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Attacke in Dachau : „Der Täter schimpfte auf den Richter“

  • Aktualisiert am

Blumen zum Gedenken vor dem Amtsgericht Dachau Bild: dapd

Immer mehr Einzelheiten kommen über den 54 Jahre alten Unternehmer ans Licht, der am Mittwoch in Dachau einen Staatsanwalt erschoss. Er gilt als verbittert und aggressiv.

          Der mutmaßliche Täter von Dachau soll sich kurz vor den tödlichen Schüssen herabwürdigend über den Richter geäußert haben. Nach Angaben der Zeitung „Augsburger Allgemeine“ soll der Mann sich zuvor in einem Restaurant lautstark zu dem Verfahren geäußert und „Scheiß Richter“ gebrüllt haben. Der unverheiratete Mann sei nach einem Schlaganfall auf Krücken angewiesen, bewege sich aber auch oft im Rollstuhl vorwärts. Mit seinem Transportunternehmen stecke er seit langem in finanziellen Schwierigkeiten. Seit 2009 laufe ein Insolvenzverfahren gegen die Firma. Die „Bild“-Zeitung meldete zudem, dass der Mann schon mehrfach erfolglos prozessiert habe. Er sei als verbittert und aggressiv aufgefallen.

          Der Transportunternehmer hatte während der Urteilsbegründung eine Pistole gezogen, auf den Richter gezielt und dann den 31 Jahre alten Staatsanwalt erschossen. Der Richter konnte sich in Sicherheit bringen. Der Angeklagte sollte zu einer Bewährungsstrafe verurteilt werden. Er soll Sozialversicherungsbeiträge in Höhe von 44.000 Euro für seine Beschäftigten nicht abgeführt haben. Seit Donnerstag sitzt er in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft München hat Haftantrag wegen Mordes und versuchten Mordes gestellt.

          Polizei sucht Sitznachbarn als Zeugen

          Bei ihren Ermittlungen setzt die Kripo nun auf einen Mann am Nebentisch des mutmaßlichen Mörders und dessen Anwältin im Café. Der bislang Unbekannte dürfte wesentliche Teile der Hasstiraden mitbekommen haben. Deshalb sucht die Polizei ihn als Zeugen.

          Inzwischen wurde auch bekannt, dass der mutmaßliche Mörder schon früher einen Verteidiger verbal anging. Der Münchner Rechtsanwalt Lutz Libbertz vertrat den Unternehmer 2008 in einem Zivilverfahren um Geldforderungen. Als sein Mandant ihn beschimpfte, legte der Jurist das Mandat nieder, wie die Nachrichtenagentur dpa erfuhr. Bekannte zeichnen in Medienberichten ein differenziertes Bild von dem Vierundfünfzigjährigen. Nachbarn schildern ihn im „Münchner Merkur“ als umgänglich, hilfsbereit und gesellig.

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