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Arabische Touristen : München als Mekka

  • -Aktualisiert am

Beliebtes Einkaufsziel: die Münchner Maximilianstraße Bild:

In den Sommermonaten wird München zum Refugium für viele wohlhabende Araber. Manche ziehen die prachtvollen Einkaufsstraßen an, andere die gute medizinische Versorgung. Für die bayerische Landeshauptstadt sind die Nahosttouristen ein Riesengeschäft.

          Trapezförmige Taschen aus weichem, hellbraunen Leder, halbrunde Taschen aus schwarzem Lack, mit silbernen Löwenköpfen besetzt, teuer wie ein Gebrauchtwagen - und mittendrin verteidigt Hussein Aziz aus dem Königreich Bahrein am Persischen Golf seine Grundsätze.

          „Ich habe es euch gesagt: In jedem Urlaub kann jede von euch genau eine Tasche kaufen“, belehrt er seine beiden Töchter vor dem Schaufenster eines Modegeschäfts in der Münchner Maximilianstraße. „Da habe ich meine Prinzipien.“ Die Ältere der beiden beschwert sich: „Aber wenn wir zusammen einkaufen gehen und mir eine Tasche gefällt, kann ich es dir doch wenigstens sagen?“

          Auf der Maximilianstraße, Münchens teurer Einkaufsmeile zwischen der Residenz der bayerischen Könige und dem Maximilianeum jenseits der Isar, dürften solche Widerworte in diesen Spätsommertagen nur selten zu hören sein. Vielleicht, weil nur wenige der Frauen aus den Golfstaaten, die hier derzeit zu Tausenden Kauforgien feiern, so streitlustig sind wie die Töchter Aziz, beide in Jeans und unverschleiert. Eher jedoch deshalb, weil die Prinzipien ihres Vaters bei den wenigsten der Touristen aus Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Qatar, Oman und Bahrein Zustimmung fänden.

          „Sie mögen alles, was nach Geld aussieht“

          „Enorm kaufbegeistert“ seien die Kunden aus diesen Ländern, sagt ein Schmuckverkäufer an der Maximilianstraße, der seinen Namen nicht nennen möchte. Immer die neueste Kollektion müsse es sein. „Shopping ist ihr Zeitvertreib, und dieses Jahr sind sie noch spontaner - wenn sie etwas wollen, dann kaufen sie es auch.“ 2006 verzeichnete das Münchner Tourismusamt mehr als 180.000 Übernachtungen von Gästen aus den Golfstaaten, dieses Jahr dürften es noch mehr werden. Der „Normaltourist“ gebe am Tag 163 Euro aus; bei arabischen Touristen spricht man von etwa tausend Euro. Und so wandern Handtaschen, Abendkleider, Schuhe und Schmuck aus den Regalen in die koffergroßen Hochglanztüten von Armani, Versace und Co.

          Arabische Männer mit spiegelnder Sonnenbrille im Gesicht und meistens gänzlich schwarz verhüllter Frau an der Seite defilieren damit die Maximilianstraße auf und ab. Die meisten Geschäfte hier geben an, dass etwa sechzig Prozent ihrer Kunden in diesen Sommermonaten Araber seien, mitunter gar bis zu achtzig Prozent. „Sie mögen alles, was sehr opulent wirkt, ein bisschen verträumt ist und nach Geld aussieht“, sagt Shirin-Julia Frouhandeh, Geschäftsführerin der „Hugo Boss“-Filiale an der Maximilianstraße. „Arabische Kunden stehen auf Glitzer, Strass, Pailletten und Gold - was deutsche Kunden in der Regel nicht so sehr mögen.“

          Medizintourismus all inclusive

          Einige Autominuten nördlich liegen die Büroräume der Unterföhringer „Europe Health GmbH“. Für deren Gründer und Geschäftsführer Salah Atamna ist klar: „Der Ursprung des Ansturms der Araber auf München ist das Medizinische.“ Er sitzt auf einem schwarzen Ledersofa vor einem Glastisch, raucht und spricht aufgeregt mal auf Deutsch, mal auf Arabisch abwechselnd in zwei Mobiltelefone. „In fünf Minuten faxen wir Ihnen die Kostenübernahmeerklärung“, sagt er schließlich. Ein arabischer Patient will sich in einem Münchner Krankenhaus behandeln lassen.

          Dazu muss die Botschaft seines Landes zusichern, dass jemand dafür zahlen wird. Das ist bei Besuchern aus den Golfstaaten meistens der Staat, aber oft zahlen Scheichs und Prinzen aus eigenen Mitteln dafür, dass deutsche Ärzte einen ihrer Untertanen kurieren. Atamnas Unternehmen bucht Flüge und Hotels, wählt die Ärzte und das Ausflugsprogramm aus: Medizintourismus all inclusive.

          Arabisch essen und fernsehen

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