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SpaceX-Raumkapsel angedockt : „Es ist etwas, worüber die Menschheit sich freuen kann“

  • Aktualisiert am

Erfolgreich angekommen: Die Raumkapsel beim Andocken an die Internationale Raumstation (ISS). Bild: EPA

Die Crew-Dragon-Kapsel ist ohne Probleme an der Raumstation ISS angedockt. Die beiden Astronauten Hurley und Behnken sollen nun einen Monat im All bleiben. SpaceX-Gründer Elon Musk zeigt sich von dem Erfolg tief bewegt.

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          Erstmals seit neun Jahren sind wieder Astronauten von den Vereinigten Staaten aus zur Raumstation ISS geflogen – und erstmals mithilfe eines privaten Raumfahrtunternehmens. Die amerikanischen Raumfahrer Robert Behnken und Douglas Hurley dockten am Sonntag nach rund 19 Stunden Flug mit der „Crew Dragon“-Raumkapsel an der ISS an, wie die Raumfahrtbehörde Nasa und das private Raumfahrtunternehmen SpaceX mitteilten. Sie sollen rund einen Monat an Bord der ISS bleiben.

          Die Crew Dragon war mit Geschwindigkeiten von etwa 28.000 Stundenkilometern zur gut 400 Kilometer von der Erde entfernten ISS gerast. Das Andockmanöver der Raumkapsel gelang um 16.16 Uhr MESZ und damit ein paar Minuten früher als geplant. Rund drei Stunden nach dem erfolgreichen Andockmanöver und einem Druckausgleich öffnete sich um 19.02 Uhr die Schleuse zwischen der SpaceX-Raumkapsel Crew Dragon und der ISS. Zwei Russen und ein amerikanischer Astronaut warteten dort bereits auf die Neuankömmlinge. Es sei eine „wirkliche Ehre, ein kleiner Teil dieser neun Jahre langen Anstrengungen zu sein, seit das letzte Mal ein US-Raumschiff an der Internationalen Raumstation andockte", sagte der 53-jährige Raumkapsel-Kommandeur Hurley.

          Am Samstag hatte die Raumkapsel mit einer „Falcon 9“-Rakete vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral abgehoben. „Geschichte ist geschrieben worden“, kommentierte die Nasa per Kurznachrichtendienst Twitter. Nasa-Chef Jim Bridenstine sprach von einem „wundervollen Tag“. Amerikas Präsident Donald Trump feierte den Start als „heldenhafte Tat“. Die kommerzielle Raumfahrt sei die Zukunft. „Ein neues Zeitalter amerikanischen Ehrgeizes hat jetzt begonnen.“

          SpaceX-Gründer Elon Musk zeigte sich tief bewegt. „Ich bin wirklich emotional sehr überwältigt, es ist schwer für mich zu sprechen“, sagte Musk bei einer Pressekonferenz nach dem Start. 18 Jahre lang habe er auf dieses Ziel hingearbeitet. „Ich glaube, es ist etwas, worüber die Menschheit sich freuen kann, und worauf sie stolz sein kann.“ Der deutsche Astronaut Alexander Gerst hieß seine beiden Raumfahrer-Kollegen via Twitter „willkommen zurück im Weltraum“ und gratulierte SpaceX für die „solide Leistung“.

          „Bravo!“, schrieb Roskosmos-Chef Dmitri Rogosin seinem Kollegen Jim Bridenstine, dem Chef der amerikanischen Raumfahrtbehörde Nasa, bei Twitter. „Ich weiß, wie aufgeregt Sie waren, dass dieses große Ereignis ein Erfolg wird“, schrieb Rogosin am Sonntag. Er richtete die besten Wünsche an Musk aus, der den ersten privaten Flug zur ISS möglich gemacht hatte. „Ich freue mich auf die weitere Zusammenarbeit“, meinte Rogosin.

          Erster Startversuch wurde verschoben

          Ein erster Startversuch der SpaceX-Rakete war am Mittwoch wegen schlechter Wetterbedingungen etwa eine Viertelstunde vor dem Start abgebrochen worden. Auch vor dem zweiten Versuch hatten die Bedingungen zunächst nur mäßig ausgesehen, dann hatten sich die Wolken aber rechtzeitig verzogen und das Kontrollzentrum gab grünes Licht: „Lasst uns diese Kerze anzünden!“ Es sei ihnen eine Ehre, sagte Behnken aus dem „Crew Dragon“ und zeigte gemeinsam mit Hurley die Daumen nach oben. „Wir werden aus dem Weltraum wieder mit euch sprechen.“ Weltweit war der „LaunchAmerica“ betitelte Test mit Spannung erwartet worden.

          Nur Minuten nach dem Start vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral am Samstag sprengte die Falcon-9-Rakete die erste Stufe ab. Sie landete sicher aufrecht auf dem Schiff „Of Course I Still Love You“ (auf Deutsch etwa: Natürlich liebe ich dich noch) im Atlantik vor der amerikanischen Küste. Die Landung und Wiederverwendung von Raketenstufen und Raumkapseln ist ein wichtiger Teil der Strategie des privaten Raumfahrtunternehmens SpaceX. Schon mehrfach gelangen Landungen von Raketenstufen auf Schiffen sowie auf Land.

          Weit über der Erde trennte sich die Kapsel von der zweiten Raketenstufe und begann die Reise zur ISS. Auf Twitter veröffentlichte die Nasa mehrere kleine Videoeinblicke, über den Flug der Astronauten sowie die Vorbereitungen auf der ISS. 

          Haben erfolgreich angedockt: die beiden Astronauten Doug Hurley und Bob Behnken

          Bei „LaunchAmerica“ handelt sich um den letzten Flugtest für den von SpaceX entwickelten „Crew Dragon“. SpaceX hatte zuvor nur Fracht zur ISS transportiert. Wegen der Corona-Pandemie war der Zugang zu dem Gelände des Weltraumbahnhofs im Bundesstaat Florida, wo normalerweise Besucher bei Starts zuschauen dürfen, stark eingeschränkt. Präsident Trump und Vizepräsident Mike Pence waren aber angereist. Für die Vereinigten Staaten ist der Start ein Meilenstein in der Raumfahrt. Erstmals seit neun Jahren hoben Astronauten wieder von amerikanischem Boden aus ab. Seit dem Ende der Space-Shuttle-Flüge im Jahr 2011 waren sie auf russische Sojus-Kapseln angewiesen, um Astronauten zur ISS zu transportieren.

          Der Flug ins All ist für Unternehmer Musk ein großer Erfolg. Er ist ein Pionier bei der Entwicklung wiederverwendbarer Raketen, die Raumflüge preiswerter und damit häufiger machen sollen. Zudem ist es das erste Mal, dass Amerikaner mit einem Privatunternehmen ins All fliegen. Bereits kommendes Jahr soll ein Konkurrent Amerikaner ins Orbit bringen. Dann will der Flugzeughersteller Boeing seinen CST-100 Starliner ins All schießen. Die Nasa hat an beide Unternehmen fast acht Milliarden Dollar vergeben, damit sie konkurrierende System entwickeln.

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