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„Gefährdetes Weltnaturerbe“ : Australien kündigt Widerstand gegen Herabstufung des Great Barrier Reef an

Sehr schlechte Aussichten: das Great Barrier Reef in Australien 2017 Bild: dpa

Die UNESCO hat angekündigt, das Great Barrier Reef als gefährdetes Weltnaturerbe einzustufen. Die langfristigen Aussichten des Ökosystems im Riff hätten sich „von schlecht zu sehr schlecht“ entwickelt. Die australische Regierung ist „fassungslos“.

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          Die australische Regierung ist aufgebracht über die Ankündigung der UNESCO, das Great Barrier Reef als „gefährdet“ einstufen zu wollen. Canberra werde „starken Widerstand“ gegen die Empfehlung leisten, kündigte die Umweltministerin Sussan Ley am Dienstag an. Die Regierung sei „fassungslos“ über die drohende Herabstufung des seit 1981 bei der UN-Kulturorganisation als Welterbe gelisteten Korallenriffs.

          Till Fähnders
          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          In einem am Montag veröffentlichten Bericht hatte sich das Welterbe-Komitee „zutiefst besorgt“ über den Zustand des Great Barrier Reef gezeigt, der sich „von schlecht zu sehr schlecht“ entwickelt habe. Dabei bezog es sich vor allem auf Korallenbleichen in den Jahren 2016, 2017 und 2020 aufgrund stark erhöhter Meerestemperaturen.

          Fachleute führen das Massensterben an dem größten Korallenriff der Welt auf den Klimawandel zurück. Das Komitee hatte deshalb auch indirekt Kritik an der Klimapolitik Australiens geübt, das sich nicht wie andere Länder verpflichtet, bis zum Jahr 2050 Klimaneutralität zu erreichen, sondern nur „so schnell wie möglich“ und „vorzugsweise bis 2050“. Die Kritik wies die Umweltministerin allerdings scharf zurück. Die UNESCO sei nicht das Forum, um den Klimawandel zu diskutieren. In der australischen Presse wurde zudem darüber spekuliert, dass die Regierung in Peking hinter der drohenden Herabstufung stehen könnte. China ist Gastgeber und Vorsitzender der für Juli angesetzten Sitzung des Komitees. Das Land hatte Strafmaßnahmen gegen Australien ergriffen, nachdem es als erstes Land eine unabhängige Untersuchung der Ursprünge der Corona-Pandemie gefordert hatte.

          Umweltschützer sahen in den Vorwürfen gegenüber China allerdings nur den Versuch, von den Versäumnissen der Regierung in Bezug auf das Riff und den Klimaschutz abzulenken. In seinem Bericht hatte das Komitee auch bemängelt, dass etwa die Ziele zur Verbesserung der Wasserqualität, die Canberra in einem langfristigen Plan zur Rettung des Riffs festgelegt hatte, nicht erreicht worden seien. Ministerin Ley verwies dagegen auf Milliarden von Dollar, die Australien in den Schutz des größten Korallenriffs der Welt investiert habe. Darüber hinaus beschuldigte sie das Komitee, nicht den Gepflogenheiten gefolgt zu sein. Canberra sei nicht über die Empfehlung informiert gewesen. Noch vor einer Woche sei ihr versichert worden, dass es nicht zu einer Herabstufung kommen würde.

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