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Astronomie : Erstmals Dunkle Materie im All aufgespürt

  • Aktualisiert am

Das Eso-Teleskop in Paranal, Chile Bild: Esa

Lange gesucht - und endlich gefunden? Erstmals haben Astronomen ein Objekt der geheimnisvollen Dunklen Materie direkt beobachtet.

          2 Min.

          Was hält das Universum zusammen? Die gesamte Menge der uns bekannten Sterne, Planeten und Galaxien reicht dazu nicht aus. Es muss also mehr Materie existieren als wir kennen, wenn die Welt wirklich nach den Naturgesetzen funktioniert, die wir kennen - und da spricht bisher nichts gegen. Diese Einsicht hat die Astronomen zur Theorie der Dunklen Materie gebracht. Diese existiere zwar und wirke auf die beobachtbaren Himmelsgebilde ein, entziehe sich aber der Beobachtung. Kein Wunder, dass es in der Fachwelt Aufregung erzeugt hat, dass nun erstmals ein Stück dieser Dunklen Materie entdeckt wurde.

          Andrew Gould von der Ohio State Universität spricht in der neuen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins "Nature" angesichts der aktuellen Entdeckung sogar von einer "neuen Ära der Astronomie". Der Jubel des Forschers erklärt sich dadurch, dass das Verständnis der Natur der Dunklen Materie als ein entscheidender Puzzle-Stein für das Verstehen des Wesens des Universums insgesamt gilt. Bisher war man sich zwar sicher, dass es Dunkle Materie gibt, als mögliche Kandidaten galten vor allem geisterhafte Elementarteilchen - so genannte WIMPs - sofern diese eine eigene, minimale Masse haben. Einen direkten Nachweis gab es aber nicht.

          Nahezu unsichtbare Ministerne

          Der nun vom Hubble Space Teleskop und vom in Chile beheimateten Großteleskop der Europäischen Südsternwarte (Eso) in Garching bei München direkt beobachtete kühle dunkle Zwergstern stützt die Theorie, dass es sich bei der gesuchten Dunkle Materie um nahezu unsichtbare Ministerne handeln könnte - ebenso wie um sehr kompakte massive Objekte (so genannte Machos), tote oder sterbende Sterne, Schwarze Löcher oder Ansammlungen von Steins- und Eisbrocken von Planetengröße.

          Schwaches Glimmen im All: Dunkle-Materie-Objekt (Pfeil)

          Entdeckt wurde der dunkle Stern bereits vor sechs Jahren durch den Eso-Wissenschaftler Richard West. Der Astronom bemerkte bei Beobachtungen unserer Nachbargalaxie, der Großen Magellanschen Wolke, wie ein Stern plötzlich deutlich heller zu strahlen begann. Die erste Vermutung der Wissenschaftler: ein dunkles Objekt habe sich in die Sichtlinie geschoben und durch den so genannten Gravitationslinseneffekt, bei dem die Lichtstrahlen eines Sterns durch die Gravitationskräfte des dunklen Objektes abgelenkt werden, das Sternenlicht wie ein Vergrößerungsglas verstärkt - ein Effekt, der bereits vielfach beobachtet worden ist.

          Erstes vollständiges Bild eines Dunkle-Materie-Objekts

          Jetzt, Jahre nach dem Aufleuchten hat sich die These bestätigt. Das dunkle Objekt, das sich inzwischen wieder aus der direkten Sichtlinie der Forscher entfernt hat, konnte vom Hubble Teleskop als schwach glimmendes Objekt neben dem untersuchten Stern entdeckt werden. Wie sich herausstellte, handelt es sich um einen sehr kleinen roten Stern in unserer Milchstraße, der 600 Lichtjahre von der Erde entfernt ist. Damit hat sich nach Aussage Richards erstmals ein vollständiges Bild von einem Dunkle-Materie-Objekt ergeben. Als Erkenntnis bleibt dabei unter anderem, dass Dunkle Materie offensichtlich doch nicht absolut dunkel ist. Sie lässt sie sich also aufspüren, womit die Hoffnung, den Geheimnissen des Universums - und damit auch unserer Existenz - auf die Spur zu kommen erneut etwas größer geworden ist.

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