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Luftraum wieder frei : Flugzeuge heben ab - LKW fahren durch

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Auch am Sonntag auf der Autobahn: Für viele LKW wird das Wochenendfahrverbot aufgehoben Bild: AP

Der Streit über das Krisenmanagement der Bundesregierung dauert an. Verkehrsminister Ramsauer verteidigte sein Vorgehen gegen Kritik. Um die Auswirkungen der Wolke für den Warenverkehr zu verringern, wird am Sonntag das Fahrverbot für LKW gelockert.

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          Nach fünf Tagen Zwangspause wegen des Vulkanausbruchs auf Island hat der reguläre Flugverkehr am Mittwoch wieder begonnen. Die Deutsche Flugsicherung (DFS) gab am Mittwochvormittag den Betrieb auf allen deutschen Flughäfen frei. Nach Einschätzung der Fluggesellschaften wird die Rückkehr zum normalen Flugplan jedoch einige Tage dauern. Um den Transportrückstau möglichst schnell aufzulösen, wollen einige Bundesländer das Nachtflugverbot vorübergehend aufheben.

          Um den Transportstau von Waren infolge der Flugausfälle in den vergangenen Tagen auszugleichen, wird zudem das Sonntagsfahrverbot für Lastwagen bundesweit gelockert. Das Bundesverkehrsministerium teilte am Mittwochabend in Berlin mit, das Fahrverbot für LKW werde am kommenden Wochenende ausgesetzt. Betroffen von der Ausnahmeregelung seien Güter, die normalerweise über den Luftweg befördert würden, erklärte Staatssekretär Andreas Scheuer. Die Maßnahme sei bei einer Telefonkonferenz zwischen den Verkehrsministerien von Bund und Ländern am Nachmittag beschlossen worden. Damit sollten die Auswirkungen der isländischen Vulkanwolke auf den Warenverkehr wenigstens zum Teil aufgefangen werden.

          In ganz Europa entspannte unterdessen sich am Mittwoch die Lage. Die europäische Flugsicherung Eurocontrol berichtete, mit Ausnahme einiger weniger Lufträume - etwa über Südschweden - seien in Europa alle Flugverbote aufgehoben. In Deutschland konnten mehr als 100.000 Urlauber wieder landen, die wegen der Flugsperre tagelang im Ausland warten mussten. Trotzdem warten nach Einschätzung des Deutschen Reiseverbands noch etwa 20.000 gestrandete Urlauber auf ihre Rückreise nach Deutschland. Wie der Verband am Mittwoch mitteilte, zählen dazu vor allem Gäste, die ihre Reise über Reisebüros und Reiseveranstalter gebucht hatten und jetzt noch wegen des tagelangen Flugverbots aufgrund der Aschewolke aus Island an Fernzielen festsitzen. Es sei davon auszugehen, das ein Großteil der betroffenen Deutschen bis Mittwochabend wieder in der Heimat landen werde.

          Der Gletschervulkan auf Island schleudert nur noch wenig Vulkanasche in die Atmosphäre

          Iata spricht von 1,27 Milliarden Euro Verlust

          Der Gletschervulkan auf Island schleudert derweil nur noch wenig Vulkanasche in die Atmosphäre. Ein Sprecher des Meteorologischen Institutes in Reykjavik sagte am Mittwoch, die Rauchsäule aus dem Vulkan unter dem Eyjafjalla-Gletscher erreiche eine Höhe von maximal drei Kilometern. Von dort wird sie in südöstlicher Richtung auf die britischen Inseln zugetrieben. Die seismisch messbare Aktivität des Vulkans blieb auch knapp eine Woche nach Beginn des Ausbruchs unverändert stark. Völlig ruhiggeblieben ist weiterhin der Untergrund des benachbarten und viel größeren Vulkans Katla. Dessen Ausbruch im Gefolge der Aktivitäten unter dem Eyjafjallajökull gilt auf Island als größte Gefahr. In den sechs Tagen mit Flugverboten an Europas Himmel war nach Angaben der Behörde mehr als jeder zweite Flug gestrichen worden: Seit Donnerstag fielen mehr als 100.000 Verbindungen aus - normalerweise hätten in dieser Zeit rund 190.000 Flüge abgewickelt werden sollen.

          Der Generaldirektor des Weltluftfahrtverbands Iata, Giovanni Bisignani, sprach am Mittwoch in Berlin von Einbußen von bislang mehr als 1,7 Milliarden Dollar, umgerechnet rund 1,27 Milliarden Euro. Der ehemalige Alitalia-Chef rügte abermals die europäischen Regierungen. Er sagte, ihr Krisenmanagement sei unzureichend und ihre Entscheidungsfindung schleppend. Bisignani forderte sie auf, die Fluggesellschaften zu unterstützen. „Die Regierungen müssen ihrer Verantwortung gerecht werden und den Fluggesellschaften helfen, die Kosten zu decken“, sagte er. Die EU-Länder müssten zu einem gemeinsamen Vorgehen in der Krise finden; in den Vereinigten Staaten sei der Ausbruch des Vulkans Mount St. Helens viel effizienter gehandhabt worden. Es sei unbefriedigend, dass in der EU seit 1991 ohne Ergebnis über einen einheitlichen Luftraum diskutiert werde.

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