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Astronautenausbildung : Im Modell, unter Wasser und in der Zentrifuge

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Enge im Sojus-Modell

Natürlich müssen auch die Wege von und zur ISS durchgespielt werden. Seit dem Columbia-Unglück starten keine amerikanischen Raumfähren mehr. Alle Astronauten, die zur Station wollen, werden derzeit mit russischen Sojus-Raumkapseln befördert. Deswegen drängen sich die Astronauten in einem wirklichkeitsgetreuen Modell des kleinen dreisitzigen Flugobjekts. Jeder Handgriff, jede Bewegung wird gefilmt und nachher mit Technikern und Trainern besprochen. Dabei ist von großer Bedeutung, wie gut sich die Astronauten vertragen. "Es gab schon ein Team, das am letzten Tag beschlossen hatte, nicht zu fliegen, weil es zwischen den Kosmonauten nicht klappte", erzählt Kuipers. Eine Ersatzmannschaft konnte in diesem Fall einspringen. Das war nicht immer möglich: Einmal redeten zwei Crew-Mitglieder in der Mir monatelang nur das nötigste miteinander, und ein Team Astronauten weigerte sich sogar, mit der Bodenstation Kontakt aufzunehmen. "Dabei werden wir ja auch deshalb ausgesucht, weil wir teamfähig sind", sagt Kuipers. "Einzelkämpfer sind nicht gefragt."

Während aller Phasen des Flugs in der Sojus-Kapsel, in denen Druckverluste auftreten können, tragen die Astronauten einen Anzug, der Druck und Sauerstoffversorgung garantiert. Obwohl der Anzug voll verkabelt ist, kann er in fünf Minuten angezogen werden, auch, weil er bis ins letzte Detail optimiert ist. So sichert ein kleiner Spiegel an der Innenseite des rechten Handgelenks, daß der Astronaut sehen kann, ob der Helm richtig geschlossen ist, und daß er trotz der immens beengten Verhältnisse in der Kapsel alles im Blick hat. Die Notwendigkeit eines solchen Anzugs für die prekären Phasen eines Flugs wurde den Russen tragisch bewußt, als an Bord eines Raumschiffs alle drei Astronauten wegen eines Lecks starben.

Im Griff der Zentrifugalkraft

Um auch die extremen Beschleunigungsbedingungen in der landenden Kapsel kennenzulernen, trainieren die Astronauten im Sternenstädtchen mit einer riesigen Zentrifuge. Dort können in einer kleinen Kapsel am Ende eines sich schnell drehenden Arms Beschleunigungen von bis zu dreißig g (dreißigfache Erdbeschleunigung) erzeugt werden. "Schon fünf g sind in dieser Kapsel oder in einem Flugzeug sehr hart, wenn man aufrecht sitzt", sagt Duque. Liegend in der Landekapsel sei es aber zu ertragen. Bei einer Landung, bei der die automatischen Systeme ausfallen, können bis zu 8,5 g auftreten. In der Zentrifuge üben die Astronauten Landesituationen und wie sie unter den extremen Belastungen reagieren müssen, falls die automatischen Systeme ausfallen. Aber auch ihre medizinische Belastbarkeit wird gemessen. Denn die ist entscheidend und wird täglich trainiert. Damit die Astronauten allen Situationen, die auf sie zukommen können, körperlich, psychisch und technisch gewachsen sind.

Natürlich gehört zu einer Tour durch das Sternenstädtchen ein Besuch im Museum. Dort werden Raumanzüge, Kapseln, Modelle von Satelliten sowie Erinnerungen an mehr als vierzig Jahre russische Raumfahrt gesammelt. Ein Mann ist allgegenwärtig - Juri Gagarin hat dem Ausbildungszentrum für Kosmonauten nicht nur den Namen gegeben, sondern auch seine Uniform sowie etliche Memorabilien. Auch die Originaleinrichtung des Büros des ersten Mannes im All ist erhalten. An diesen Ort, dem mystische Eigenschaften zugeschrieben werden, ziehen sich alle Astronauten vor einem Start zurück, um über die Mission nachzudenken und ihre Gedanken niederzuschreiben. Auch Pedro Duque wird vor seinem Start zwischen dem Erd- und dem Mondglobus vor der Weltkarte sitzen. Und nach der erfolgreichen Mission wird er zu Füßen der Statue von Gagarin sitzen, an der jeder Besucher des Sternenstädtchens vorbeigeht, mit seinen Ko-Astronauten einen Kranz niederlegen - und sich so in die Tradition der im Sternenstädtchen ausgebildeten Kosmonauten einreihen.

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