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Aschewolke : Flughafen München wieder geöffnet

  • Aktualisiert am

Der Gletschervulkan bläst wieder mehr Asche in die Atmosphäre Bild: AFP

Die Deutsche Flugsicherung hat den Luftraum über München und Stuttgart nach mehreren Stunden Sperrung wieder freigegeben. Gleichzeitig ging der Streit um die Notwendigkeit von Flugverboten wegen der Vulkanasche weiter.

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          Nur drei Wochen nach dem letzten Flugchaos hat Vulkanasche aus Island wieder den Luftverkehr in Deutschland behindert. Beeinträchtigungen gab es am Wochenende auch in anderen Ländern Europas - darunter Frankreich, Spanien und Österreich - sowie auf den Transatlantikstrecken. In Deutschland waren am Sonntag Bayern und Baden-Württemberg von den Luftraum-Sperrungen betroffen. Dies stieß bei den beiden größten deutschen Airlines auf heftige Kritik. Gestrichene oder verspätete Flüge verärgerten auch viele Passagiere in anderen Bundesländern. Für Montag sagten die Meteorologen weitere Beeinträchtigungen voraus.

          Der Luftraum am zweitgrößten deutschen Flughafen in München wurde am Sonntag ab 15.00 Uhr gesperrt. Vor den Schaltern der Airlines drängten sich ratlose Passagiere auf mehreren hundert Metern Länge. In München wurden die Flüge nach Instrumenten und auf Sicht verboten. Nach Angaben des Flughafen-Sprechers Robert Wilhelm sollte der Airport um 23.00 Uhr wieder den Betrieb aufnehmen. Die Öffnung der Flughäfen Memmingen und Augsburg war für 22.00 Uhr geplant. Der Airport Stuttgart schloss am Nachmittag, wurde aber um 18.00 Uhr geöffnet. Später wurde beschlossen, alle Flughäfen bereits um 21.00 Uhr wieder zu öffnen.

          Die Lufthansa kritisierte ebenso wie ihr Konkurrent Air Berlin die deutschen Flugverbote als „falsch“. „Es gibt keinen konkreten Hinweis auf eine Gefährdung“, sagte Lufthansa-Sprecher Klaus Walther. Erneut seien für die Entscheidung nur Computersimulationen herangezogen worden. Die Schweiz, die eigene Messungen durchgeführt habe, lasse weiter den Flugverkehr zu. In Deutschland habe es dagegen keine Messflüge gegeben. „Wir haben keinerlei hinreichende Beweise vom Deutschen Wetterdienst, was da in der Luft ist“, sagte auch Air Berlins Pressesprecher Christoph Noack.

          Viele Flügen mussten in Rom gestrichen werden

          Die Vulkanasche aus Island sei über Spanien und Frankreich in einen Teil des süddeutschen Luftraums gezogen, erklärte die Flugsicherung aufgrund von Daten des Deutschen Wetterdienstes und von Vulkanasche-Spezialisten aus London. In dem Luftraum gebe es daher eine hohe Konzentration an Vulkanasche. Die Partikel gelten zwar für Menschen nicht als schädlich, können in hoher Konzentration aber Triebwerke moderner Jets schädigen oder gar zum Ausfall bringen.
          Ein Sprecher des Deutschen Wetterdienstes sagte, es sei für Montag noch mit lokalen Ascheresten über Deutschland zu rechnen. Von Dienstag an soll es keine Beeinträchtigungen mehr geben.

          Bereits Mitte April waren fast sechs Tage lang weite Teile des europäischen Luftraums gesperrt worden. Zehntausende Flugausfälle führten zu Schäden in Milliardenhöhe. In Deutschland setzten mehrere Airlines auf Sichtflüge, für die sie eine Sondergenehmigung erhielten. Die EU-Verkehrsminister beschlossen daraufhin ein Modell mit drei Gefährdungsstufen, um eine einheitliche Regelung zu haben.
          Der größte deutsche Flughafen in Frankfurt war von der Asche nicht direkt betroffen. Allerdings fielen allein am Sonntag 31 von knapp 1400 Flügen aus, weil andere Flughäfen in Europa geschlossen waren.

          Einige andere Lufträume in Deutschland waren am Sonntag nach Einstufung der Flugsicherung „potenziell kontaminiert“. Dort waren Flüge aber weiter möglich. Nach einem vom Bundesverkehrsministerium festgelegten Plan müssen Airlines dann alle besonderen Vorkommnisse melden und Flugzeuge unverzüglich auf mögliche Schäden untersuchen.

          Nach Einschätzung von Eurocontrol vom Mittag sollte es am Sonntag in Europa rund 24.500 Flüge geben, etwa 500 weniger als normal. Am Samstag waren rund 200 Flüge ausgefallen. Auf den Strecken über den Atlantik kam es zu mehrstündigen Verspätungen, weil die Maschinen die Aschewolke umfliegen mussten. Betroffen von der Vulkanasche in der Luft waren laut Eurocontrol Flughäfen im Norden Portugals, im Nordwesten Spaniens und im Norden Italiens. Vorübergehend seien die Flughäfen Mailand, Pisa und Florenz gesperrt. Auch Österreich schloss die Flughäfen Innsbruck, Salzburg, Linz und Wien.

          Die Schweiz schloss sich der Sperrung zwar nicht an; dennoch fielen am Sonntag zahlreiche Flüge in Genf, Basel und Zürich aus. Die Fluggesellschaft EasyJet strich sämtliche Flüge von und nach Genf, wie die Nachrichtenagentur SDA berichtete. Die Schweizer Luftaufsicht hatte am Samstagabend entschieden, dass der Luftraum über der Schweiz offen bleiben soll. Die Dichte der neuen Aschewolke des isländischen Vulkans stelle für Flugzeuge derzeit keine Gefahr dar, hieß es.

          Unterdessen stoßen die Sichtflüge von Verkehrsjets während der Luftraumsperrung im April nach einem Bericht des „Spiegel“ weiter auf Kritik. Flüge im kontrollierten Sichtflug seien riskanter gewesen als die Gefahr durch die Vulkanwolke, schreibt das Magazin unter Berufung auf Piloten.

          Lufthansa-Sicherheitspilot Jürgen Steinberg hat demnach seine Zustimmung zu den Sichtflügen inzwischen bedauert. „Das darf sich nicht wiederholen. Heute würde meine Empfehlung in der gleichen Situation lauten: „Don`t do it“ (Tue es nicht)“, schrieb er nach den Angaben. Die Lufthansa wies die Kritik als Privatmeinung zurück.

          Flughafen Frankfurt
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