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Brände verbinden sich : Jetzt wütet ein „Mega-Feuer“ in Australien

Bild: dpa

Wie befürchtet verbinden sich in Südostaustralien zwei Buschbrände zu einem „Mega-Feuer“. In Großstädten wird gegen die Klimapolitik der Regierung protestiert, doch der Premierminister legt in einem Interview noch einmal nach.

          3 Min.

          Es wurde seit längerem erwartet, nun ist die Befürchtung Realität geworden: Im Südosten Australiens haben sich am Freitag zwei große Buschfeuer zu einem sogenannten Mega-Feuer verbunden. Der Brand liegt nahe der Snowy Mountains im Grenzgebiet zwischen den Bundesstaaten New South Wales und Victoria. Er soll eine Fläche von insgesamt 600.000 Hektar umfassen.

          Till Fähnders

          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Das Gebiet liegt unweit des 2228 Meter hohen Mount Kosciuszko, des höchsten Berges auf dem australischen Kontinent. Wie die Zeitung „Sydney Morning Herald“ auf ihrer Internetseite berichtete, hatten sich das East-Ournie-Creek-Feuer und das Dunns-Road-Feuer nahe dem Dorf Tooma vereinigt. Zuvor hatten sich schon das Ournie-Creek-Feuer und das Green-Valley-Feuer verbunden. Auch das Feuer am Gospers Mountain weiter nördlich war mit 444.000 Hektar Fläche schon als „Mega-Feuer“ bezeichnet worden.

          Am Freitag hatten ungünstige Wetterbedingungen die Brände im Südosten noch einmal angeheizt. Hohe Temperaturen und starke Winde erschwerten die Arbeit Tausender Feuerwehrleute, die im Kampf gegen die Buschbrände im Einsatz waren. Im Bundesstaat New South Wales loderten am Freitag etwa 130 Brände, von denen rund 50 nicht unter Kontrolle waren.

          Es gab auch positive Nachrichten

          In Victoria waren es 21 Feuer. Dort hatten die Behörden am Freitag den Katastrophennotstand um 48 Stunden verlängert. Etwa 240.000 Menschen sollen dort per SMS eine Warnung erhalten haben, die sie zum Verlassen ihrer Wohnorte aufforderte. Der Ministerpräsident Daniel Andrews sprach von einem „sehr schwierigen Tag“. Er zeigte sich aber zufrieden, dass die meisten Leute den Anweisungen der Behörden folgten.

          Die Ruhe vor dem nächsten Einsatz: Feuerwehrleute in Kingscote auf der Känguru-Insel erholen sich vom nächtlichen Kampf gegen die Brände.

          Weiterhin schwierig war die Lage auch auf der Känguru-Insel in Südaustralien. Dort war der größte Ort Kingscote vorübergehend vom Feuer bedroht und von der Außenwelt abgeschnitten. Aber es gab auch positive Nachrichten. So waren die Temperaturen in Victoria am Abend gefallen. Teilweise regnete es, wie etwa auch in den Brandgebieten von East Gippsland. Die Feuerwehren wurden in ihrem Kampf von Kräften aus Neuseeland, Kanada und den Vereinigten Staaten unterstützt.

          In dem Ort Mallacoota an der Südostküste können sich die Bewohner, die seit dem Jahreswechsel wegen der Buschfeuer dort festsitzen, außerdem auf eine besondere Hilfslieferung freuen. Die australische Marine plant eine Lieferung von 20 Fässern und vier Paletten Bier. Überbringen soll sie das Schiff „HMAS Choules“, das wegen der Brände schon mehr als 1000 Menschen aus Mallacoota über das Meer in Sicherheit gebracht hat.

          Der Premierminister lenkt nicht ein

          Die Umweltstiftung von Hollywood-Star Leonardo DiCaprio will nach eigenen Angaben drei Millionen Dollar für den Kampf gegen die Feuer spenden. Das teilte die Organisation „Earth Alliance“ am Freitag auf Twitter mit. Das Geld solle zur Unterstützung der Feuerwehrleute und der Kommunen beitragen. Auch andere Prominente wie Formel-1-Weltmeister Lewis Hamilton, Schauspieler Chris Hemsworth, die Sängerinnen Kylie und Danni Minogue, die Schauspielerin Nicole Kidman und andere versprachen großzügige Unterstützung für die Feuerwehrleute.

          Als Reaktion auf die Buschbrände haben landesweit am Freitag in mehreren Großstädten Menschen für eine entschlossenere Klimapolitik und mehr Geld für die Feuerwehrleute protestiert. In Sydney, Melbourne, Canberra, Adelaide und Brisbane gingen Zehntausende auf die Straße. Die Proteste waren von den Gruppen „Uni Students for Climate Justice“ und „Extinction Rebellion“ organisiert worden. Die Demonstranten kritisierten vor allem den australischen Premierminister Scott Morrison und forderten seine Absetzung. Der Premier hat es in der Krise an Mitgefühl und Führungsstärke fehlen lassen. Er ist auch aufgrund seines Widerstands gegen eine entschlossenere Klimapolitik umstritten.

          Nach der schlechten Presse der vergangenen Wochen äußerte sich Premierminister Scott Morrison am Freitag gleich in drei Interviews und einer Pressekonferenz zu den Vorwürfen. Dem Sender ABC sagte er, der Klimawandel sei nur eine von mehreren Ursachen für die verheerenden Buschbrände in seinem Land. Dazu zählten auch die Dürre, die damit allerdings in Verbindung stehe, sowie die Vorsorge durch gezieltes Abbrennen von Unterholz, das durch die Dürre schwieriger geworden sei.

          Die Vorstellung, einzelne klimapolitische Maßnahmen hätten direkten Einfluss auf die Feuer, sei dagegen „lächerlich“, sagte Morrison dem Radiosender 2GB Sydney. Er lehne es daher auch ab, Ziele zur Verringerung der Emissionen zu formulieren, die Arbeitsplätze kosteten und die Wirtschaft in Gefahr bringen könnten.

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