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Frankfurter Flughafen : Für Transit-Passagiere hat Warten ein Ende

Auch sie können nun den Transitsektor in Richtung Heimat verlassen: „Gestrandete” Chinesen in Frankfurt Bild: Wonge Bergmann

An guten Tagen zählt der Frankfurter Flughafen bis zu 180.000 Passagiere. Zuletzt waren es 20.000. Doch das ändert sich jetzt wieder. Und für die gestrandeten Transit-Passagiere hat das elende Warten ein Ende.

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          Die Chancen stehen nicht schlecht. Für die letzten im Transit des Frankfurter Flughafens noch festsitzenden Passagiere könnte das Warten heute ein Ende haben. Der Flughafenbetreiber Fraport rechnet damit, dass es den Fluggesellschaften trotz der bestehenden Luftraumsperre gelingt, die zum Teil seit Tagen am Flughafen campierenden Fluggäste weiter in Richtung des eigentlichen Reiseziels zu befördern. Am Abend hatte sich deren Zahl auf weniger als 300 verringert, wie ein Sprecher der Fraport sagte.

          Jochen Remmert

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, zuständig für Flughafen und Offenbach.

          Von einem Normalbetrieb ist Frankfurt, wie das Gros der europäischen Flughäfen, allerdings noch weit entfernt, da die von dem isländischen Vulkan Eyjafjallajökull ausgestoßene Aschewolke nach wie vor über Teilen Mitteleuropas schwebt. Gestern zählte der Frankfurter Flughafen etwa 200 Flugbewegungen. An verkehrsstarken Tagen ohne besondere Bedingungen sind es gut 1400. Die derzeitigen Flüge sind allesamt Ausnahmen von der Luftraumsperrung, welche die Deutsche Flugsicherung nach wie vor aufrechterhält. Diese kontrollierten Flüge auf Sicht bedingen sehr viel größere Abstände zwischen den Flugzeugen als sonst üblich, wenn die Maschinen mit Hilfe der Instrumente auf der exakten Position gehalten werden. Die gesamte Verantwortung liegt nun beim Piloten, nicht bei der Flugsicherung. Erst über 6000 Meter ist wieder ein Flug mit Hilfe der Instrumente zulässig.

          20.000 statt 180.000 Passagiere

          Die Lotsen unterstützen die Cockpitbesatzung zwar mehr als sonst bei ihren Flugmanövern, allerdings sind es diesmal nur Empfehlungen, denen die Piloten folgen oder auch nicht. Im Normalbetrieb ist das, was ein Lotse dem Piloten sagt, absolut verbindlich, wie ein Sprecher der Flugsicherung gestern erläuterte.

          Mehr als 30 Flugbewegungen in der Stunde sind in Frankfurt unter den Bedingungen des kontrollierten Sichtfluges kaum möglich, wie die Experten der Flugsicherung sagen. Ohne Aschewolke sind mehr als 80 Flüge nicht selten. An solchen Spitzentagen zählt der Flughafen dann bis zu 180.000 Passagiere, gestern waren es etwa 20.000.

          In ganz Deutschland hat die Langener Flugsicherung gestern 700 bis 800 Flugbewegungen betreut, keine zehn Prozent von dem, was die Lotsen sonst an einem Tag schaffen. Die Flugsicherung hatte eigentlich schon am gestrigen Nachmittag mit den Ergebnissen des Messfluges eines Spezialflugzeuges des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt durch die Aschewolke gerechnet. Doch bis zum gestrigen Abend lagen noch keine Ergebnisse vor.

          Nahezu alle Interkontinentalverbindungen bedient

          Inzwischen hat auch die Lufthansa einen Flug zur Messung des Asche-Anteils in den verschiedenen Luftschichten unternommen. Mit Ergebnissen ist allerdings auch erst in einigen Tagen zu rechnen, wie ein Unternehmenssprecher sagte.

          Die Lufthansa bediente seinen Angaben zufolge gestern nahezu alle Interkontinentalverbindungen, Strecken innerhalb Europas wurden ebenfalls wieder geflogen. Alles in allem waren das etwa 200 Flugbewegungen, 128 davon in Frankfurt. An normalen Geschäftstagen zählt die Lufthansa in ihrem Flugplan rund 1800 Flüge. Prognosen, wann es wieder zu einem normalen Flugbetrieb kommen könnte, wollte der Sprecher nicht wagen.

          Der in Oberursel ansässige Reiseveranstalter Thomas Cook AG kündigte für heute weitere Flüge nach Antalya, Teneriffa und zu anderen Ferienzielen an, um dort gestrandete Urlauber wieder zurück nach Deutschland zu bringen. Am Ende des heutigen Tages sollen es dann rund 10 000 Urlauber sein, die Thomas Cook aus den unfreiwillig verlängerten Ferien mit Sonderflügen zurück nach Deutschland geholt hat.

          15.000 Tonnen Fracht türmen sich

          Die Frachttochter der Lufthansa brachte gestern, wie schon in den Tagen zuvor, auch wieder Frachtflüge auf den Weg, einen über Bombay nach China, einen nach Japan und einen Flug nach Hongkong. Trotzdem türmen sich im Frankfurter Umschlagzentrum zurzeit rund 15.000 Tonnen Fracht, wie ein Sprecher sagte. Da nur ein Bruchteil davon ausgeflogen werden kann, haben Güter wie Medikamente oder Teile, von denen ganze Produktionsketten abhängen, Vorrang.

          In den vergangenen Tagen waren das beispielsweise Insulin, das nach Schanghai zu fliegen war, und für die Autoproduktion in Brasilien bestimmte Maschinenteile, die nach São Paulo geflogen werden mussten. Auch wenn sich der isländische Vulkan bald beruhigen sollte, wird es weitere vier bis fünf Tage dauern, bis der Rückstau bei der Fracht ganz abgebaut ist. Das liegt nicht zuletzt daran, dass es zurzeit kaum noch verfügbare Flugzeuge gibt, die die Frachtairlines zur eigenen Flotte hinzuchartern könnten. Die Kapazitäten sind restlos vergeben, wie es in der Branche heißt.

          Wiederinbetriebnahme bereits vor Vulkanausbruch eingeleitet

          Die Lufthansa Cargo kann auch die vier Flugzeuge, die sie stillgelegt hat, um die Folgen der Weltwirtschaftskrise abzufedern, nicht so rasch wieder in Betrieb nehmen, wie es nun wünschenswert wäre. Das dauert wegen der umfangreichen technischen Arbeiten Monate.

          Nur eine dieser Maschinen wird schon im Mai zusätzlich zur Verfügung stehen, weil deren Wiederinbetriebnahme bereits vor dem Vulkanausbruch eingeleitet wurde. Dies war geschehen, um die Nachfrage nach Frachtkapazitäten befriedigen zu können, die gerade wieder mit Kraft eingesetzt hatte - bevor dann der Vulkan auf Island ausbrach.

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