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Pläne des Verkehrsministers : Autofahrer sollen ohne Prüfung Motorradfahren dürfen

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Die Fahrerlaubnis für sogenannte 125er könnte künftig leichter zu erhalten sein. Bild: dpa

Wer leichte Motorräder fahren will, soll künftig nur noch wenige Übungsstunden absolvieren müssen. Das sieht ein Entwurf aus dem Verkehrsministerium vor. Es gibt bereits Kritik.

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          Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) will Autofahrern den Zugang zum  Motorradfahren deutlich erleichtern. Der entsprechende Verordnungsentwurf lag am Donnerstag zunächst „Spiegel Online“ vor. Demnach sollen Autofahrer künftig ohne zusätzliche Prüfung leichte Motorräder fahren dürfen. Aus einem Entwurf zur Änderung der Fahrerlaubnisverordnung gehe hervor, dass in Zukunft lediglich wenige Übungsstunden vorgesehen seien.

          Demnach sollen Autofahrer ihren Führerschein der Klasse B um eine sogenannte Schlüsselzahl 195 erweitern und leichte Motorräder fahren können. Diese Leichtkrafträder zum Beispiel der Hersteller Piaggio oder Yamaha haben demnach maximal 15 PS, können aber mehr als hundert Stundenkilometer schnell fahren. 

          Eine Prüfung soll anders als bisher nicht nötig sein. Autofahrer müssten lediglich eine anderthalbstündige Theorieeinheit und sechs praktische Fahrstunden absolvieren. „Ziel der Schulung ist die Befähigung zum sicheren, verantwortungsvollen und umweltbewussten Führen eines entsprechenden Leichtkraftrades“, heißt es nach Angaben der Deutschen Presse-Agentur in dem Papier. Möglich soll dies aber erst für Autofahrer ab 25 Jahren sein, die ihren Führerschein seit mehr als fünf Jahren besitzen. Die erweiterte Fahrerlaubnis soll nur für Deutschland gelten. Wer seinen Autoführerschein vor dem 1. April 1980 gemacht hat, darf diese Krafträder sowieso fahren. 

          Der Deutsche Verkehrssicherheitsrat übte gegenüber dem „Spiegel“ Kritik. Man sehe „keine hinreichenden Gründe, den Zugang zur zweitgefährlichsten Fahrzeugklasse auf deutschen Straßen zu lockern“. Das Bundesverkehrsministerium bestätigte den Bericht zunächst nicht.

          Auch von Fahrlehrer warnen: „Das zentrale Problem ist die fehlende fahrerische Kompetenz“, sagte der Vorsitzende der Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände (BVF), Dieter Quentin, der Deutschen Presse-Agentur. Autofahrer seien nicht dafür ausgebildet, ein Motorrad technisch zu beherrschen. Schon jetzt sei ein Großteil der Unfälle mit  Motorrädern auf Fahrfehler zurückzuführen. Mit der vorgeschlagenen Regelung steige das Risiko, so Quentin.

          Verkehrsminister Scheuer hatte zuletzt die Regelungen bezüglich des Moped-Führerscheins gelockert: Die Länder haben künftig die Möglichkeit, das Alter für den Führerschein von 16 auf 15 Jahre herabzusenken. So soll unter anderem die Mobilität von Jugendlichen im ländlichen Raum erhöht werden.

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