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Aprilscherze im Web : Doch keine Raserei in Italien

  • -Aktualisiert am

Keine Tempolimit mehr? Kein Problem für die italienische Polizei mit diesem Dienstwagen Bild: Picture-Alliance

Italien hebt das Tempolimit auf, die Europäische Zentralbank geht in die Gastronomie und in Berlin sorgt eine neue Doppeldecker-U-Bahn für Aufsehen. Eine Auswahl ausgefallener Aprilscherze im Netz.

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          Einen originellen Vorschlag zur Lösung des Berliner Verkehrsproblems hat die Deutsche Botschaft in London gefunden: Die Auslandsvertretung hatte am Mittwoch bei Twitter die Meldung verbreitet, dass in Berlin ab sofort eine Doppeldecker-U-Bahn starten würde. Grund dafür sei der enorme Anstieg von Touristenzahlen in der deutschen Hauptstadt.

          Martin Franke

          Redakteur vom Dienst bei FAZ.NET.

          Auch die Mitarbeiter vom kalifornischen Internet-Giganten Google waren heute zu Scherzen aufgelegt. Wem bei Suche nach dem richtigen Weg auf Google Maps langweilig wurde, konnte sich als Pacman durch die Straßen seiner Stadt fressen.

          Neben den Programmierern trat auch Googles Marketingabteilung in Aktion. In einem hochwertig produzierten Video blickt der Betrachter zunächst auf die bewegte Geschichte der Post zurück. Aber auch heute, in Zeiten des digitalen Wandels, ist die Post immer noch wichtig. Deswegen präsentiert Google in diesem Scherzvideo einen zeitgemäßen Briefkasten, der mit dem Smartphone verknüpft ist, die Post automatisch sortiert und über einen Spamfilter verfügt.

          IKEA Deutschland machte sich sogar die Mühe, seinen Aprilscherz bereits einen Tag früher vorzubereiten. Der schwedische Möbelhersteller hatte angekündigt, seine Bettenabteilung für Mittagsschläfer zu öffnen. Heute dann die Ernüchterung: Es handelte sich nur um einen Aprilscherz.

          Aber nicht nur in Deutschland hat IKEA versucht, mit seinen Kunden Scherze zu treiben. Auf Twitter veröffentlichte IKEA in den Vereinigten Staaten das erste „Kratz und Riechen“-Bild. Fans der beliebten schwedischen Fleischbällchen sollten so auch außerhalb der Möbelhäuser den Duft von Köttbullar in die Nase bekommen.

          Ritter Sport verkündete, das Unternehmen bringe einen 3D-Schokodrucker auf den Markt. Damit komme die Schokoladenfabrik nach Hause: Druckerpatronen für die Sorten Alpenmilch, Halbbitter und weiße Schokolade gebe es bereits – natürlich nur in quadratischer Schokoladenform.

          Gewohnt frech geht die Tierschutzorganisation PETA an das Thema Aprilscherz heran: Eine Fotomontage von einer unverhüllten Verteidigungsministerin soll angeblich für die Anti-Pelz-Kampagne PETAs werben.

          Auch bei FAZ.NET gab es drei absichtliche Falschmeldungen: Ab dem ersten Mai würde Italien das Tempolimit aufheben. Damit sollten mehr Touristen rechtzeitig zur Urlaubssaison angelockt werden, den schnellen Weg an die Adria und Riviera zu finden.

          Leider ist auch das neue Restaurant im 41. Stockwerk der Europäischen Zentralbank in Frankfurt nur ein Scherz. Erste Reservierungen für das neue „Euro Sunset“ sollen bei der EZB nicht auf offene Ohren gestoßen sein.

          Das Feuilleton berichtete unterdessen über eine Initiative, die das Internet von Katzenbildern befreien möchte. Demnach arbeiten mehrere Unternehmen an einem alternativen Modell des sogenannten Zwei-Klassen-Internets. Internet ohne Katzen? Am ersten April ist so einiges möglich.

          Woher kommt der Aprilscherz?

          Was genau dahintersteckt, wenn sich am ersten April viele Menschen gegenseitig hereinlegen, ist schwer zu sagen. Es gibt sogar Wissenschaftler, die sich mit dieser Frage beschäftigen. Sie haben herausgefunden, dass in Europa seit ungefähr 500 Jahren Aprilscherze gemacht werden. Drei Erklärungen halten sie für besonders wahrscheinlich.
          Im Jahr 1564 verlegte der französische König Karl IX. den Neujahrstag vom ersten April auf den ersten Januar. Lustige Menschen verschickten aber trotzdem zum ersten April Einladungen zu Neujahrsfeiern. Wer nicht rechtzeitig von der Kalenderumstellung erfahren hatte, nahm diese Einladungen ernst und reiste zu Festen an, die es gar nicht gab - und wurde dann von den Mitbürgern verspottet. Von Frankreich aus soll sich diese Art des Aprilscherzes über ganz Europa ausgebreitet haben. Über die Jahre hinweg könnte daraus unser heutiger Brauch entstanden sein.

          Aus Frankreich stammt auch noch die zweite mögliche Erklärung: Um 1600 soll Heinrich IV. von einem 16 Jahre alten Mädchen eine Einladung zu einem geheimen Liebestreffen bekommen haben. Der König begab sich zu dem vereinbarten Ort und traf dort allerdings nicht auf das Mädchen, sondern auf den gesamten Hofstaat: Sein Volk hatte ihn in den April geschickt.

          Da das Judentum und der Islam keine Aprilscherze kennen, könnten sie schließlich auch eine christliche Tradition sein: Der erste April gilt als Geburtstag des Jüngers Judas, der Jesus Christus verraten hatte. Deshalb verheißt dieser Tag den Christen Unglück. Da man früher davon ausging, dass man sich mit Späßen vor Schäden schützen könne, könnten sich daraus die Scherze zum ersten April entwickelt haben.

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