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Astronomie : Sternengucken aus dem TV-Sessel

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Solche Bilder auf dem heimischen Fernseher? Bild: NASA

Die Russen möchten die kosmische Astronomie jedermann zugänglich zu machen. In Echtzeit wollen sie die Bilder eines Observatoriums direkt in jede Wohnstube bringen.

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          Für Hobbyastronomen zeichnet sich eine kleine Revolution ab: das Sternengucken aus dem heimischen Fernsehsessel. Auf der Suche nach Arbeit für ihre darbenden Raumfahrtschmieden sind die Russen auf die Idee gekommen, die kosmische Astronomie, die derzeit nur einer Elite vorbehalten ist, künftig jedermann zugänglich zu machen. In Echtzeit wollen sie die Bilder eines Observatoriums, das auf einer geostationären Bahn in 36.000 Kilometern Höhe unseren Planeten umkreist, direkt in jede Wohnstube bringen. Der Empfang soll ähnlich einfach wie beim Satelliten-Fernsehen funktionieren. Und wer keinen entsprechenden Anschluß hat, kann sich über das Internet bei einer Zentrale einloggen.

          Doch vor dem ungetrübten Blick in die Tiefen des Universums muß erst die Frage des Geldes geklärt werden. Den Russen schwebt dabei eine Art Aktiengesellschaft vor. Für den „Klub der Interessierten“, wie sie ihn nennen, müßten die Hobbyastronomen einen bestimmten Obolus leisten. Schließlich sind sie ja auch sonst bereit, für ihre nicht gerade billigen irdischen Teleskope einiges hinzublättern. Natürlich sind auch planetarische Gesellschaften sowie wissenschaftliche und Bildungsinstitutionen im Klub hoch willkommen, die sonst kaum eine Gelegenheit haben, etwas von der knapp bemessenen Forschungszeit in einem der rund 20 großen Teleskope etwa auf Hawaii oder in Chile zu ergattern.

          Mitspracherecht bei Forschung

          Mit dem Obolus erwerben die Astroaktionäre das Recht auf Mitsprache beim Forschungsprogramm, das auf mindestens zwölf Jahre ausgelegt ist. Schwerpunkte sind dabei die Evolution des Universums vom Urknall bis zur heutigen Zeit und seine Struktur, das Studium der so genannten Dunkelnebel und der „schwarzen Löcher“ sowie andere exotische Erscheinungen. Natürlich geht es auch um die Herausbildung und Evolution unseres Sonnensystems und der Erde selbst, um die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu anderen Planeten sowie um die Suche nach Lebensformen in anderen Planetensystemen.

          Die Russen warten bei dem Projekt mit noch einer anderen Premiere auf: Erstmals in der Geschichte der Raumfahrt wollen sie mit ihrem Observatorium ein optisches Teleskop auf eine geostationäre Bahn bringen. Die Vorteile selbst gegenüber dem bislang größten Weltraumteleskop „Hubble“, das sich in einer erdnahen Bahn befindet, liegen auf der Hand: Im geostationären Orbit läßt sich das Gerät viel präziser auf die Ziele ausrichten und stabilisieren. Außerdem ist die Datenübertragung einfacher und stabil, wie das von den Nachrichten- und TV-Satelliten bekannt ist.

          30 Millionen Dollar

          Das Observatorium inklusive Startrakete soll nur gut 30 Millionen Dollar kosten - ein Schnäppchenpreis. Vergleichbare westliche Teleskope sind um ein Vielfaches teurer. Das Billigangebot ist nur möglich, weil die Russen nur Niedriglöhne zahlen. Zudem nutzen sie mit „Jamal“ eine bereits vorhandene Plattform, auf die das neue, gut 400 Kilogramm schwere Teleskop montiert wird. Es hat einen Hauptspiegel von 60 bis 80 Zentimetern Durchmesser, in dessen Fokus sich mehrere Instrumente für Messungen vom nahen ultravioletten bis zum infraroten Wellenbereich befinden.

          Im Vergleich zu den irdischen Riesenteleskopen mit ihren 10-Meter-Spiegeln nimmt sich das zwar bescheiden aus. Da aber im geostationären Orbit die störenden Einflüsse der Erdatmosphäre entfallen, steht ein so kleines Gerät in der Leistung seinen „größeren Brüdern“ auf der Erde kaum nach.

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