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Astronomie : Weltraumforscher: Es gibt noch eine zweite Erde

  • -Aktualisiert am

Die Millionenfrage im Kosmos-Quiz: Gibt es intelligentes Leben? Bild: dpa

Der Liebhaber vom anderen Stern? Aliens unter uns? Mit neuartigen Teleskopen werden wir bald mehr über das Universum erfahren - und über intelligentes Leben auf anderen Planeten.

          3 Min.

          Als Michel Mayor im Oktober 1995 seine Entdeckung vorstellte, wollten ihm viele Kollegen erst gar nicht glauben. Der renommierte Astronom und Direktor des Genfer Observatoriums hatte den ersten Planeten außerhalb unseres Sonnensystems nachgewiesen. Eine Sensation: Bis dahin hatten es nicht wenige Forscher für einzigartig in den unendlichen Weiten des Universums gehalten.

          Mayors Entdeckung war wie das Anblasen zur großen Planetenjagd. „Inzwischen werden jeden Monat neue Trabanten entdeckt“, sagt der Potsdamer Astrophysiker Mark McCaughrean, der noch ohne Beute beim Halali im Weltraum blieb. 77 Sternenbegleiter sind den Forschern bislang bekannt geworden. Knapp die Hälfte geht auf das Konto des Genfer Wissenschaftlers, der mit seiner Entdeckung einen ganz neues Fachgebiet etablierte und inzwischen auch für den Nobelpreis gehandelt wird.

          Doch die Suche nach den so genannten extrasolaren Planeten ist kein Selbstzweck. Die Astronomen erwarten sich nicht nur Aufschluss über die Entstehung unseres Sonnensystems. In den Tiefen des Weltalls, so spekulieren sie, könnten möglicherweise auch erdähnliche Trabanten existieren. Sollte dieser Nachweis gelingen, stünde unter Umständen auch die Lösung der größten aller Preisfragen im
          kosmischen Quiz an: Gibt es außerhalb der Erde noch anderes intelligentes Leben im Universum?

          Mayor: Es gibt eine zweite Erde

          „Ich bin mir sicher, dass noch eine Erde existiert“, sagt Michel Mayor. Aber die heutigen Methoden seien zu ungenau, um einen solchen Himmelskörper nachweisen zu können: „Da wartet noch viel Arbeit auf uns.“ Mayor entdeckte seinen ersten Planeten, indem er das Taumeln des rund 40 Lichtjahre entfernten Sterns „51 Pegasi“ gemessen hatte. Dieses Schwanken sei durch die Gravitationskraft des Begleiters hervorgerufen worden. Die taumelnden Sterne bewegen sich auf den Beobachter auf der Erde zu und wieder weg und geben damit indirekt Auskunft über die Existenz eines Trabanten.

          „Das heutige Instrumentarium reicht aber nur aus, massereiche Planeten nachzuweisen“, erklärt der Potsdamer Astronomie-Professor Joachim Wambsganß, „und die liegen quasi alle in unserem Vorgarten.“ Die Beobachtung weiter entfernter Trabanten sei illusorisch. Der bisher leichteste entdeckte Sternenbegleiter habe eine 50 Mal größere Masse als die Erde.

          Erdähnliche Planeten vielleicht in 15 Jahren nachweisbar

          Hoffnungen setzen die Planetenjäger deshalb in die neue „Transitereignis-Methode“, erklärt Mark McCaughrean. Dabei werde die Lichtschwankung eines Sterns gemessen, wenn ein Planet sich in seiner Umlaufbahn vor ihn setzte. „Die Helligkeit nimmt geringfügig ab, wenn das geschieht.“ Dazu würden aber leistungsfähigere
          Teleskope benötigt. Mit deren Einsatz sei aber nicht vor dem Ende des Jahrzehnts zu rechnen. Im Rahmen der „Eddington“-Mission der europäischen Weltraumbehörde ESA würden ab 2009 erstmals in großem Stil die Suche nach Sternenbegleitern in Angriff genommen und „hunderttausende Sterne gleichzeitig beobachtet.“

          Dann soll auch das derzeit „größte Projekt der Astrophysik“ starten, wie Mark McCaughrean erklärt. Ab 2009 soll der Nachfolger des Hubble-Teleskops seine Daten zur Erde funken, das Next Generation Space Telescope (NGST). Auf rund 220 Grad abgekühlt und durch Schirme von den wärmenden Strahlen der Sonne beschützt, wird es nach den Planungen der Nasa rund eineinhalb Millionen Kilometer von der Erde entfernt Position beziehen.

          Forscher hoffen auf das Jahr 2015

          „Wir müssen dennoch geduldig sein“, mahnt dagegen Mayor. Mit dem NGST seien auch nur Planeten zu entdecken, die das Fünffache der Erdmasse haben. Mit der Entdeckung eines Erd-Zwillings sei vor 15 bis 20 Jahren kaum zu rechnen. Erst wenn wie geplant 2015 das europäische Projekt „Darwin“ und das amerikanische „Terrestial Planet Finder“ (TPF) starten, könne mit besseren Daten gerechnet werden. Dann sollen vier bis fünf Teleskope von zwei Metern Durchmessern ihr aus dem Weltall gesammeltes Licht bündeln, erklärt McCaughrean. Mit diesem Trick hätte die Konstruktion ein Leistungsvermögen wie ein Teleskop von 100 Metern Durchmesser.

          Damit seien dann auch spektroskopische Messungen möglich, die Bestimmung einzelner Gase wie Sauerstoff oder Kohlendioxid in der Atmosphäre ferner Planeten. „Einen Riesenschritt“ könnte dies nach Ansicht McCaughreans bedeuten. Falls Sauerstoff oder Kohlendioxid nachgewiesen werden sollten, dann könne vielleicht auch die Preisfrage im großen Kosmos-Quiz beantworten werden.

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