuraufnahmen zeigen den Moment, in dem im Westen der griechischen Insel Kreta die Erde bebte. Während hier wenig passierte, gab es an anderen Orten auf der größten griechischen Insel erhebliche Schäden.

          Lehrer baute und zündete Rohrbomben

          Fast vier Jahre Gefängnis : Lehrer baute und zündete Rohrbomben

          Ein Lehrer hatte in Berlin acht selbst gebaute Sprengsätze entzündet. Dem Mann, der im Prozess von Freude an Pyrotechnik gesprochen habe, sei klar gewesen, dass sein Handeln gefährlich war, sagte der Vorsitzende Richter bei der Urteilsverkündung.

          Topmeldungen

          Kompatibel oder zu verschieden? Grünen- und FDP-Wahlplakate werden in Köln abgehängt.

          Koalitions-Vorsondierungen : So können Grüne und FDP regieren

          Die FDP ist für freie Fahrt auf Autobahnen, gegen Steuererhöhungen und für eine Beibehaltung des Krankenversicherungssystems. Die Grünen vertreten das Gegenteil. Was steckt hinter der Phantasie für ein „progressives Bündnis“?
          Rot, Gelb und Grün in Berlin – die Ampel scheint die beliebteste Koalition zu sein.

          Liveblog Bundestagswahl : Mehrheit laut Umfrage für Ampelkoalition

          Erste Rücktrittsforderungen an Laschet +++ Union bereit für Jamaika +++ Habeck und Baerbock wollen Verhandlungen gemeinsam führen +++ CDU-Generalsekretär verspricht „brutal offene“ Wahlanalyse +++ Alle Entwicklungen zur Bundestagswahl im Liveblog.
          Armin Laschet und CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak am Montag in Berlin

          Laschet und die Union : Der Kandidat, der enttäuschte

          Nach dem enttäuschenden Wahlergebnis muss der CDU-Vorsitzende Armin Laschet die Parteifreunde besänftigen. Vom zweiten Platz aus versucht die Union, eine Regierungsperspektive zu behalten.
          Jörg Meuthen, Tino Chrupalla und Alice Weidel am Montag in Berlin

          AfD in Ostdeutschland : Blau blüht das Kernland

          Die AfD wird in Sachsen und Thüringen stärkste Kraft, obwohl sie im Vergleich zur Wahl von 2017 teilweise Stimmenanteile verliert. Was folgt daraus für die Partei? In Berlin zofft sich die Führung auf offener Bühne.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.