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Antrag genehmigt : Kindsmörder Gäfgen darf Stiftung gründen

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Darf die Stiftung im Vertretungsfall nicht nach außen vertreten: Magnus Gäfgen Bild: dpa

Magnus Gäfgen, der Mörder des Frankfurter Bankierssohns Jakob von Metzler, darf nun doch eine Stiftung für junge Gewaltopfer gründen. Die verantwortliche Behörde stimmte einem entsprechenden Antrag zu. Der erste Antrag war abgelehnt worden.

          Der Mörder des Frankfurter Bankierssohns Jakob von Metzler, Magnus Gäfgen, darf voraussichtlich doch eine Stiftung für junge Gewaltopfer gründen. Die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) in Trier stimmte nach Angaben einer ADD-Sprecherin vom Dienstag einem entsprechenden Vorantrag zu. Wenn der formelle Antrag mit dem angekündigten Inhalt folge, werde die Stiftung genehmigt. Die Sprecherin bestätigte damit im Kern einen Bericht der Koblenzer „Rhein-Zeitung“ vom selben Tag. Der heute 31 Jahre alte Gäfgen hatte den elf Jahre alten Jakob von Metzler am 27. September 2002 entführt und in seiner Frankfurter Wohnung ermordet.

          Die ADD ist die Stiftungsaufsicht des Landes Rheinland-Pfalz. Sie hatte einen ersten Antrag zur Stiftungsgründung im vergangenen August mit der Begründung abgelehnt, das geplante Projekt sei untrennbar mit der Person des zu lebenslanger Haft verurteilten Gäfgen verbunden und würde daher das allgemeine Anstandsgefühl verletzen.

          Nach der Ablehnung hatte es Gespräche zwischen der ADD und Gäfgens Anwalt Michael Heuchemer über die Voraussetzungen gegeben, die für eine Genehmigung vorliegen müssen. Dazu gehört laut ADD, dass auf jede Verbindung mit der Person Gäfgen - so bei der Namensgebung - verzichtet wird und Gäfgen die Stiftung auch im Vertretungsfall nicht nach außen vertritt. Eine „Magnus-Gäfgen-Stiftung“ werde die Behörde nach wie vor nicht anerkennen.

          „Es soll um die Sache gehen“

          Dazu erklärte Gäfgens Anwalt Heuchemer, dass jeder Bezug auf seinen Mandanten oder das Verbrechen aus dem Jahr 2002 aus der Präambel gestrichen werden soll. „Es soll um die Sache gehen.“ Als Name sei „Stiftung zu Gunsten jugendlicher Verbrechensopfer“ geplant. Heuchemer selbst tritt als Stiftungsgründer auf, der nach eigenen Angaben die 25.000 Euro Startkapital aus seinem eigenen Vermögen stellt. Zudem lägen bereits Zusagen für mehr als 5000 Euro vor, die für das operative Geschäft der Stiftung verwendet werden könnten.

          Nach Angaben Heuchemers soll Gäfgen in der Stiftung „ganz normal“ mitarbeiten. Er solle als stellvertretender Vorstandsvorsitzender oder als Beisitzer im Stiftungsbeirat in Entscheidungsprozesse und strategische Fragen eingebunden werden. Eine finanzielle Beteiligung Gäfgens sei nie vorgesehen gewesen. Weiteres designiertes Vorstandsmitglied der Stiftung ist der frühere nordrhein-westfälische FDP-Chef Joachim Schultz-Tornau. Heuchemer rechnet mit einer Stiftungszulassung noch in diesem Jahr. Die Anerkennung der Gemeinnützigkeit durch die Finanzbehörden betrachte er als Formsache.

          Gäfgen sitzt im nordhessischen Schwalmstadt ein und hat Privatinsolvenz angemeldet. Er hatte im Jahr 2002 erst nach Gewaltdrohungen eines Vernehmungsbeamten das Versteck des toten Jungen offenbart, von dessen Familie er zuvor noch eine Million Euro erpresst hatte, um seinen luxuriösen Lebensstil aufrechtzuerhalten. Das Landgericht Frankfurt verurteilte den jungen Mann zu lebenslanger Haft mit besonders schwerer Schuld, was eine Entlassung nach 15 Jahren Haft verhindert. Wegen der Folterdrohungen der Polizei hat Gäfgen die Bundesrepublik vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte verklagt.

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