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Astronomie : Erfinder des „Urknall“-Begriffs gestorben

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Starb im Alter von 86: Sir Fred Hoyle Bild: AP

Er erfand den Begriff „Urknall“, glaubte selbst aber nie an diese Theorie der Entstehung des Universums. Der Astronom Fred Hoyle ist gestorben.

          2 Min.

          Fred Hoyle hat sich seinem Forschungsobjekt, dem All, stets ganz nahe gefühlt. Und er wusste dies auch auszudrücken: „Der Weltraum ist keineswegs weit entfernt. Er ist nur eine Autostunde weit weg, wenn ihr Auto senkrecht starten könnte“, soll er einmal gesagt haben. Eine ebenso griffige Beschreibung hat ihn weltberühmt gemacht. Er benutzte als erster den Begriff „Urknall“, der heute für die gängige Theorie zur Entstehung des Universums steht. Sir Fred Hoyle ist, wie am Mittwoch bekannt wurde, am vergangenen Montag im Alter von 86 Jahren gestorben.

          Es ist die Ironie seines Lebens, dass sich der britische Astronom mit dem „Urknall“-Begriff lediglich über seine Fachkollegen lustig machen wollte. Der Sternenforscher, der in den fünfziger Jahren durch Radiovorlesungen einem breiten Publikum bekannt wurde, glaubte selbst nie daran, dass das Universum in einem einzigen explosiven Moment entstanden sei.

          „Das Universum hatte keinen Anfang“

          „Die Urknall-Theorie ist im wesentlichen falsch. Das Universum ist unendlich alt und dehnt sich bis ins Unendliche aus“, fasst Professor Chandra Wickramasinghe, Hoyles beruflicher Weggefährte und zuletzt direkter Kollege an der Universität von Cardiff, die Auffassung Hoyles zusammen. Der Begründer des Instituts für Astronomie in Cambridge formulierte seine Überzeugung selbst so: „Jede Ansammlung von Galaxien, jeder Stern, jedes Atom hatte einen Anfang, aber das Universum selbst hatte keinen!“ Doch auch wenn der allerletzte Beweis weiterhin fehlt: astronomische Beobachtungen und Analysen scheinen die Theorie des Big Bang immer wieder zu belegen. Alles deutet darauf hin, dass Hoyle sich geirrt hat.

          Dem weltweit hohen Ansehen Hoyles als Wissenschaftler hat das nicht geschadet. Er war Träger des Carfoord-Preises, jener renommierten Auszeichnung für bahnbrechende Forschung in Nicht-Nobelpreis-Disziplinen, und wurde bekannt durch seine Beiträge zur Theorie der Struktur von Sternen und dem Ursprung ihrer chemischen Elemente. Zahlreiche weitere Auszeichnungen kommen hinzu.

          Trifft die Pansperminentheorie zu?

          Dennoch ist auch die zweite, von ihm mitbegründete Theorie umstritten. Gemeinsam mit Wickramasinghe war Fred Hoyle ein Verfechter der so genannten Panspermientheorie. Diese geht davon aus, dass das irdische Leben nicht auf der Erde entstand, sondern durch kosmischen Staub, Partikelströme und Kometen- beziehungsweise Meteoritengestein aus dem All auf die Erde gelangt ist. Auch dies steht im Widerspruch zu einer althergebrachten, kaum noch in Frage gestellten Theorie: der Evolutionstheorie Darwins. Ende vergangenen Jahres meldeten Hoyle und Wickramasinghe, im Filter eines Stratosphärenballons seien Bakterien entdeckt worden, die es auf der Erde nicht gebe. Möglicherweise hat sich Hoyle in diesem Punkt also nicht geirrt. Dann wären wir gleichsam selbst Außerirdische.

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