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Vulkanaschewolke : Lufthansa im Clinch mit Ramsauer

  • Aktualisiert am

Die Umsatzeinbußen für Lufthansa-Chef Mayrhuber liegen nach drei Tagen bei rund 70 Millionen Euro Bild: dpa

Die Nerven liegen blank während der Zwangspause im Luftverkehr. Lufthansa-Vorstand Mayrhuber hält die Sorge um die Sicherheit für unbegründet, Verkehrsminister Ramsauer verteidigt das Flugverbot.

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          Die anhaltende Schließung eines Großteils des europäischen Luftraums führt zu Spannungen zwischen den Fluglinien und der Politik. Lufthansa-Vorstandsvorsitzender Wolfgang Mayrhuber kritisierte die Sperrung des Luftraums und wies die Sorge um die Sicherheit der Passagiere als unbegründet zurück. Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer verteidigte hingegen das Flugverbot. Für ihn gelte Sicherheit an erster Stelle. In weiten Teilen Europas ist derweil eine Aufhebung der Luftraumsperrungen nicht in Sicht. Schadenersatzforderungen der Fluggesellschaften wies Ramsauer am Montagmorgen im Deutschlandfunk nochmals zurück: „Ich wehre mich gegen jeden Ruf an den Staat.“

          Viele Airlines in Europa haben laut Mayrhuber Testflüge zur Überprüfung der Aschewolke durchgeführt. Dabei seien sie zu dem Ergebnis gekommen, „dass die Durchmischung so groß ist mittlerweile, dass hier keine Gefahr besteht“, sagte Mayrhuber am Sonntag im „Heute Journal“ des ZDF. Der Flugbetrieb in Europa sei derzeit möglich, auch wenn es vielleicht „Eingrenzungen“ geben könnte.

          Ramsauer will sich nicht unter Druck setzen lassen

          Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer verteidigte im „Heute Journal“ das Flugverbot. Er werde sich nicht von „Fluglinien unter Druck setzen lassen“. Er werde es niemals zulassen, „dass gegen den Verlust von Umsätzen das Risiko für Leib und Leben von Reisenden gegengerechnet wird“, sagte Ramsauer.

          Verkehrsminister Ramsauer verteidigte am Sonntag gegenüber Lufthansa-Chef Mayrhuber das Flugverbot

          Mayrhuber wies diese Aussagen Ramsauers scharf zurück. Er halte es für „ungeheuerlich, der Lufthansa oder den deutschen Airlines zu unterstellen, dass sie Umsatz vor Sicherheit stellen“, sagte Mayrhuber. „Niemand will durch eine Vulkanwolke fliegen, aber das was wir in den letzten drei Tagen gesehen haben, war alles andere als ein Gefährdungspotential“, sagte der Lufthansa-Chef. Sofern man ein Risiko sähe, gebe es Möglichkeiten, dieses durch Maßnahmen wie engere Inspektionsintervalle oder die bessere Vorbereitung der Piloten weiter zu reduzieren.

          Ryanair streicht Flüge bis Mittwoch, LH-Tochter Swiss betont Sicherheit

          Die irische Fluggesellschaft Ryanair dagegen hat von vornherein alle Flüge in Deutschland und 13 anderen Staaten bis Mittwoch um 13 Uhr abgesagt. Betroffen seien auch die Flüge in Großbritannien, Irland, Dänemark, Finnland, Norwegen, Schweden, Belgien, Holland, Frankreich, Deutschland, Polen und in den baltischen Staaten. Die Streichung bis Mittwochmittag solle Passagieren Zeit zum Umbuchen oder Stornieren geben, teilte die Airline am Sonntag in Dublin mit.

          Die Schweizer Fluggesellschaft Swiss, die zur Lufthansa gehört, hat die Entscheidungen der Behörden anders als die Muttergesellschaft bisher nicht kritisiert. Die Sicherheit gehe eindeutig vor, hieß es seitens der Fluglinie. Zehntausende Reservierungen wurden bereits storniert. In der Schweiz wurde die Teilsperrung inzwischen bis Dienstag 8.00 Uhr verlängert. Damit bleiben die großen Flughäfen wie Zürich und Genf weitgehend dicht. Kleinere Flugzeuge dürfen auf Sicht fliegen, größere können die Schweiz in einer Höhe ab 6400 Meter überfliegen.

          250 Millionen Dollar Verlust täglich im Luftverkehr

          Der Verband der europäischen Fluglinien (AEA) sowie die Europasparte des Weltverbands der Flughäfen (ACI) kritisierten ebenfalls das anhaltende Flugverbot. Bei ähnlichen Vulkanausbrüchen in anderen Teilen der Welt seien Beschränkungen wie derzeit in Europa nicht für erforderlich erachtet worden, hieß es in einer gemeinsamen Mitteilung der beiden Verbände. Die Aschewolke aus Island trifft die weltweiten Fluggesellschaften nach Einschätzung des internationalen Luftfahrtverbandes (IATA) härter als die Anschläge vom 11. September 2001 in den Vereinigten Staaten. Die Verluste der Airlines erreichten wegen der anhaltenden Flugausfälle inzwischen 250 Millionen Dollar pro Tag, sagte IATA-Chef Giovanni Bisignani am Montag.

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