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Artenschutz : Serengeti stirbt nicht

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Diese Entdeckung war das Signal für die ZGF, 1993 gemeinsam mit der tansanischen Nationalparkbehörde mit dem „Rhino Conservation Programme“ zu beginnen. Als erstes wurde das Moru-Nashornschutzgebiet von rund 500 Quadratkilometern eingerichtet, das für den Tourismus bis heute gesperrt ist. Denn aus dem Ngorongoro-Krater wusste man inzwischen, dass die Beunruhigung durch Geländefahrzeuge bei den Nashörnern erheblichen Stress verursachte und sich nachteilig auf die Vermehrung auswirkte.

Als erste Maßnahme des Programms wurden 1995 die drei Nashörner mit Sendern in ihrer Hornspitze versehen. Als Markus Borner drei Tage später mit dem Hubschrauber einen Kontrollflug machte, wunderte er sich darüber, dass sich ganz in der Nähe einer der beiden Nashornkühe ein Warzenschwein aufhielt. Da den Luftbeobachtern das merkwürdig vorkam, ließen sie den Hubschrauber ausnahmsweise tief kreisen. Aus der Nähe gesehen, entpuppte sich das Warzenschwein im hohen Gras als ein eintägiges Nashornkalb - Nashornjunge können eine Stunde nach der Geburt stehen und folgen wenige Stunden später ihrer Mutter auf dem Fuße. Noch heute kann sich Markus Borner nicht erklären, warum weder er noch vier andere Fachleute drei Tage zuvor beim Anbringen der Sender an der narkotisierten Nashornkuh nicht gemerkt hatten, dass diese hochträchtig war.

Mama Serengeti hat Forscher überrascht

Seit der Entdeckung der überraschenden Mutterschaft heißt das Tier Mama Serengeti. Und diese Mama macht ihrem Namen alle Ehre, denn sie hat seitdem neun Kälber geboren (Zwillingsgeburten gibt es bei Nashörnern nicht). Als wüsste sie von der Notwendigkeit des schnellen Aufbaus einer möglichst großen Population im Moru-Gebiet, hat sie sämtliche Zoologen überrascht: Mama Serengeti unterschreitet jedes Mal die normale Zeit von zwei bis drei Jahren zwischen zwei Geburten. Nach der Tragzeit von 430 Tagen gönnt sie sich nur etwa sechs Monate, bevor sie sich wieder von einem Bullen decken lässt. So liegen nur gut 20 Monate zwischen den Geburten. Das jüngste Kalb von Mama Serengeti ist ein Jahr alt. Und das jüngst geborene Kalb ist ein Enkelkind von ihr. Sarah, seine Mutter, ist eine von sechs Töchtern von Mama Serengeti.

Die jetzt neunzehn Nashörner werden in Moru von einem mobilen Einsatzkommando mit 17 Rangern rund um die Uhr mit zwei bis drei Fahrzeugen und von einem Beobachtungsturm mit Funk und GPS bewacht. Der Turm steht nahe dem „Michael Grzimek Memorial Rhino Post“ den die ZGF 1995 zum Gedenken an den am 10. Januar 1959 im Alter von 24 Jahren mit dem Flugzeug abgestürzten Sohn Professor Bernhard Grzimeks errichtet hat. Er war nahe dem Ngorongoro-Krater mit einem Gänsegeier kollidiert. Nur dieser in einen Kopje eingebaute Rangerposten ist im Moru-Gebiet für Touristen zugänglich. Dort erfahren sie neben Einzelheiten über das Schutzprojekt auch, dass das Östliche Spitzmaulnashorn wissenschaftlich zu Ehren des jungen Naturschützers benannt worden: Es heißt Diceros bicornis michaeli.

Ziel: „Hundert plus“ Spitzlippennashörner bis 2015

Mehr als 2,5 Millionen Euro hat die ZGF im Rahmen ihrer weitgreifenden Arbeit in Afrika bislang für den Nashornschutz allein in Tansania aufgewendet. Neben Moru gilt es, die zur Zeit wieder auf 24 Tiere gewachsene Population im Ngorongoro-Krater zu betreuen, auch veterinärmedizinisch. Und die gegenwärtig 33 der im Mara-Gebiet zwischen Tansania und Kenia gelegentlich die Grenze überschreitenden Spitzlippennashörner gehören ebenfalls zum „Serengeti Mara Ecosystem (SME)“, für das sich jetzt ein besonderes länder- und organisationsübergreifendes Rhino Forum bildet. Die ZGF spielt dabei eine wesentliche Rolle.

Neben der Förderung der drei Populationen ist an eine Ansiedlung von sechs Tieren aus Kenia in einem großen privaten Reservat in der westlichen Serengeti gedacht. Das nächste Etappenziel ist schon formuliert: „Hundert plus“ Spitzlippennashörner im SME bis 2015. Wenn Mama Serengeti und ihre Nachkommen so weitermachen wie bisher, sollte das kein Problem sein, vorausgesetzt, die Tiere werden so gut geschützt wie in den vergangenen Jahren.

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