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Ausbildung zum Bestatter : Das Ende ist ihr Anfang

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Die eine Hand hält das Metallband, die andere lässt die Urne hinab in das Loch: Auf dem Lehrfriedhof wird das richtige Bestatten gelernt Bild: Tobias Schmitt

Gräber ausheben, Särge einrichten, Verstorbene schminken: Wer will so etwas heute machen? Zu Besuch in einem Ausbildungszentrum für Bestatter im unterfränkischen Münnerstadt.

          An seine erste Leiche kann sich Stefan Winkel noch genau erinnern: Es war ein Mann um die siebzig, der im Krankenhaus eines natürlichen Todes gestorben war. Mit seinem Chef hat Winkel dem Toten das Nachthemd ausgezogen, ihn gewaschen und wieder angezogen: schwarzer Anzug, weißes Hemd. Dann hat Winkel den alten Mann geschminkt. Er sollte friedlich aussehen, so als schliefe er. „Die Haut fühlte sich wie Haut an, nur kälter“, sagt Winkel. Bei fünf Grad lag die Leiche im Kühlhaus, bevor er sie auf einen silbernen Tisch mit schräger Oberfläche und Abflüssen für die Säfte des Körpers hievte. Drei Jahre ist das her.

          Nun ist Winkel fast mit seiner Ausbildung zum Bestatter fertig. An diesem Vormittag sitzt der Dreiundzwanzigjährige mit 13 anderen Auszubildenden im Seminar „Trauerpsychologie“ im unterfränkischen Münnerstadt. Im Bundesausbildungszentrum der Bestatter lernt Winkel, wie er Gräber aushebt, Särge einrichtet und Angehörige berät. Der Bayerische Landesverband der Bestatter hat das Zentrum vor sechs Jahren gegründet, um die Ausbildung der Lehrlinge an Berufsschulen und in Betrieben zu ergänzen. Einmal im Jahr kommen die Auszubildenden her und nehmen an ein- bis zweiwöchigen Seminaren rund um den Tod teil.

          Dozentin Irina Kastner malt Synapsen auf ein Flipchart, die ein bisschen so aussehen wie Wattestäbchen. Dazu zeichnet sie blaue Kreise. Sie sollen Reize darstellen, die schlechter übertragen werden, wenn das Gehirn zu wenig Botenstoffe produziert, so wie bei Trauernden. In Kastners Seminar geht es um Depressionen, Schlafstörungen, Halluzinationen und wie Bestatter mit diesen Symptomen der Trauer umgehen können. Wenn Hinterbliebene hören, wie nachts die Dielen knacken oder die Türen quietschen, dann sind es nicht die Verstorbenen, die über die Flure schleichen. Es sind die Erinnerungen, die den Trauernden Streiche spielen. „Es gibt ja nichts, was es nicht bei uns gibt“, sagt Kastner.

          Urnen im Lehrraum für Materialkunde

          Ein Beruf mit wenig modischem Spielraum

          Ein Seminarteilnehmer hat sich Spinnweben und dunkle Risse auf die Arme tätowieren lassen. Stefan Winkel trägt ein grünes T-Shirt. Grün ist seine Lieblingsfarbe, und er ist froh, wenn er sie tragen kann. Sein Beruf erlaubt kaum modischen Spielraum. Für die Arbeit wählt der Lehrling immer einen der drei schwarzen Anzüge, die er im Schrank hängen hat. Winkel sieht älter aus, als er ist. Vielleicht liegt das an seinem Kinnbart. Vielleicht an den vielen Toten, die er schon gesehen hat. Mehrere hundert müssen es mittlerweile gewesen sein.

          Mit einem schwarzen Ford Granada, Baujahr 1976, fing damals alles an. Winkel hatte ein Faible für Oldtimer und kaufte sich den Wagen, den ein Unternehmen früher einmal nutzte, um Leichen zu transportieren. Weil er so fasziniert von dem Oldtimer war, traf er sich mit anderen Liebhabern alter Bestattungswagen. Im Autokorso fuhren sie zusammen durch die Städte, in denen sie sich versammelten. Einige Fahrer waren selbst Bestatter und erzählten von ihrer Arbeit. Vielseitig sei sie und abwechslungsreich. Das findet auch Winkel. „Ich kann am Vormittag auf dem Bagger sitzen und Gräber schaufeln und am Nachmittag schon im Anzug Beratungsgespräche führen.“

          BWL, Trauerpsychologie und Dekoration stehen auf dem Stundenplan

          Das Ausbildungszentrum der Bestatter liegt in der Mitte von Leben und Sterben, zwischen dem Jugendhaus Sankt Michael und dem Seniorenzentrum Sankt Elisabeth. In der Eingangshalle weist ein Flachbildschirm auf die Kurse des Tages hin: Betriebswirtschaftslehre für geprüfte Bestatter, Trauerpsychologie und die dreigliedrige Einheit Grabtechnik, Warenkunde, Dekoration.

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