https://www.faz.net/-gum-xskp

André Heller : Magnifico gegen die bösen Träume

André Heller wollte eigentlich keine Zirkusshow mehr machen Bild:

Eigentlich wollte André Heller keinen Zirkus mehr machen. Aber jetzt probt er doch wieder - mit Kentauren und anderen Pferden. Die Show soll jahrelang touren, möglichst auch in Amerika oder Asien.

          André Heller war ein Angstkind. Ein Junge, der sich vor dem Dunkel des Schlafs fürchtete, den die Angst plagte, nie mehr aufwachen zu können, für immer in bösen Träumen gefangen zu sein. Als er wieder einmal kein Auge zutat, zeigte ihm seine Großmutter einen alten Stich mit einem Einhorn. „Magnifico wird dich beschützen“, versprach sie dem Knaben und hängte das gehörnte Pferd an der Wand auf.

          Hans Riebsamen

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Magnifico hielt sich ein halbes Jahrhundert lang im wilden Wald der Hellerschen Phantasie verborgen. Nun entspringt das Fabeltier wieder seinem Bewusstsein wie einst Athene dem Kopf des Zeus. Gelandet ist das Einhorn in einer provisorischen Manege in der Niederösterreich-Halle in Tulln an der Donau. Dort probt der Magier aus Wien mit seinem Team seine neue Show. Es geht um Pferde, arabische Hengste, andalusische Stuten, Zentauren, einen geflügelten Pegasus und eben Magnifico, das tröstende Einhorn aus Hellers Kindheit. Nach ihm hat er die Produktion benannt, die am 9. Februar in München ihre Uraufführung erleben soll.

          Hellers scharfer Blick für Kleinigkeiten

          Wie es ihm gehe, wurde Hellers Sohn Ferdinand als Kind einmal gefragt. „Danke, gut, aber ich muss immer recht viel spielen.“ Die Antwort hätte auch vom Vater stammen können. Heller geht es gut, wenn er spielen und dabei Lösungen finden kann. Wie jetzt in der Messehalle in Tulln. Proben sind für ihn denn auch keine Arbeit, sondern ein „Geschenk“. Heller beschenkt sich mit seiner neuen Show selbst. Dabei findet er zu einer inneren Ruhe, wie er sie ein Leben lang immer gesucht hat.

          In der neuen Show zu sehen: eine jodelnde Spinne

          André Heller hat einen scharfen Blick für Kleinigkeiten. Zu früh sei der oberste Artist abgesprungen, moniert er und lässt sich den spektakulären Fall eines Turms aus begnadeten Körpern noch einmal in der Aufzeichnungskamera zeigen. Tatsächlich, der junge Chinese auf der Spitze hat nicht lange genug gewartet und die Harmonie im Bewegungsablauf gestört. „Sehr schön, aber wo sind die leuchtenden Hufeisen?“, fragt er nach dem Auftritt des leuchtenden Pferdes, eines Andalusiers, in dessen zweite Haut Hunderte LED-Lichter eingenäht sind.

          Heller, der einst mit der Gründung von „Roncalli“ und mit Shows wie „Begnadete Körper“ die Zirkuskunst neu erfand, versucht sich mit „Magnifico“ an einem neuen Genre. Marcel Avram, Deutschlands wichtigster Rock-Veranstalter, hatte ihn aufgefordert: „Mach mir eine Pferdeshow!“ Avram ist ein alter Bekannter, der früher die Konzerttourneen Hellers organisierte und später mit ihm Produktionen wie „Flic Flac“ unters Volk brachte. Heller wollte ihn nicht mit einem schnöden Nein abfertigen, sondern wenigstens über die Idee nachdenken.

          Jede Szene soll verwirren

          Das erste, was ihm zu Pferden einfiel, war ein Foto, versteckt unter zahllosen Erinnerungstücken in einer Wandvitrine in seiner Wiener Trutzburg, dem Palais Windisch-Graetz in der Renngasse. Es zeigt einen jungen Offizier hoch zu Ross – das einzige Bild, das den Vater, an dem er sich zeitlebens und zuletzt in seiner autobiographisch gefärbten Erzählung „Wie ich lernte, bei mir selbst Kind zu sein“ abgearbeitet hat, „nicht ganz unsympathisch“ zeigt.

          Nach dieser ersten Erinnerung war Avrams Pferdeshow eigentlich abgesattelt, bevor ein einziges Ross die Bühne betreten hatte. Zum Glück kamen Heller danach weitere Assoziationen: die Großmutter und ihr Einhorn Magnifico; der geflügelte Pegasus, aus dessen Hufschlag die Quelle der Weisheit entsprang; die Seepferdchen, die ihn als Knaben im Tiergarten Schönbrunn faszinierten; der Zentaur, der in seinem Wiener Domizil als Skulptur auf einer Kommode steht. So sagte Heller doch noch Ja zu Avrams Vorschlag.

          Weitere Themen

          „Axel“ sorgt für Dauerregen Video-Seite öffnen

          Deutschland unter Wasser : „Axel“ sorgt für Dauerregen

          70 Liter Regen innerhalb von 24 Stunden und in Hessen und Thüringen mancherorts sogar bis zu 50 Liter in nur sechs Stunden – Tief „Axel“ sorgt für Überschwemmungen. Erst ab Donnerstag sollen sich wieder trockenere Luftmassen von Westen her durchsetzen.

          Drohungen gegen drei Münchner Schulen

          Unterricht fällt aus : Drohungen gegen drei Münchner Schulen

          Noch bevor die Gebäude für die Schüler geöffnet werden, ist die Polizei da: An drei Schulen in München gehen Drohungen ein. Zwei Einsätze sind schnell beendet, an einer Schule sind die Beamten mit Hunden unterwegs.

          Topmeldungen

          Physikästhetik : Das Schöne, Wahre und Schmutzige

          Seit 400 Jahren lassen Physiker sich bei der Suche nach brauchbaren Theorien über die Natur von ästhetischen Erwägungen leiten. Heute wird bezweifelt, ob das grundsätzlich eine gute Idee ist. Zu Unrecht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.