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Astronomie : Transitverkehr eines Planeten

  • Aktualisiert am

Der Weg des Merkurs vor der gigantischen Sonnenscheibe im Mai 2003 Bild: Nasa

Am Mittwoch wird der Merkur gemächlich über die Sonnenscheibe am Himmel hinwegziehen.

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          Ein Schauspiel der besonderen Art steht Mitteleuropa am Mittwoch bevor: An diesem Tag wird der kleine Planet Merkur gemächlich über die Sonnenscheibe am Himmel hinwegziehen, was bei klarem Wetter zumindest in Fernrohren mit wenigstens fünfzigfacher Vergrößerung zu sehen sein sollte. Ein solches Ereignis ist nicht so spektakulär wie eine Sonnenfinsternis, bei der die Mondscheibe die Sonne verdunkelt. Dafür sind Merkurdurchgänge wesentlich seltener. Der letzte von Mitteleuropa aus voll sichtbare Transit des Planeten fand 1973 statt - 1986 war nur die Endphase zu beobachten -, und mit dem nächsten wird man sich bis 2016 gedulden müssen.

          Derartige Schauspiele kommen überhaupt nur zustande, weil der Merkur - wie übrigens auch die Venus - die Sonne innerhalb der Erdbahn umkreist. Dabei zieht der Planet vor unserem Zentralgestirn hinweg. Fiele die Ebene seiner Bahn mit der Erdbahnebene zusammen, wäre alle 116 Tage mit einem Merkurdurchgang zu rechnen. Weil die beiden Ebenen aber um rund sieben Grad gegeneinander geneigt sind, findet nur ungefähr alle sieben Jahre ein Transit statt. Von diesen Ereignissen wiederum kann nur ein Teil von einem bestimmten Ort aus beobachtet werden, weil die Sonne nur tagsüber am Himmel steht. Diesmal zieht der Merkur von morgens um 7.12 Uhr bis mittags um 12.32 Uhr vorbei.

          Dimensionen nicht für Beobachtung mit dem bloßen Auge

          Daß man den Durchgang nur mit einem Fernrohr verfolgen kann - wobei ein Filter gegen das helle Licht der Sonne Voraussetzung ist -, liegt an den Dimensionen im Sonnensystem. Der Merkur, der einen Durchmesser von 4.900 Kilometern hat, ist während eines Transits rund 90 Millionen Kilometer von der Erde entfernt. Er erscheint deshalb nur so groß wie eine Euromünze aus 370 Meter Distanz. Von der Sonnenscheibe am Himmel bedeckt er daher nicht mehr als 0,004 Prozent.

          Die ersten drei Merkurdurchgänge, die nach der Erfindung des Fernrohrs im Jahr 1609 hätten beobachtet werden können, sind aus diesem Grund von den Astronomen offenbar nicht bemerkt worden. Pierre Gassendi in Paris scheint der erste gewesen zu sein, der einen solchen Transit sah - am 7. November 1631. Johannes Kepler hatte das Ereignis vorausberechnet, konnte es aber nicht mehr erleben, weil er kurz vorher starb. Edmund Halley, nach dem der Komet benannt worden ist, hat 1677 auf der Insel St. Helena einen Merkurdurchgang verfolgt. Er kam auch schon auf die Idee, daß man ein solches Schauspiel wissenschaftlich nutzen könnte. Von verschiedenen Orten aus gesehen, sollte der Beginn des Transits zu geringfügig unterschiedlichen Zeiten erfolgen, weil der Blickwinkel nicht derselbe wäre. Aus den Differenzen könnte man herleiten, wie weit der Merkur von der Erde entfernt ist, und daraus ließen sich alle anderen Entfernungen im Sonnensystem ermitteln - einschließlich der sogenannten Astronomischen Einheit, der mittleren Distanz von der Erde zur Sonne.

          Venusdurchgänge zur Vermessung genutzt

          In der Praxis haben die Astronomen für die Vermessung des Sonnensystems die Venusdurchgänge herangezogen. Die Venus ist während eines Transits nicht so weit wie der Merkur von der Erde entfernt und liefert deshalb wesentlich genauere Ergebnisse. Allerdings finden Venusdurchgänge noch viel seltener statt, wobei je zwei Transits dicht aufeinanderfolgen. Seit der Erfindung des Fernrohrs hat sich die Venus gerade sechsmal vor die Sonne geschoben, und zwar 1631, 1639, 1761, 1769, 1874 und 1882.

          Der nächste Venusdurchgang wird sich am 8. Juni 2004 ereignen. Zu diesem Datum hat die Europäische Südsternwarte zusammen mit der Pariser Sternwarte, der European Association for Astronomy Education und dem Institut de Mécanique Céleste et de Calcul des Éphémérides ein ungewöhnliches Projekt geplant. Alle interessierten Amateurastronomen sind aufgerufen, den Transit zu beobachten und die Daten den beteiligten Institutionen zur Verfügung zu stellen. Aus der zu erwartenden Fülle des Materials soll die Astronomische Einheit mit großer Genauigkeit neu ermittelt werden. Der momentan verwendete Standardwert beträgt 149.597.870 Kilometer.

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