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Anklage gegen A$AP Rocky : Notwehr oder Körperverletzung?

Rakim Mayers am 29. Oktober 2016 bei der LACMA Art + Film Gala in Los Angeles. Bild: AFP

Der Rapper A$AP Rocky sitzt seit Wochen in Schweden in Untersuchungshaft. Ein Video des ihm zur Last gelegten Vorfalls hat eine Welle internationaler Solidarität ausgelöst. Doch es erzählt offenbar nicht die ganze Geschichte.

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          „Fuckin’ Problems“ hieß der Song über sexuelle Eskapaden, der den amerikanischen Rapper A$AP Rocky Ende 2012 in den Mainstream katapultierte. Sehr viel handfestere Probleme hat A$AP Rocky, der bürgerlich Rakim Mayers heißt, seit einigen Wochen in Schweden. Dort wurden er und Mitglieder seiner Entourage nach einem Live-Auftritt am 3. Juli in Untersuchungshaft genommen, weil sie einen jungen Mann brutal zusammengeschlagen haben sollen.

          Constantin van Lijnden

          Redakteur für Frankfurter Allgemeine Einspruch.

          Der Fall hat sich seitdem zum internationalen Politikum entwickelt und zog nicht nur Solidaritätsbekundungen von Justin Bieber, Kim Kardashian und anderen Stars nach sich, sondern rief auch den amerikanischen Präsidenten auf den Plan. „Ich hatte eben ein sehr gutes Telefonat mit dem schwedischen Ministerpräsidenten Stefan Löfven, der mir versichert hat, dass der amerikanische Bürger A$AP Rocky fair behandelt wird“, schrieb Donald Trump am Samstag auf Twitter. „Ich habe ihm versichert, dass von A$AP Rocky kein Fluchtrisiko ausgeht und habe angeboten, persönlich für seine Kaution zu bürgen.“

          „Hör mal, wir wollen nicht mit euch kämpfen“

          Allerdings gibt es im schwedischen Recht keine Kaution, und auch ansonsten hat Trumps Intervention wenig für Mayers bewirkt, der zusammen mit zwei Crew-Mitgliedern am Donnerstag offiziell wegen Körperverletzung angeklagt wurde. Die Hauptverhandlung beginnt am 30. Juli im Amtsgericht Stockholm. Die vielen Parteinahmen zugunsten des Rappers dürften auch mit einem Video zusammenhängen, das er kurz vor seiner Verhaftung auf Instagram veröffentlicht hatte. Darin sieht man, wie er und seine Crew-Mitglieder in Stockholm von zwei jungen Männern verfolgt werden, die dem Anschein nach Ärger suchen. In einer Szene greift einer der beiden Männer Mayers’ Bodyguard an und wirft mit einem Paar Kopfhörern nach ihm. Die nächste Einstellung zeigt Mayers, wie er einem der beiden Männer vermittelnd die Hand auf die Schulter legt und sagt: „Hör mal, wir wollen nicht mit euch kämpfen, wir wollen nicht ins Gefängnis.“ Es folgen weitere Szenen, in denen Mayers & Co versuchen, die Situation zu deeskalieren. Offenbar erfolglos: Ein zweites, später aufgenommenes Video zeigt, wie Mayers einen der beiden Männer zu Boden wirft, woraufhin er und seine drei Begleiter beginnen, auf den Mann einzuschlagen und zu -treten. Wer beide Videos nacheinander sieht, dem kann das leicht als gerechtfertigte, jedenfalls nachvollziehbare Reaktion erscheinen, doch die von mehreren Schnitten unterbrochenen Aufnahmen erzählen möglicherweise nicht die ganze Geschichte.

          So sieht man beispielsweise nicht, was vor dem Angriff auf Mayers’ Bodyguard geschieht – laut den schwedischen Behörden hatte der Bodyguard den jungen Mann am Hals gepackt und in die Luft gehoben, weshalb dessen anschließender Angriff als Notwehr einzustufen sei. „Es ist wichtig, klarzustellen, dass wir mehr Beweismaterial ausgewertet haben als nur die im Internet verfügbaren Videos“, erklärte die schwedische Staatsanwaltschaft am Donnerstag. So hätten unter anderem Zeugenaussagen den Tatverdacht gegen Mayers und zwei seiner Begleiter erhärtet. Die Anklage wurde allerdings vom ursprünglichen Verdacht der schweren Körperverletzung auf einfache Körperverletzung reduziert, die eine Höchststrafe von zwei Jahren trägt; gegen einen von Mayers Begleitern wurden die Ermittlungen zudem ganz eingestellt. Die Hauptverhandlung soll am Dienstag am Amtsgericht Stockholm beginnen und nach Vorstellung der Staatsanwaltschaft drei Verhandlungstage in Anspruch nehmen. Bis dahin bleiben Mayers und seine Begleiter in Untersuchungshaft. Eine Petition zur Freilassung von A$AP Rocky hat derweil weit über 600.000 Unterschriften gesammelt.

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