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Attentat in Florida : „Ich bin eingeschlossen. Ich habe verdammt große Angst“

Nach dem Attentat sind viele Schüler in Parkland traumatisiert. Bild: AFP

Während des Attentats auf eine Highschool in Florida twittern viele Schüler aus ihren Verstecken heraus und dokumentieren das Geschehen – die Nachrichten erzeugen Gänsehaut. Doch als Antwort erhalten die Kinder nicht nur Kondolenzen.

          An der Stoneman Douglas Highschool in Parkland, Florida, ereignet sich der Albtraum. Ein 19 Jahre alter, früherer Schüler löst einen Feueralarm aus, zündet Rauchbomben an, eröffnet das Feuer auf Schüler und Lehrer. Mit einer halbautomatischen Schusswaffe tötet er 17 Menschen, verletzt Dutzende weitere. Es ist die gleiche Waffe, die auch der Attentäter von Las Vegas benutzte.

          Johanna Dürrholz

          Redakteurin im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET

          Während der Schießerei herrscht Chaos und Panik an der Highschool. Schüler und Lehrer rennen um ihr Leben, verstecken sich unter Tischen und in Schränken, schließen sich in Klassenzimmern ein. Ihr Smartphone haben die meisten dabei. Viele schreiben ihren Eltern Nachrichten, tauschen Informationen aus und senden Worte der Angst, aber auch der Liebe.

          Und einige Schüler dokumentieren die Lage aus ihrem Versteck heraus auf ihrem Twitteraccount. Der Schüler Aidan schickt Bilder aus dem Klassenraum, in dem er und seine Mitschüler sich verstecken. „Ich bin eingeschlossen. Ich habe verdammt große Angst.“ Aidan passiert nichts, später twittert er ein Bild von seiner Befreiung. „Gott segne Amerika“, schreibt er.

          Eine andere Schülerin twittert unter dem Namen Gen aus ihrem Unterschlupf heraus: „Ich kann nicht glauben, dass das wirklich passiert. Wir sind in einem Schrank.“ Andere berichten davon, dass ihre Geschwister ihnen Nachrichten geschickt haben. „Das sind Gänsehaut machende Nachrichten, die meine Schwester mir schickt. Ihr geht es zum Glück gut“, schreibt Kaitlin.

          Schockierende Nachrichten, die alle die Grausamkeiten des Attentats verdeutlichen. Und sie haben noch etwas gemein: Die panischen Schüler haben viel Zuspruch von anderen Twitternutzern erfahren – und diverse Medienanfragen erhalten. „Kaitlin, ich bin froh, dass es deiner Schwester gut geht. Kannst du mir eine direkte Nachricht schreiben? Ich bin von den Today News und würde gerne mit ihr sprechen“, schreibt ein Journalist unter den Tweet der erleichterten Schwester.

          Auch Gen, die sich im Schrank versteckt hat, wird mit zahlreichen Medienanfragen konfrontiert. „Bist du sicher? Können wir telefonieren?“, „Kannst du mir eine Direktnachricht schicken?“ „Wenn es dir gut geht, kann ich dir ein paar Fragen stellen?“ – so sehen viele Antworten unter den verzweifelten Tweets der Schüler aus, die sich in Lebensgefahr wähnen.

          Gen beschwert sich nicht nur über die vielen pietätlosen Antworten auf ihren Tweet, sie ärgert sich auch über die Videoaufnahmen: „Es ist widerlich, dass die Nachrichten mich gefilmt haben, als ich weinend meine Mutter umarmt habe. Ich habe eine traumatische Erfahrung hinter mir, was ist euer Problem?“, schreibt Gen.

          Eine Nutzerin, die von einem schrecklichen Video ihres kleinen Bruders berichtet, wird gar von FOX 13 und ABC-News nach dem Bildmaterial gefragt. Zwar ist Twitter in den Vereinigten Staaten ein viel ausschweifender benutztes Medium als in Europa. Dennoch ist ein solcher medialer Umgang mit schwer traumatisierten Kindern fragwürdig.

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