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Attentat : Messerattacke auf Pariser Bürgermeister

  • Aktualisiert am

Überlebte eine Messerattacke: Bertrand Delanoë, Pariser Bürgermeister Bild: AP

Der 52-jährige sozialistische Bürgermeister von Paris, Bertrand Delanoë, wurde in der Nacht zum Sonntag von einem Unbekannten in den Bauch gestochen.

          2 Min.

          Ein Attentäter hat am frühen Sonntagmorgen den Pariser Bürgermeister Bertrand Delanoë im Rathaus der Stadt mit einem Messerstich in den Bauch verletzt. Delanoë (52) wurde ins Krankenhaus gebracht und operiert. Nach Angaben der Ärzte bestand keine Lebensgefahr.

          Die sozialistische Exministerin Ségolène Royal erklärte, mehrere innere Organe seien leicht verletzt worden. Delanoë müsse mindestens acht Tage in der Klinik bleiben. Das Krankenhaus Pitié-Salpétrière teilte mit, die Operation sei erfolgreich verlaufen. Der Zustand des Bürgermeisters sei „zufrieden stellend“. Staatspräsident Jacques Chirac, auf den am 14. Juli ein Attentatsversuch verübt worden war, übermittelte Delanoë seine Genesungswünsche und verurteilte die „sinnlose Tat“. Auch Premierminister Jean-Pierre Raffarin äußerte sich entsetzt über die Tat.

          "Ich mag keine Politiker"

          Der 39-jährige Angreifer war gegen 2.30 Uhr wortlos an den Sozialisten herangetreten und hatte ihn mit einem Messer attackiert. Der Mann konnte von einem Begleiter des Bürgermeisters überwältigt werden. Das Rathaus war zu dieser späten Stunde für die Öffentlichkeit im Rahmen eines Kunstspektakels geöffnet.

          Nach stundenlangem Schweigen hatte der Attentäter beim Verhör erklärt, „die Politiker und vor allem die Homosexuellen nicht zu mögen“. Delanoë ist einer der wenigen französischen Politiker, die sich öffentlich zu ihrer Homosexualität bekennen. Die Polizei wies darauf hin, dass der Angreifer, ein 39-jähriger Informatiker aus Bobigny bei Paris, keine Vorgeschichte geistiger Störungen habe, doch durch diverse Diebstahlsfälle, auch mit Gewaltanwendung, bekannt sei.

          Bekennt sich zu seiner Homosexualität

          Zur Zeit des Anschlages hielten sich Hunderte von Menschen in den Salons des Rathauses auf. Die Pariser hatten wegen der erstmals veranstalteten Kunstspektakel „Weiße Nacht“ (Nuit Blanche, im Französischen der Ausdruck für eine schlaflose Nacht) die Nacht zum Tag gemacht. Die Stadt hatte sich in eine riesige Bühne für Kunst, Musik, Theater und Tanz verwandelt. Hunderttausende Nachtschwärmer hatten dabei Gelegenheit, bis in die frühen Morgenstunden eine Vielzahl von Gebäuden zu besichtigen. Aus diesem Anlass war auch Delanoë im Rathaus.

          Delanoë, der erste Sozialist im Rathaus der französischen Hauptstadt, steht seit dem Frühjahr letzten Jahres an der Spitze einer rot-grünen Koalition. Seine Politik gilt als erfolgreich und bürgernah. Der 52-Jährige setzt sich mit seiner schlichten Amtsausübung bewusst von seinen oft pompös residierenden Vorgängern Chirac und Jean Tiberi ab. Er verzichtete auf die riesige Dienstwohnung im Rathaus, die er zum Teil in eine Kinderkrippe umbauen lässt. Einen Leibwächter hat Delanoë nicht.

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