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Astronomie : Sternschnuppe sorgte für Lichterscheinungen über Bayern

  • Aktualisiert am

Sternschnuppen - wie hier die Leoniden - können Lichtblitze auslösen Bild: dpa

Einen Gesteinsrest der verglühten Sternschnuppe fand offenbar eine oberbayrische Bäuerin.

          3 Min.

          Eine Sternschnuppe sorgte in Bayern für Verwirrung. Warum in der Nacht zum Sonntag Lichtblitze über den Himmel zuckten, beschäftigte am Sonntag die Experten, eine schlüssige Erklärung gab es zunächst nicht. Dass die Erscheinung gegen 22 Uhr am Samstag real war, belegten Hunderte von Anrufen bei Polizeidienststellen und auch der Tower des Münchener Flughafens sowie einige Piloten bestätigten den Vorfall.

          Otto Guthier, der Vorsitzende der Vereinigung der Sternfreunde in Heppenheim, hat das Rätsel gelöst. er glaubt, dass die Lichtblitze durch eine große Sternschnuppe verursacht worden. „Wir können definitiv ausschließen, dass Weltraummüll oder Überreste eines Satelliten die Ursache der Lichtblitze gewesen sind“, sagte er. Seine Vereinigung kontrolliert das deutschlandweite Meteornetz, das im Auftrag des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt alle Himmelsphänomene fotografisch aufzeichnet.

          Riesensternschnuppe als Grund für das Lichtspiel

          „Es handelte sich um eine 'Feuerkugel', also eine Sternschnuppe von großer Masse“, sagte Guthier. Nach der Auswertung der Bilder könne man davon ausgehen, dass die Sternschnuppe mehrere 100 Kilogramm schwer gewesen sei. „Sie flog in Nord-Süd-Richtung und drang im Bereich des Ammersees in die Atmosphäre ein“, berichtete Guthier. Trotz des großen Masse sei nicht sicher, ob es einen Einschlag auf der Erde gegeben habe. „Es ist möglich, dass sie noch über dem Erdboden verglüht ist.“ Auch die wahrgenommenen Explosionsgeräusche müssten nicht von einem Aufprall herrühren: „Wenn ein Feuerball verglüht, kommt es ebenfalls zu Geräuschen wie bei einer Explosion.“ Eine so große Sternschnuppe sei sehr selten.

          Einen der Gesteinsbrocken, die von der Sternschnuppe stammen könnten, fand eine Bäuerin aus dem oberbayerischen Landkreis Erding. Sie brachte einen faustgroßen Stein zur Polizei, der leuchtend in ihren Garten gefallen sei. Eine erste Untersuchung beim Geologischen Institut in München ergab nach Polizeiangaben vom Sonntag, dass es sich mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit um einen Teil eines Meteoriten handelt. Nach Einschätzung des Institutsexperten dürfte das Material Teil eines Meteoritenschwarmes gewesen sein, der beim Eintritt in die Erdatmosphäre zum größten Teil verglüht sei. Weitere Untersuchungsergebnisse stünden noch aus, hieß es.

          Augenzeugen beeindruckt

          Kurz nach dem Verglühen berichteten viele Augenzeugen bei Polizeidienststellen, weil sie sich auf das Gesehene keinen Reim zu machen wussten. „Es war wie eine riesige Leuchtrakete, das hat man sogar durch den halbgeschlossenen Rollladen gesehen", sagte eine Korrespondentin von Reuters TV, die westlich von München lebt. Die Lichtkugel habe sich mitten am Himmel befunden und dann einen Bogen Richtung Erde beschrieben. „Das Ganze hat vielleicht drei Sekunden gedauert.“ Als sie die Jalousie vollständig geöffnet habe, sei es bereits wieder dunkel gewesen. „Es gab mehrere Blitze, und sogar die Fenster haben geklirrt“, beschrieb ein Polizist das ungewöhnliche Ereignis.

          Lichtblitze und Donnergrollen

          „Ich bin selbst aufgeschreckt und habe geglaubt, es sei ein Erdbeben,“ dachte Werner Hahmann, Wetterbeobachter des Deutschen Wetterdienstes (DWD) auf der Zugspitze. „Zuerst dachte ich, ein Flugzeug sei abgestürzt.“ Hahmann berichtete von drei Blitzen, gefolgt von Explosionsgeräuschen, „sie waren sehr laut und dauerten mindestens eine halbe Minute.“ Auf dem Münchener Flughafen beobachteten Piloten wie auch der Tower im Bereich der Südbahn eine Lichterscheinung. Ein Mitarbeiter des Airports sei zu der Landebahn gefahren, um nach möglichen Spuren zu suchen. Er habe jedoch nichts gefunden, berichtete eine Flughafen-Sprecherin.

          Meldungen über Schäden oder Verletzte lagen nicht vor. Nach Schätzungen des bayerischen Innenministeriums dürften bis zu 100.000 Menschen Zeugen des mysteriösen Schauspiels am Nachthimmel geworden sein. Besonders viele Meldungen kamen aus Oberbayern, Schwaben und der Oberpfalz, aber auch aus Franken. Auch außerhalb des Freistaates sorgten die mysteriösen Lichter für Aufregung: Im Frankfurter Raum, in Oberösterreich und selbst im weit entfernten Münsterland meldeten sich besorgte Anrufer.

          Kein Ufo, kein Polarlicht, kein Komet, kein Weltraumschrott

          Zwei mögliche Gründe für das Spektakel hatten sich schon früh als nichtig erwiesen. Einer der ersten Vermutungen, es handele sich um verglühenden Weltraumschrott eines Nasa-Satelliten, widersprach die Nasa rasch. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hatte zunächst vermutet, dass es der Komet „Ikeya-Zhang“ gewesen sein könnte. Das schloss er aber später aus, da der Komet zum fraglichen Zeitpunkt zu weit von der Erde entfernt gewesen sei.

          Die Nasa gab unterdessen bekannt, dass ein seit sechs Jahren steuerlos im Weltraum schwebende Raketenteil am Sonntag auf die Erde gestürzt ist. Nach Berechnungen der US-Weltraumbehörde Nasa dürfte der größte Teil des dreieinhalb mal ein Meter großen Stück Weltraummülls beim Eintritt in die Erdatmosphäre verglüht sein. Lediglich ein acht Kilogramm schweres Batteriepaket sei unter Umständen auf die Erde geschlagen, teilte das Goddard Space Flight Center der Nasa am Sonntag mit. Der Müll dürfte am Sonntag gegen sechs Uhr morgens (MESZ) über dem zentralasiatischen Tibet niedergegangen sein. Es handelt sich um Überreste einer gescheiterten Satelliten-Mission aus dem Jahr 1996.

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