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Auszeichnung für türkischen Botschafter : Der Gröönkohl-Sultan

  • -Aktualisiert am

Ist grün und ziert Könige: Der niedersächsische Ministerpräsident Stefan Weil (links) und der Oldenburger Oberbürgermeister Gerd Schwandner (rechts) umrahmen den türkischen Botschafter und neuen Grünkohlkönig Hüseyin Avni Karslioglu Bild: dpa

Beim „Defftig Ollnborger Gröönkohl-Äten“ geht es nicht nur um ein herbes Wintergemüse, Grünkohl ist hier Ritual.

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          Das Oldenburger Land gilt als Region, die auf Hergebrachtes achtet. Nirgendwo gedeiht die Landwirtschaft besser, hier werden mehr Kinder geboren als irgendwo sonst in Deutschland. Die Hauptstadt Oldenburg in Oldenburg hält sich an Traditionen, etwa mit der Verleihung ihres Ehrentitels „Grünkohlkönig“. Bei den Feiern war bislang noch jeder Bundespräsident zu Gast. Seit 56 Jahren wurden Bundesminister, Bundeskanzler und Ministerpräsidenten zum Grünkohlkönig. Zur Verleihung in der Niedersächsischen Landesvertretung in Berlin kommt regelmäßig das halbe Kabinett aus Hannover, diesmal zudem der Generalinspekteur der Bundeswehr.

          Jetzt aber war alles anders in der Stadt, die sich – so ihr Oberbürgermeister Gerd Schwandner – so oft als „Übermorgenstadt“ vermarkte, bis alle das auch glaubten. Der neue König sagte nämlich, er sei ja eigentlich nun Grünkohl-Sultan. Der türkische Botschafter Hüseyin Avni Karslioglu folgte dem Kanzleramtsminister Peter Altmaier als neuer Preisträger, der eine Amtskette und einen übergroßen Grünkohlbund gereicht bekam. Zu den Pflichten des neuen Königs zählt neben einem Besuch in Oldenburg eine Rede mit gehobenem Kabarett – das bot der teils in Deutschland aufgewachsene Botschafter in besserem Deutsch, so wurde vermerkt, als so manch frühere Grünkohl-Könige aus dem Saarland, aus Schwaben oder Bayern.

          Vorbereitung für das „Ollnborger Gröönkohl-Äten“ in der Küche der niedersächsischen Landesvertretung in Berlin
          Vorbereitung für das „Ollnborger Gröönkohl-Äten“ in der Küche der niedersächsischen Landesvertretung in Berlin : Bild: dpa

          Übertroffen wurde seine Sprachfähigkeit nur vom Vorsitzenden des Kurfürstenkreises, der ihn kürte, dem in Äthiopien geborenen Moderator und Schauspieler Yared Dibaba, der zum Wahrer des Plattdeutschen wurde. Er berichtete, was Oldenburg ihm bedeute. Dort habe er seine Einbürgerungsurkunde erhalten und seine Fahrerlaubnis. Zudem sei er bald nach seiner Übersiedlung nach Deutschland in einem kleinen Ort als Zehnjähriger der vermutlich jüngste Grünkohlkönig je geworden. Auch andere Städte zelebrieren den Kohl – beim Schaffermahl am vergangenen Freitag die Bremer, indes mit Braunkohl, und nochmals die Bremer, diesmal mit Grünkohl, als sie vor einigen Tagen den früheren Ministerpräsidenten Kurt Beck in der Roland-Runde zu ihrem Kohlkönig wählten.

          Treffen ist in Oldenburg Kult

          Als wichtigstes dieser Mähler gilt jedoch das „Defftig Ollnborger Gröönkohl-Äten“. Der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil lobte das Treffen als Kult. Dort wird die Oldenburger Hymne stehend gesungen. Selbst die Praline zum Abschluss ist eine Kreation, in der zwei Schokoladenarten mit Grünkohl verschmolzen werden. Grünkohl ist hier nicht nur ein herbes Wintergemüse, sondern auch Ritual.

          Nun aber steht den Anhängern des Grünkohls eine nicht gekannte Herausforderung bevor: Der Grünkohl ist als Weltkulturerbe vorgeschlagen worden. Während Weil auf die völkerverbindende Kraft des Grünkohls wies, rügte Oberbürgermeister Schwandner den ausscheidenden König Altmaier: Er habe im Vorjahr 8000 Tweets abgesetzt und mit seinem Twittern 55.000 Anhänger erreicht – aber nicht ein einziges Mal habe er eine Kurzmeldung über den Grünkohl versandt.

          Der türkische Botschafter als neuer König will sich da bei der Unesco härter dafür einsetzen, dass der Grünkohl Weltkulturerbe wird. Schließlich habe die Herzogin von Oldenburg 1902 den Grünkohl, eine der ältesten Kulturpflanzen der Welt, nach Anatolien gebracht, wo er jetzt auch gehegt und verspeist wird. Auf andere neue Anhänger könnten sie sich auch stützen – der Branchenverband Gartenbau schrieb gerade in seinem Jahresbericht, der Grünkohl sei ein „Riesen-Hype“ in den Vereinigten Staaten, und auch gesundheitsbewusste Hollywood-Stars propagierten seinen Verzehr.

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