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Baden-Baden : Zwei Schlossruinen sind eine zu viel

Es gibt zahlreiche umstrittene Bauprojekte in der Kleinstadt und noch viel mehr Bausünden aus der Vergangenheit, die der Verein „Stadtbild“ hübsch dokumentiert hat. Fast immer zählten die Interessen der Investoren mehr als der Erhalt des historischen Stadtbildes. Die Sanierung des Schlosses und vor allem der Plan, dort Luxus-Appartements zu bauen und damit den luxuriösen Hotelumbau zu finanzieren, ging gründlich schief. Ein Vorgehen, das von Anfang an zum Scheitern verurteilt war. Vor Gericht gescheitert ist auch der übermütige Plan der Stadt, auf dem Gelände eines katholischen Pflegeheims („Vincentius-Areal“) Luxuswohnungen zu bauen und damit dringend benötigte Sozialwohnungen zu finanzieren. Der Verwaltungsgerichtshof sah darin einen Verstoß gegen das Gemeindewirtschaftsrecht.

Für Unruhe sorgen auch Pläne des amerikanischen Architekten Daniel Libeskind, ein „Sieben-Sterne-Luxushotel“ zu bauen, sowie das Vorhaben des SWR, das Gelände der Hörfunkdirektion zu verkaufen oder dort auf dem Tannenhof-Areal weitere Luxuswohnungen zu errichten. „Die Bürger“, sagt ein Stadtrat der FDP, „haben hier viele Jahre das Gefühl gehabt, dass es nicht sehr transparent zugeht.“

Die Politik hat versagt: In 13 Jahren ist nicht mehr gelungen, als den vollständigen Zerfall abzuwenden.
Die Politik hat versagt: In 13 Jahren ist nicht mehr gelungen, als den vollständigen Zerfall abzuwenden. : Bild: Rüdiger Soldt

Seit einem knappen Jahr ist Margret Mergen (CDU) Oberbürgermeisterin der Kurstadt. In ihrem Büro hat sie einen kleinen Prospekt mit einer Zeitachse über die ruhmreiche Geschichte Baden-Badens hängen, von der Siedlung der Römer über die Markgrafen und Iwan Turgenjew bis zu Barack Obamas Aufenthalt während des Nato-Gipfels. Sie ist froh, mal über die Zukunft der Stadt reden zu können und nicht immer nur über die Russen, die jahrelang den Großteil der Touristen in Baden-Baden ausmachten.

Durchgerechnet: Dort wird nie ein Hotel entstehen

Das Mineralwasser, das Festspielhaus, die neuen Hotels, die Ruhe und Gelassenheit, das seien die Schätze der Stadt. Für das Schloss gebe es jetzt einen Management-Vertrag mit der Firma Hyatt und auch ein Finanzierungskonzept. „Jetzt fehlt leider immer noch eine Bank, die eine solche Investition finanziert.“ Darauf aber wird die Stadt wohl noch eine Weile warten müssen, denn jeder Fachmann weiß, dass sich ein Hotel auf dem Florentinerberg nicht rechnen kann. Die einzig vernünftige Lösung wäre es gewesen, wenn das Land damals das Schloss gekauft hätte, daraus eine Akademie oder ein Tagungszentrum gemacht und einen Teil des Schlosses vielleicht als Restaurant verpachtet hätte.

Richard Schmitz, der erfahrenste Hotel-Manager der Stadt, über Jahrzehnte Direktor von Brenners Parkhotel, macht der Stadt wenig Hoffnung, dass sich am Schloss bald etwas ändern könnte: „Wenn jemand kommt, der nicht rechnen muss, dann wird es ein sehr schönes Hotel. Doch wenn jemand kommt, der rechnet, dann wird dort nie ein Hotel entstehen.“ Die meisten Hoteliers können ja rechnen. Die Sanierung eines Hotelzimmers kostet schätzungsweise 1,2 Millionen Euro, ein Hotelier müsste nach Schmitz’ Berechnungen pro Zimmer und pro Nacht 1200 Euro bei einer Auslastung von 60 Prozent einnehmen, um wirtschaftlich zu arbeiten.

„Das kann nicht funktionieren, das habe ich schon vor 13 Jahren gesagt.“ Insofern wird das Neue Schloss vorerst wohl eine Ruine bleiben. Ruinen hat die Stadt Baden-Baden aber eigentlich genug. Das Schloss Hohenbaden, das im Mittelalter Sitz der Markgrafen von Baden war und sich oberhalb der Stadt am Westhang des Bergs Battert befindet, liegt seit den Bränden von 1584 und 1597 in Trümmern.

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