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Im Gespräch: Gerhard Grandke : „Offenbach ist plötzlich ein Kurstädtchen“

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Gerhard Grandke Bild: F.A.Z. - Foto Wolfgang Eilmes

Der ehemalige Oberbürgermeister der Stadt Offenbach, Gerhard Grandke, hat ein außergewöhnlich ruhiges Wochenende verbracht. Dank Flugverbot konnte er sich beim Sonntagskaffee im Garten ohne Unterbrechung mit der Familie unterhalten.

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          Gerhard Grandke war SPD-Obergürbermeister von Offenbach und ist Präsident des Sparkassen- und Giroverbands Hessen-Thüringen. Sein Reihenhaus mit Garten liegt direkt in der Einflugschneise. Normalserweise kann Grandke den Flugzeugen beim Ausfahren der Landeklappen zusehen. Das vergangene Wochenende war dagegen außergewöhnlich ruhig. Grandke hat das genossen. Zum Ausbau des Frankfurter Flughafens steht er trotzdem.

          Herr Grandke, wie war Ihr Wochenende?

          Geruhsam. Wir genießen mit der ganzen Familie die Ruhe. Offenbach ist plötzlich wie ein Kurstädtchen. In den Taunus mussten wir nicht fahren. Wir sind einfach zu Hause geblieben.

          Sie wohnen im Offenbacher Süden.

          Ja. Nur 100 Meter von unserem Haus ist der Lärm-Messpunkt, an dem von der Fraport in der Regel die höchsten Lärmemissionswerte in der Einflugschneise des Frankfurter Flughafens gemessen werden. Der Offenbacher Süden ist sehr grün. Aber zu den Hauptzeiten haben wir alle halbe Minute einen Überflug. Jetzt ist es wie eine Kur.

          Sie sind 55 Jahre alt. Wie lange leben Sie schon dort?

          Seit 55 Jahren. Mein Elternhaus ist auch in der Einflugschneise.

          Und jetzt?

          Alle sitzen draußen. Man hört nichts, nur die Vögel. Hören Sie mal mit! (Hält den Hörer raus)

          Ja, nur Vogelgezwitscher! Wenn Sie das jetzt hören: Hätten Sie nicht damals als Oberbürgermeister gegen die Erweiterung des Frankfurter Flughafens sein müssen?

          Nein. Ich war immer für die Erweiterung. Wir ertragen das hier, weil es unser Beitrag zur Entwicklung der Region ist. Aber ich war gegen die Nordwestbahn. Ich wollte, dass es Sektoren gibt, so dass zu bestimmten Zeiten bestimmte Regionen die Ruhe haben, die wir jetzt so genießen. Da hätte man mit Lärmkonten arbeiten können. Ich hab' das damals Demokratisierung des Lärms genannt.

          In welcher Höhe fliegen denn die Flugzeuge über Ihr Haus?

          Sie sind im Landeanflug. Man sieht die ausgefahrenen Fahrwerke. Die Flugzeuge sind hier im nicht mehr veränderbaren Gleitstrahl. Weil wir meist Westwindlage haben, ist das dann wie ein Lärmteppich.

          Haben Sie überhaupt einen Balkon?

          Wir haben in unserem Reihenhäuschen Terrasse und Garten.

          Kaffee trinken kann man da aber nicht?

          Machen wir schon. Aber immer wieder müssen wir die Gespräche unterbrechen.

          Jetzt müssen Sie sich durchgehend mit der Familie unterhalten.

          Ja, aber damit habe ich keine Probleme. Heute gucken wir in den Himmel.

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