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Auktion bei Sotheby's : Zwei Diademe von Kaiserin Joséphine versteigert

Eins der beiden Diademe, die bei der Auktion bei Sotheby’s den Besitzer wechselten. Bild: Sotheby's

Mehr als 150 Jahre waren sie Teil einer privaten britischen Sammlung. Nun wurden die Schmuckstücke in London verkauft – von einer Familie, die mit Königin Elisabeth II. verwandt ist.

          3 Min.

          Einige der schönsten Schmuckstücke, die einstmals Napoléons Frau, Joséphine Bonaparte, gehörten, sind heute im Besitz der schwedischen Königsfamilie. Darunter befindet sich auch ein mit antik anmutenden Kameen besetztes Diadem, das sowohl Kronprinzessin Victoria als auch ihre Mutter, Königin Silvia, bei ihren Hochzeiten trugen. Angefertigt wurde das Diadem auch für eine Hochzeit: Darum zeigt der Haarreif, den Napoléon 1809 bei seinem Hofjuwelier Marie-Étienne Nitot in Auftrag gab, auf einer Kamee die Liebes­göttin Venus. Wie das Diadem mit vielen anderen Juwelen nach Schweden kam, ist schnell erzählt: Joséphines Enkelin, die ebenfalls Joséphine hieß, war mit dem schwedischen König Oskar I. verheiratet.

          Peter-Philipp Schmitt
          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Andere Schmuckstücke, die einst der französischen Kaiserin gehörten, lassen sich nicht so leicht bis zu ihr zurückverfolgen. Das gilt auch für zwei Parüren, die am Dienstag in London bei Sotheby’s versteigert wurden und die, wie das Auktionshaus schreibt, „der Überlieferung nach einmal Joséphine de Beauharnais (1763 bis 1814), der Frau von Napoléon Bonaparte (1769 bis 1821), gehörten“.

          Prinzessin Victoria trägt auf ihrer Hochzeit das mit Kameen besetzte Diadem.
          Prinzessin Victoria trägt auf ihrer Hochzeit das mit Kameen besetzte Diadem. : Bild: dpa

          „À la Joséphine“

          Der Stil, der auch „à la Joséphine“ genannt wird, passt zumindest genau. Napoléon nahm nach der Französischen Revolution nur zu gerne Anleihen in der Antike und sah sich in der Tradition der römischen Kaiser und des mittelalter­lichen Kaisertums Karls des Großen. Napoléons Kaiser­krone, nach Karl dem Großen „Couronnes de Charlemagne“ genannt, zierte darum auch eine Vielzahl von Gemmen und Kameen mit vor allem römischen Kaiserporträts.

          Das Diadem ist teils mit echten ­antiken Gemmen und Kameen, wohl aus Italien, besetzt.
          Das Diadem ist teils mit echten ­antiken Gemmen und Kameen, wohl aus Italien, besetzt. : Bild: Foto Sotheby's

          Die antiken oder nur auf antik gemachten Schmucksteine mit ihren Gravuren waren auch bei Napoléons Frau sehr beliebt. Auf Gemälden wie dem von Andrea Appiani aus dem Jahr 1808 präsentierte sie sich fast wie eine Römerin. Joséphine trug Gemmen und Kameen als Ketten und Gürtelschnallen, als Haar­nadeln und Ohrringe und auch gerne eingearbeitet in ihre zahllosen Diademe. Meist waren die Schmuckstücke Geschenke ihres zweiten Ehemanns, des Kaisers, einige kamen auch über Napoléons jüngste Schwester Caroline, damals Königin von Neapel, zu ihr nach Paris.

          Die französische Kaiserin, auf einem Gemälde von Andrea Appiani zu sehen, liebte antike Gemmen und Kameen.
          Die französische Kaiserin, auf einem Gemälde von Andrea Appiani zu sehen, liebte antike Gemmen und Kameen. : Bild: Sotheby's

          Auch die beiden nun verkauften Schmuckkombinationen könnten Geschenke Carolines gewesen sein. Sie wurden zwar beide um 1808 in Paris gefertigt, sind aber teils mit echten ­antiken Gemmen und Kameen wohl aus Italien besetzt. Joséphine sammelte Schmuck und vor allem genau diese Steine mit ihren erhabenen Reliefs (Kameen) oder auch ihren vertiefend eingeschnittenen Darstellungen (Gemmen). Kurz vor ihrem Tod und nach Napoléons Sturz im Jahr 1814 könnte sie Teile ihres Schmucks zu Geld gemacht haben. Einer der Käufer, so die Mutmaßung, war Edward Lascelles, der erste Graf von Harewood, der sich zu jener Zeit in Paris aufhielt und unter anderem durch Sklavenhandel reich geworden war. Mit ihm kamen die beiden Parüren dann ins Vereinigte Königreich und in eine Familie, die Anfang des 20. Jahrhunderts auch in die englische Königsfamilie einheiratete: Henry Lascelles, der sechste Graf von Harewood, war der Schwiegersohn von König Georg V. und damit ein angeheirateter Großonkel von Königin Elisabeth II.

          Sechsstellige Summen für die Schmuckstücke

          Aus der Familie Lascelles sollen die nun angebotenen Diademe stammen. Sotheby’s schreibt dazu, dass sie 150 Jahre lang Teil einer privaten britischen Sammlung gewesen seien. Der eine Haarreif aus Gold und Emaille, der Kameen aus dem 18. Jahrhundert (Zeus und Dionysos) und dem 16. Jahrhundert (Medusa, Pan und Gäa) zeigt, wurde nachweislich von Jacques-Ambroise Oliveras gefertigt. Sein geschätzter Wert: 100.000 bis 200.000 britische Pfund. Der Zuschlag für das insgesamt dreiteilige Set samt Originalschatulle erfolgte bei 126.000 Pfund mit Gebühren (rund 150.000 Euro). Beim zweiten Diadem ist der Juwelier unbekannt. Es besteht ebenfalls aus Gold und Emaille und ist mit insgesamt 25 zum Teil wohl antiken Gemmen bestückt. Zur Parüre gehören ein Paar Ohrringe, ein Kamm und ein Gürtelornament. Samt Schatulle wurde der Wert auf 200.000 bis 300.000 Pfund geschätzt, der Zuschlag erfolgte bei 450.600 Pfund mit Gebühren (530.000 Euro). Beide Käufer sind unbekannt.

          Auch die erste Briefmarke, „One Penny“, wurde bei der Auktion versteigert.
          Auch die erste Briefmarke, „One Penny“, wurde bei der Auktion versteigert. : Bild: Sotheby's

          Versteigert wurde am Dienstag zudem eine Briefmarke. Genauer: die erste Briefmarke der Welt. Die Marke mit dem Profil von Königin Victoria stammt aus dem allerersten Druck. Sie habe am 1. Mai 1840 das Portosystem, wie wir es kennen, begründet, teilte Sotheby’s dazu mit. Geschätzter Wert: vier bis sechs Millionen Pfund. Ein Käufer für die ungezähnte und sehr gut erhaltene „One Penny Black“, die damals nur ein Jahr im Gebrauch war, fand sich allerdings nicht.

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