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F.A.Z.-Leser helfen : Aufsteigen mit Mary

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z., Helmut Fricke

Cargo Human Care wagt sich an ein neues Projekt in Nairobi: Die Pläne für das Jugendzentrum sind fast fertig. Eine Sozialarbeiterin freut sich darauf genauso sehr wie die Kinder, die dort wohnen sollen.

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          Mary Wanjiku hat in ihrem Leben selten Bauland betreten. Mit etwas mehr Erfahrung hätte die Sozialarbeiterin wahrscheinlich die hochhackigen Schuhe im Schrank gelassen. Nun sind ihre Absätze in der roten, feuchten kenianischen Erde verschwunden, aber sie strahlt trotzdem über beide Ohren. Denn dieser halbe Hektar Land könnte für ein Projekt in Frage kommen, in das sie große Hoffnungen setzt.

          Noch arbeitet Mary im Mothers’ Mercy Home, dem Waisenhaus, das der Frankfurter Verein Cargo Human Care mit Hilfe der F.A.Z.-Leser ausgebaut hat. Aufgabe der jungen Frau ist es, die Kinder auf den Start ins wahre Leben vorzubereiten. Sie versucht mit ihnen herauszufinden, welchen Weg sie nach Highschool und Waisenhaus einschlagen wollen und können. „Sie sollen nicht nur auf ihr Zeugnis, sondern auf sich selbst vertrauen“, sagt Mary.

          Seit 2002 gibt es das Mothers’ Mercy Home nordwestlich von Nairobi. Gegründet hat es die anglikanische Kirche, um Aids-Waisen ein Dach über dem Kopf zu schaffen. Dieses Jahr hat Mary den ersten Jahrgang Jugendlicher begleitet, die das geschützte Zuhause mit einem Schulabschluss in der Tasche verlassen haben. Um genau zu sein, begleitet Mary die 18 jungen Frauen und Männer noch immer, denn der Start ins neue Leben fiel ihnen schwerer als erwartet.

          Es fängt schon an mit einer Wohnung. Zwischen Abschlussprüfung und Zeugnisvergabe vergehen in Kenia Monate. In dieser Zeit durften die Waisenkinder schon nicht mehr im Mercy Home wohnen, weil die Kirche ihre Mission als erfüllt ansieht, wenn die Tinte auf den Prüfungsbögen trocken ist. Das bedeutet, dass einige der Waisenkinder zurück zu ihren Verwandten mussten, die sie einst an das Mercy Home abgegeben hatten, weil sie nicht für sie sorgen konnten oder wollten. Neun der jungen Erwachsenen wohnen nun in Nairobi in Hostels, die alles andere als ein angenehmes Zuhause sind.

          Lebenshelferin: Mary Wanjiku will das Jugendhaus leiten, in dem Schulabgänger aus dem Waisenhaus eine Zeitlang wohnen können
          Lebenshelferin: Mary Wanjiku will das Jugendhaus leiten, in dem Schulabgänger aus dem Waisenhaus eine Zeitlang wohnen können : Bild: Fricke, Helmut

          Die Erfahrungen mit diesem ersten Jahrgang haben den Vorstand von Cargo Human Care ins Grübeln gebracht. „Wir mussten mitansehen, dass die Kinder verloren und allein waren“, sagt Gerhard Meyke, zweiter Vorsitzender des Hilfsvereins. Aus der Sorge um die Schulabgänger ist schließlich die Idee eines Jugendzentrums entstanden. Meyke, ein Banker im Ruhestand, der die Bauprojekte des Vereins koordiniert, will damit zumindest einigen der Abgänger den Übergang mit einem Schlafplatz erleichtern. Geplant ist, 24 Betten für jene vorzuhalten, die noch keine Bleibe gefunden haben. In einer Gemeinschaftsküche sollen sie sich selbst versorgen, wie in einer großen Wohngemeinschaft.

          Meyke sagt, es solle keinen automatischen Umzug vom Waisenhaus in das Jugendzentrum geben. Der Neubau sei für Notfälle gedacht. Und doch soll er allen offenstehen. Im Erdgeschoss ist Platz für mehrere Seminarräume vorgesehen. Die Schulabgänger sollen dort ganz praktische Dinge lernen. Mary will ihren Schützlingen etwa beibringen, wie sie mit Geld umgehen können, wie sie ihre eigenen Talente erkennen und vieles mehr.

          Mary hat selbst erlebt, wie ein Aufstieg gelingen kann. Ihr Schulgeld musste sie erbetteln, weil ihre Mutter es nicht aufbringen konnte. Ihr Abendstudium finanzierte sie, indem sie tagsüber putzen ging. Im Mothers’ Mercy Home arbeitete sie zunächst freiwillig, bevor sie einen festen Job bekam. Läuft alles nach Plan, wird die Achtundzwanzigjährige das neue Jugendzentrum leiten. Eine bessere Aufstiegstrainerin können sich die Kinder kaum wünschen.

          Geschützte Notunterkunft: So könnte das Jugendhaus aussehen
          Geschützte Notunterkunft: So könnte das Jugendhaus aussehen : Bild: LAAP

          Doch vor dem Lernen kommt das Bauen. Damit es gelingt, hat sich Cargo Human Care in Nairobi mittlerweile ein ansehnliches Netzwerk aufgebaut. Der Kontakt zum anglikanischen Bischof Timothy Ranji ist nach wie vor eng. Der Geistliche sagt, das Jugendzentrum sei genau das, was seine Gemeinde wolle. Dafür gebe er gerne ein geeignetes Stück Land. Die Baupläne für das Haus stammen von einem Architekten, der schon öfter für die deutschen Helfer gearbeitet hat. Bulli Ladu hat unter anderem eine neue Küche für das Mercy Home entworfen und einen Gesamtplan für das Gelände des Waisenhauses aufgestellt. Ladu stammt aus dem Sudan, hat aber in Augsburg studiert. Dass er die deutsche Mentalität so gut kennt wie die kenianische, ist ein unschätzbarer Vorteil. Das gilt auch für den Generalunternehmer, der den Bau steuern wird. Ingenieur Joachim Pfeffer arbeitet seit knapp 20 Jahren für den Frankfurter Projektentwickler Gauff in Nairobi.

          Fehlt nur noch das passende Grundstück. Die Suche läuft; das Gelände, auf dem Marys Absätze im Boden versinken, ist zwar groß genug, aber letztlich doch nicht das Richtige. Es liegt etwas zu weit weg von der Hauptstraße und wäre schwer gegen Eindringlinge zu sichern. Die Kirche hat noch weitere Grundstücke im Bestand, eines davon prüft Cargo Human Care gerade auf seine Tauglichkeit. Die Partner sind zuversichtlich, bald das passende gefunden zu haben. In einem guten halben Jahr könnte dann der Bau beginnen.

          Doch das schönste Haus ist wertlos, wenn es mit einem schlechten Konzept geführt wird. Sozialarbeiterin Mary macht sich derzeit viele Gedanken darüber, wie viel Fürsorge ihre Schulabgänger brauchen und wie viel Selbstbestimmung für sie möglich ist. Gerade laufen die Abschlussprüfungen des zweiten Jahrgangs, den sie betreut. Bald beginnen sie ihr neues Leben außerhalb des mit Mauern gesicherten Mercy Home. Mary hofft, dass dieses Mal mehr der jungen Erwachsenen von Anfang an auf eigenen Beinen stehen können. Sie legt Wert darauf, dass sie sich selbständiger um Praktika, Ausbildungs- und Arbeitsplätze kümmern. Was nicht heißt, dass Mary ihnen nicht mehr zur Seite steht, egal ob in schicken oder in praktischen Schuhen.

          Spenden für das Projekt „F.A.Z.-Leser helfen“

          Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung und die Frankfurter Allgemeine/ Rhein-Main-Zeitung bitten um Spenden, die dem Kinderschutzbund in Frankfurt und Cargo Human Care für ein Jugendhaus in Nairobi zugutekommen. Spenden für das Projekt „F.A.Z.- Leser helfen“ bitte auf die Konten:

          - Nummer 11 57 11 bei der Frankfurter Volksbank (BLZ 501 900 00) IBAN: DE94 5019 0000 0000 1157 11

          - Nummer 97 80 00 bei der Frankfurter Sparkasse (BLZ 500 502 01) IBAN: DE43 5005 0201 0000 9780 00

          Die Namen der Spender werden in der Zeitung veröffentlicht. Selbstverständlich wird auch der Wunsch respektiert, auf eine Namensnennung zu verzichten. Spenden können steuerlich abgesetzt werden. Sofern die vollständige Adresse angegeben ist, kann eine Spendenquittung zugeschickt werden. Weitere Informationen zur Spendenaktion im Internet unter der Adresse www.faz-leser-helfen.de.

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