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Staub vom Eyjafjalla : Die Vermessung der Asche

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Die Aschewolke wird nach Angaben einer Wissenschaftlerin kleiner, am Samstag (unser Bild) sah das noch ganz anders aus Bild: Reuters

Forscher arbeiten an der Feinanalyse der Katastrophe - und geben keine Entwarnung. Das Problem ist: Ohne Messflüge durch die Vulkanwolken lässt sich die Konzentration der Staubteilchen nur grob bestimmen. Solche Flüge gab es nun.

          Die Übeltäter sind winzig, oft nur weniger als ein Zehntel Millimeter groß. Sie sind eckig oder ausgefranst, haben scharfe Kanten, können aber auch abgerundet sein. Sie bestehen aus Magnesium, Silizium, Sauerstoff ein wenig Fluor und anderen Spurenelementen. Manche haben die vollendete Form von Olivin-Kristallen, andere wiederum sehen aus wie ein Klumpen Dreck, völlig ohne Gestalt oder Struktur. Forscher des Schottischen Umweltamtes haben diese kleinen Partikeln in Aberdeen und in Lerwick, der Hauptstadt der Shetland-Inseln, gesammelt und unter dem Mikroskop in hundert- bis vierhundertfacher Vergrößerung untersucht. Es handelt sich um jenen Staub vom Vulkan Eyjafjalla auf Island, der dieser Tage den Flugverkehr über Europa weitgehend stillgelegt und die Luftfahrtindustrie in arge Schwierigkeiten gebracht hat.

          Angesichts von Tausenden Passagieren, die auf ihren Flug warten, und der hohen wirtschaftlichen Verluste ist die Kritik zahlreicher Luftfahrtgesellschaften an der großflächigen Sperrung des Luftraums über Europa verständlich. Aber gleichzeitig ist der Umgang mit riesigen Wolken vulkanischen Staubs in der Atmosphäre noch längst keine exakte Wissenschaft. Bei ihren Entscheidungen stützten sich die Luftfahrtbehörden der meisten europäischen Länder auf die Empfehlungen und Modellrechnungen des zum britischen Wetterdienst gehörenden „Volcanic Ash Advisory Centre“ (VAAC) in London. Das Büro ist Teil eines von der Internationalen Organisation für Zivilluftfahrt eingerichteten weltumspannenden Warnsystems, das Flugzeugführer aktuell auf die von vulkanischen Aschewolken drohenden Gefahren hinweisen soll. Außer in London gibt es ähnliche Warnzentren in acht Städten, darunter Toulouse, Washington, Tokio, Buenos Aires.

          Täglich Dutzende von Warnmeldungen

          Täglich geben diese acht Zentren Dutzende von Warnmeldungen heraus. So wies Washington beispielsweise übers Wochenende auf die anhaltenden Ausbrüche der Vulkane Reventador in Ecuador und Huila in Kolumbien hin, und VAAC Tokio warnte vor Vulkanwolken des russischen Feuerberges Sheveluch und des japanischen Sakurajima. Der vom Londoner Zentrum überwachte Luftraum ist innerhalb dieses Warnsystem der kleinste. Er umfasst neben den Britischen Inseln einen Teil des Nordatlantik sowie Island, Spitzbergen und große Bereiche des arktischen Ozeans.

          Das Forschungsflugzeug des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt wird zur Startbahn gezogen

          Die vom Londoner VAAC ausgesprochenen Warnungen beruhen auf zwei Verfahren. So wird die Ausbreitung vulkanischer Wolken auf Satellitenbildern verfolgt. Allerdings müssen die Meteorologen dazu einen Trick anwenden. Bei flüchtigem Hinsehen sind diese Wolken nämlich nicht von den üblichen Wolken aus Wassertröpfchen oder Eispartikeln zu unterscheiden. Die im Vulkanstaub enthaltenen Silikatkristalle absorbieren aber infrarotes Licht auf andere Weise als Wasserdampf. Deshalb werden zur Warnung vor Vulkanstaub zwei Bilder, die von verschiedenen Spektrometern an Bord der Wettersatelliten aufgenommen wurden, miteinander kombiniert. Erst dann treten die Wolken aus den feinsten Staubteilchen deutlicher hervor

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