https://www.faz.net/-gum-a7uo8

Am Flughafen Amsterdam : Asiens mächtigster Drogenboss festgenommen

Die Polizei am Flughafen in Amsterdam hat Asiens mächtigsten Drogenboss festgenommen. Bild: Reuters

Tse Chi Lop bewegte sich jahrelang erfolgreich im Untergrund. Doch nun ist er der Polizei in Amsterdam ins Netz gegangen.

          3 Min.

          Die Polizei in Amsterdam hat einen ungewöhnlich großen Fang gemacht. Sie nahm den in China geborenen Kanadier Tse Chi Lop fest. Der 57 Jahre alte Tse gilt als mächtigster Drogenboss Asiens und soll über ein weltweites Syndikat mit dem Namen „The Company“ („Die Firma“) herrschen, das jedes Jahr mit synthetischen und anderen Drogen einen Milliardenumsatz erzielt. Tse war am Freitag am internationalen Flughafen Schiphol verhaftet worden, wo er auf dem Weg nach Kanada einen Zwischenstopp eingelegt hatte. Er hatte sich jahrelang erfolgreich im Untergrund aufgehalten. Die Polizei in Australien hatte ihn seit dem Jahr 2019 mit internationalem Haftbefehl gesucht. Aufgrund seiner Macht wird Tse mit südamerikanischen Drogenbossen wie „El Chapo“ und Pablo Escobar verglichen. „Es lässt sich nicht übertreiben, wie bedeutsam die Verhaftung Tses ist. Sie ist wichtig und war lange erwartet worden“, sagte Jeremy Douglas, der Repräsentant der UN-Drogenbehörde für Südostasien und Pazifik, dem Sender CNN.

          Till Fähnders

          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Die australische Polizei hatte am Sonntag die Festnahme eines kanadischen Staatsbürgers in Amsterdam gemeldet. Sie kündigte an, zusammen mit der Staatsanwaltschaft die Auslieferung des Kanadiers zu beantragen. Laut australischer Presse hatte die Polizei Tse und sein Netzwerk schon mehr als zehn Jahre lang verfolgt. An den Ermittlungen waren laut der Agentur Reuters weltweit insgesamt 20 Behörden beteiligt. „Er stand schon auf der Liste der Meistgesuchten“, sagte ein Sprecher der niederländischen Polizei. Das Syndikat ist weltweit tätig, beliefert aber insbesondere Kunden im Gebiet Asien-Pazifik zwischen Japan und Neuseeland. Die Waren stammen überwiegend aus Drogenfabriken im „Goldenen Dreieck“, dem südostasiatischen Drei-Länder-Eck zwischen Burma, Laos und Thailand. Zu den bekannten Methoden des Kartells gehört es, die Drogen in Tüten für grünen chinesischen Tee zu verstecken.

          Er ließ sich von Thai-Boxern beschützen

          Erste Hinweise auf das Drogenkartell hatte die australische Polizei offenbar schon seit 2008 bekommen. Die Spur verdichtete sich, als im Jahr 2016 ein taiwanischer Drogenkurier in Rangun verhaftet worden war, dem wirtschaftlichen Zentrum Burmas. Die Einkünfte des Syndikats lagen Presseberichten zufolge zwischen acht und 17,7 Milliarden Dollar allein im Jahr 2018. Drogenboss Tse Chi Lop führte einen entsprechenden Lebensstil. So ließ er sich einem Reuters-Bericht zufolge von einer Gruppe von Thai-Boxern beschützen und war meist in seinen eigenen Privatflugzeugen unterwegs. In einem Casino in Macao soll er in nur einer Nacht mehr als 60 Millionen Euro verspielt haben. Dabei hatte er schon seit Ende der neunziger Jahre einige Zeit im Gefängnis verbracht. Nach seiner Freilassung hatte er sich gleich wieder den Drogengeschäften zugewandt.

          Obwohl er offenbar der Kopf des Netzwerkes war, wird Tse in seiner Muttersprache Kantonesisch auch „Sam Gor“ genannt, was so viel wie „Bruder Nummer Drei“ bedeutet. Davon hat das Syndikat auch einen seiner Namen. Wie es heißt, hatte es sich einst als Zusammenschluss mehrerer sogenannter Triaden gebildet. Es funktioniert bis heute nach einem ähnlichen Prinzip wie diese vor allem im chinesisch geprägten Kulturraum Asiens operierenden Banden. Australien hat ein besonderes Interesse an dem Kartell, da dort rund 70 Prozent des Geschäfts mit Methamphetaminen von der „Firma“ abgewickelt werden sollen. Diese synthetischen Drogen spielen in der Region eine immer wichtigere Rollen. Sie stammen überwiegend aus den Laboren im Goldenen Dreieck. Dort haben die synthetischen Drogen das Geschäft mit Heroin und Opium teilweise abgelöst.

          In Asien werden die synthetischen Drogen vor allem als „Yaba“ konsumiert, „verrückte Pillen“, die aus einem Gemisch aus Methamphetamin und Koffein bestehen. Das Gesamtgeschäft mit Drogen dieser Art in der Region Asien-Pazifik wird auf 70 Milliarden Dollar geschätzt. Schätzungen gehen davon aus, dass „Die Firma“ 40 bis 70 Prozent des Marktes kontrolliert. Ein Hauptproduktionsgebiet liegt in den dicht bewachsenen Hügeln im burmesischen Bundesstaat Shan. Dort hatten die Behörden im vergangenen Jahr einen der größten Funde synthetischer Drogen überhaupt gemacht. In den dortigen Grenzgebieten, die unter Kontrolle von Rebellenarmeen, Milizen und Warlords stehen, hat die Staatsmacht kaum Zugriff. An diesen Umständen wird auch die Festnahme Tses nichts ändern. „Es ist zwar wichtig, dass die Führung des Syndikats entfernt wird, aber die Voraussetzungen, die sie so effektiv für ihre Geschäfte genutzt haben, werden nicht angetastet und das Netzwerk bleibt bestehen“, warnte der UN-Mitarbeiter Jeremy Douglas.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Mehr Schatten als Licht: Die Unternehmensberatung McKinsey wechselt nach einer Serie von Skandalen ihre Führung aus.

          Berater in der Krise : Chaostage bei McKinsey

          Die Unternehmensberatung McKinsey wechselt nach einer Serie von Skandalen ihre Führung aus. Und wirft damit Fragen nach ihrem Reformwillen auf.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.