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Angriffe auf Wanderer : Kühe sehen rot

Vorsicht vor dem Killerblick: eine Kuh aus Kitzbühel Bild: Franz Lerchenmüller

In Österreich verbreitet eine eher untypische Tiergattung bei Wanderern Angst und Schrecken - für Schlagzeilen sorgen vermehrte Kuhangriffe. Die Gründe scheinen nachvollziehbar: mehr Weiden, mehr Wandertourismus, mehr Angriffe.

          Schildkröten, Alligatoren oder Piranhas gehören zum üblichen Inventar sommerlicher Schreckensmeldungen. In Österreich hat es dieses Jahr aber eine Spezies geschafft, in diese Reihe aufgenommen zu werden, die weder exotisch ist, noch üblicherweise als besonders bedrohlich gilt: Almkühe.

          Stephan Löwenstein

          Politischer Korrespondent für Österreich und Ungarn mit Sitz in Wien.

          Es ist wohl gerade ihr Ruf, friedfertig aus großen, runden Augen zu schauen, der dazu führt, dass es Kuhangriffe auf Wanderer oder Bäuerinnen in die Meldungspalten bringen. „Hund beißt Mann“ ist eben keine Meldung wert.

          Auch im Fall der Kühe häufen sich die Schlagzeilen allerdings erst, seitdem ein solcher Unfall besonders schlimm ausgegangen ist. Ende Juli wurde eine deutsche Urlauberin auf einer Alm im Tiroler Stubaital von einer Herde Kühe angegriffen und tödlich verletzt. Sie war auf einem Wanderweg innerhalb eines eingezäunten Gebiets mit Hund unterwegs, als etwa 20 Kühe sie attackierten und zu Tode trampelten. Weitere Fälle seither: Eine Bäuerin im Bezirk Melk in Niederösterreich wird schwer verletzt, als eine Kuh auf dem Weg zur Melkkammer sie gegen die Brust stößt. In Kärnten wird ein Bauer von einer Mutterkuh zu Boden getrampelt, als er ein Kalb verladen will. In der Steiermark wird ein Wanderer auf einer Weide schwer, der Hund seiner Tochter leicht verletzt.

          Wieder in Tirol wird eine Wanderin von dem Horn einer Kuh am Gesäß verletzt. Zuletzt wurde am Sonntag vergangener Woche ein betagter Österreicher bei einer Wanderung von einer Kuhherde umgerannt und schwer verletzt. Der tödliche Angriff eines Stiers auf einen Hilfsarbeiter in der Steiermark wird wegen der zeitlichen Koinzidenz auch in diese Reihe aufgenommen, auch wenn geschulte Hemingway-Leser bei Stieren ohnedies Aggressivität unterstellen würden.

          Verhaltensregeln für Urlauber

          Ob die Zahl solcher Unfälle tatsächlich zugenommen hat, lässt sich kaum sagen. Eine übergreifende Statistik wird nicht geführt. Ein Blick in die Meldungen der Presseagentur APA zeigt jedenfalls, dass dergleichen auch in den vorherigen Monaten vorgekommen ist, aber erst seit dem tödlichen Vorfall vom Juli auch überregional gemeldet wird.

          „Die Presse“ zitierte jetzt einen Fachmann mit naheliegenden Gründen dafür, dass es über die Jahrzehnte zu einer Zunahme von Kuhangriffen gekommen sein könnte: Es habe einerseits der Wandertourismus zugenommen, und es gebe andererseits vermehrt Weidehaltung von Kühen. Die Mutterkuhhaltung sei eine extensive Form der Fleischproduktion, bei der das Kalb bis zum Ende der Aufzucht bei der Mutterkuh in der Herde bleibe. „Es kann sein, dass Tiere dabei eher mehr verwildern. Diese Tiere sind Menschen weniger gewohnt als Milchkühe, die zwei Mal am Tag gemolken werden“, wird Josef Troxler von der Veterinärmedizinischen Universität Wien zitiert.

          Die Landwirtschaftskammer Tirol hat nach dem tödlichen Vorfall im Stubaital eine Broschüre herausgegeben, die Urlaubern Verhaltensregeln an die Hand gibt. „Eine Alm ist kein Streichelzoo“, steht über dem Faltblatt. Weiden seien zu umgehen oder jedenfalls Abstand zu dem Vieh zu halten. Weitere Regeln: Auf keinen Fall streicheln – und ist das Kälbchen noch so süß! Muttertiere könnten das als Angriff ansehen. Vorsicht, wenn die Kühe einen fixieren, den Kopf senken und auf die Störenfriede zugehen. Dann entfernt man sich, ohne zu rennen und ohne ihnen den Rücken zuzukehren. Nicht mit dem Stock fuchteln – aber im äußersten Notfall kann man damit der Kuh auf die Nase schlagen. „Hunde gleichen potentiellen Feinden, insbesondere von Jungtieren.“ Man soll sie daher an die Leine und in die Mitte seiner Gruppe nehmen. Droht ein Angriff, so soll man den Hund laufen lassen. Er wird der Kuh schon entkommen; im günstigsten Fall lenkt er sie ab.

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