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Zugunglück : Bad Münder: Immer mehr Menschen vergiftet

  • Aktualisiert am

Bergungsarbeiten in Bad Münder Bild: dpa/lni

Die bei dem Zusammenstoß ausgetretene Chemikalie Epichlorhydrin verursacht neben Haut- und Schleimhautreizungen auch Nieren- und Nervenschäden.

          Ein Woche nach dem Zusammenstoß zweier Güterzüge in Bad Münder hat die Bahn mit den Bergungsarbeiten begonnen. Bereits 371 Einwohner haben wegen Vergiftungsbeschwerden einen Arzt aufsuchen müssen. Am Wochenende wurden von 400 Feuerwehrleuten und Rot-Kreuz-Helfern Blutproben entnommen, die nun zur Beweissicherung aufgehoben werden, da Spätfolgen nicht ausgeschlossen werden können.

          Einer der beiden Güterzüge war mit dem leicht entzündlichen Desinfektionsmittel Epichlorhydrin beladen. Durch eine anschließende Explosion war das krebserregende Gas ausgetreten.

          Neben Atemwegsproblemen und Kopfschmerzen klagen viele Anwohner über allergische Reaktionen, Verätzungen und brennende Augen, berichtete Monika Steudle vom Gesundheitsamt Hameln-Pyrmont. Mit den Ergebnissen der Blutproben, die am Wochenende entnommen wurden, sei Mitte der Woche zu rechnen. Der Nachweis von Epichlorhydrin im Blut gilt jedoch als äußerst schwierig.

          Unfallursache weiter ungeklärt

          Die Trümmer der beiden Güterzüge werden nun unter Aufsicht eines Staatsanwaltes von den Gleisen geräumt. Die Reste des Nervengifts waren bereits am Sonntag aus dem Waggon gepumpt worden. Die Strecke wird aber voraussichtlich bis zum Wochenende gesperrt bleiben.

          Zur Unfallursache gibt es bei der Staatsanwaltschaft noch keine präzisen Erkenntnisse. Deshalb werden die geborgenen Wracks nicht sofort abtransportiert, sondern auf dem Bahnhofgelände noch gründlich untersucht. Die Staatsanwaltschaft hat dazu neben den Ermittlern des Eisenbahnunternehmens einen eigenen Gutachter eingeschaltet. Auch das Erdreich müsse auf eine entsprechende Verseuchung hin untersucht werden.

          Bisher größter Epichlorhydrin-Unfall in Deutschland

          Für die Chemikalie Epichlorhydrin, die als Ausgangsstoff in der Kunststoffherstellung dient, gelten sehr strenge Sicherheitsvorschriften. Das Nervengift mit dem charakteristischen Chlorgeruch reagiert unter starker Wärmeentwicklung unter anderem mit konzentrierten Laugen, Säuren oder auch Wasser. Bei der Explosion wurden giftige Substanzen wie Chlor, Chlorwasserstoff, Phosgen oder auch Dioxine gebildet.

          Epichlorhydrin wirkt stark haut- und schleimhautreizent. Es gilt vor allem als nieren- und nervenschädigend. Beim Einatmen über längere Zeit kann es zu Entzündungen an Haut und Lunge kommen. Die Folgenschwere des Zusammenstoßes ist zum jetzigen Zeitpunkt jedoch noch nicht bestimmbar.

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