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Astronomie : Polarlichter bis nach Tirol

  • Aktualisiert am

Die Sonnenaktivität sorgt für spektakuläre Farbenspiele - hier über Norwegen Bild: dpa/dpaweb

Die anhaltenden Sonnenstürme bescherten spektakuläre Polarlichter. Das üblicherweise auf nordeuropäische Breiten beschränkte Phänomen war noch in Oberösterreich und Tirol zu sehen.

          Mit spektakulären Polarlichtern haben die anhaltenden Sonnenstürme in der Nacht zu Freitag erneut den Himmel entflammt. Das üblicherweise auf nordeuropäische Breiten beschränkte Phänomen war noch in Oberösterreich und Tirol zu sehen. Größere Schadensmeldungen gab es nicht. Das deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) berichtete über kurzzeitige Fehlfunktionen von Satelliten durch die Strahlungsausbrüche der Sonne. Nach Angaben der amerikanischen Raumfahrtbehörde Nasa flaute der jüngste Sonnensturm am Freitag ab.

          Beobachter aus dem ganzen Bundesgebiet und darüber hinaus beschrieben grün-weiß wabernde Polarlicht-Vorhänge, knallrote Leuchtgebilde und züngelnde weiße Streifen. „Es war, als ob der Himmel brannte“, sagte ein Anrufer aus Varel in den Niederlanden am Mannheimer Ufo-Telefon des Centralen Erforschungsnetzes außergewöhnlicher Himmelsphänomene (Cenap), bei dem wieder besorgte Meldungen über „obskure Leuchtgestalten“ eingingen. „Der Himmel glühte, und darüber hinaus schossen wie in einem Spielberg-Film weiße Säulen Richtung Zenit“, erzählte ein Anrufer aus der Nähe von Worms. In den USA wurden auch in Texas und South Carolina noch Polarlichter beobachtet.

          Farbenspiel am Himmel

          Auch den Arbeitskreis Meteore in der Vereinigung der Sternenfreunde erreichten zahlreiche Polarlicht-Berichte, unter anderem aus Oberösterreich und Tirol. „Die Beobachtungen waren für unsere Breiten recht spektakulär“, sagte der Sprecher der Sternenfreunde, Wolfgang Steinicke. Dennoch sei das Phänomen bei uns in der Regel nur wie ein entferntes Wetterleuchten zu beobachten. „Weiter im Norden steht man mittendrin im "Gewitter"“, erläuterte Steinicke. Ob mit weiteren Polarlichtspielen zu rechnen sei, lasse sich noch nicht absehen.

          Eine Nahaufnahme des aktiven Gebiets der Sonne

          Der heftige Sonnensturmverursachte offenbar einen Stromausfall in Malmö. In der südschwedischen Stadt gingen am Donnerstag in 20.000 Häusern für etwa eine Stunde die Lichter aus, wie der Stromversorger Sydkraft am Freitag mitteilte. Die geomagnetische Wolke sei die wahrscheinlichste Erklärung für die Störung, hieß es.

          Satellit verloren

          Japan verlor vermutlich durch von dem Sonnensturm verursachte Schäden den Kontakt zu einem seiner Satelliten. Die Suche nach Midori-2, der der Erdbeobachtung diente und zu den größten Satelliten im All zählte, sei abgebrochen worden, teilte die japanische Raumfahrtbehörde am Freitag mit. Den Angaben zufolge ging der Satellit bereits am vergangenen Samstag verloren. Am Mittwoch sei nach einem zweiten Ausbruch auf der Sonne die Verbindung zu einem weiteren Satelliten abgerissen, erklärte die Raumfahrtbehörde.

          Experten gehen davon aus, daß der Sonnensturm die Erde noch etwa zwei Wochen lang beeinflussen wird. Bereits am Wochenende sollte er sich aber merklich abschwächen. Polarlichter, die in den Nächten zu Donnerstag und Freitag bei klarem Himmel in ganz Deutschland und sogar in Österreich und in der Schweiz zu sehen waren, sind nach Einschätzung des Deutschen Wetterdienstes in Frankfurt am Main daher nicht mehr in der bisherigen Intensität zu erwarten. „Vielleicht gibt es noch mal ein Schimmern am Horizont. Der Höhepunkt ist aber vorbei“, sagte DWD-Mitarbeiter Uwe Bachmann. Die Polarlichter seien die stärksten über Europa seit 20 Jahren gewesen.

          Stärkster Sturm seit 14 Jahren

          Messungen des Geoforschungszentrums (GFZ) in Potsdam und der Nasa zufolge handelt es sich um den stärksten Sonnensturm seit 14 Jahren. Amerikanische Wissenschaftler bezeichneten ihn als „extrem“ und wiesen ihm den Wert fünf auf einer Skala von eins bis fünf zu. Die Plasmawolke, die durch die Eruptionen auf der Sonne entsteht, beeinflußt beim Auftreffen auf die Erde Stärke und Richtung des Erdmagnetfeldes. Dadurch kann unter anderem der Radioempfang beeinträchtigt werden. Auch Satelliten sind dem Strahlungsbeschuß ausgesetzt und können dadurch gestört oder sogar beschädigt werden.

          Am Mittwoch und Donnerstag war es zu vereinzelten Einschränkungen im Flugverkehr gekommen, weil die geomagnetische Wolke Radaranlagen und Funkverkehr stört. Den Angaben der Deutschen Flugsicherung (DFS) zufolge waren am Donnerstag rund 300 Flüge mit Verspätungen bis zu einer halben Stunde betroffen. „Momentan gibt es keine Probleme, wir halten uns aber bereit für den Fall, daß weitere Störungen auftreten“, sagte DFS-Sprecher Axel Raab am Freitag.

          Satelliten anfällig

          Satelliten können durch Sonnenstürme Computersysteme an Bord von Satelliten beeinflussen, erläuterte das DLR: Die Prozessoren werden dadurch einer erhöhten kosmischen Strahlung ausgesetzt, es kann zu einer so genannten Bit-Umkehr und damit zu Fehlfunktionen der Software kommen. In diesem Fall schalteten sich die Bordsysteme der Satelliten vorsorglich in einen Sicherheitsmodus. So waren unter anderem in der Nacht zum Donnerstag der DLR-Kleinsatellit BIRD und einer von zwei GRACE-Satelliten betroffen. „Zurzeit sind alle Satelliten voll funktionsfähig“, betonte der Leiter des DLR Raumfahrt- Kontrollzentrums in Oberpfaffenhofen, Prof. Klaus Wittmann, am Freitag.

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