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Astronomie : Blick an den Rand des sichtbaren Universums

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Schwache Lichtpunkte am Rand des sichtbaren Universums (Pfeile) Bild: Nasa

Amerikanischen Wissenschaftlern könnte der weitest mögliche Blick zurück in die Zeit gelungen sein. Sie erspähten den Rand des sichtbaren Universums.

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          Zuerst kam der große Knall, der Big Bang, mit dem angeblich das Universum entstand. Dann kam lange nichts. Etwa 300.000 Jahre nach dem Urknall - in kosmischen Dimensionen also direkt nach dem enormen Blitz der Explosion am Anbeginn aller Zeiten - war die Unendlichkeit durch die allmählich eintretende Abkühlung nach dem heißen Start angefüllt mit neutralen Wasserstoff-Atomen, die alles Licht verschluckten - selbst ultraviolettes Licht. Die dunkle Epoche des Universums, ein Zeitalter ohne jeden Lichtpunkt in der Unendlichkeit, hatte begonnen. Erst rund ein Milliarde Jahre später drang das schwache Glimmen junger Sterne durch die ewige Dunkelheit.

          Bis just in diese Zeit zurück ist es Astronomen der Arizona State University (ASU) nun gelungen, mit Hilfe des Hubble-Weltraum-Teleskops (HST) einen Blick zu werfen. Ihre Ergebnisse stellten sie jetzt auf der Tagung der American Astronomical Society (AAS) in Seattle vor. Fotos aus weit entfernten Regionen des Weltalls sind stets auch Aufnahmen aus der Vergangenheit des sich seit dem Urknall ausdehnenden Universums. Viele Sterne, die wir allabendlich am Himmel glimmen sehen, sind längst erloschen. Ihr Licht benötigt jedoch soviel Zeit, um bis zur Erde zu dringen, dass wir sie immer noch wahrnehmen können. Wir sehen also einen Zustand, der bereits Vergangenheit ist.

          Das erste Glimmen

          Das technologisch besonders geschärfte Auge des HST war jetzt in der Lage, selbst das schwache Glimmen ganz junger Sterne und Galaxien aufzufangen. „Wir sind nun in der Lage in eine Epoche zurückzublicken, in der Sterne in jungen Galaxien in ausreichender Zahl anfingen zu scheinen, um die dunkle Epoche zu beenden - vor etwa 13 Milliarden Jahren“, berichtete Haojing Yan, Astronomie-Doktorand an der ASU auf der Tagung in Seattle. Seinerzeit war das Universum etwa siebenfach kleiner als heute. Während der dunklen Epoche, so vermuten die Forscher, bildeten sich allmählich Himmelsobjekte, deren ultraviolettes Licht zunehmend das All durchdrang und langsam die neutralen Wasserstoff-Atome ionisierte. Mit dem Abnehmen der Zahl neutraler Wasserstoff-Atome wurde das Licht nicht mehr absorbiert, die Sterne wurden sichtbar.

          „Diese Galaxien sind die Grenze des direkt sichtbaren Universums“, betont Rogier Windhorst, Astronomie-Professor an der ASU, die Bedeutung der eigenen Entdeckung. Damit blicken die Wissenschaftler auf den Beginn jener Entwicklung, die letztlich auch das Leben auf der Erde ermöglicht hat. Denn dies wäre bekanntlich nicht möglich, würde nicht das Licht der Sonne zu uns durchdringen.

          Millionenfaches schwaches Glimmen

          Mit dem Hubble-Teleskop haben die Forscher nach eigener Einschätzung bisher nur wenige der ersten Lichtpunkte des Universums entdeckt. Etwa 400 Millionen solcher Objekte existieren vermutlich. Das Gros dieser schwach funkelnden Himmelskörper wird man wohl erst mit dem sieben Meter großen James-Webb-Teleskop der Nasa erblicken können, das 2010 ins All gebracht werden soll. Was hinter dieser sichtbaren Linie liegt, bleibt unseren Augen - selbst mit technologischer Hilfe - vorerst wohl verborgen. In die ewige Dunkelheit des lichtlosen Zeitalters hat noch nie jemand blicken können. Was, so stellt sich unwillkürlich die Frage, sollte man dort auch sehen können?

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