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Andenken : Die andere "Granny" der Prinzen

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Bild mit Seltenheitswert: Frances Shand Kydd und Tochter Diana Bild: PA

Sie war die unbekannte königliche Großmutter des Landes, die andere "Granny" der Prinzen William und Harry neben der Königin. Am vergangenen Donnerstag verstarb Dianas Mutter Frances Shand Kydd im Alter von 68 Jahren.

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          In den späteren Jahren hatte Frances Shand Kydd in Oban einen Andenkenladen betrieben. Oban ist eine Kleinstadt am schottischen Loch Linnhe, in dessen Ausläufern sich die Insel Seil versteckt, auf der Frau Shand Kydd seit 1988 lebte. In diesem Laden hat sich ein Ehepaar beim Mustern der üblichen britischen Devotionalien einmal über die Glanzgestalt der Prinzessin von Wales unterhalten, und die Kundin fragte die Bedienung, was sie von Diana halte. Frau Shand Kydd: "Wissen Sie, für mich ist das ein bißchen schwierig." Kundin: "Völlig recht, meine Liebe. Als Verkäuferin sollten Sie da keine Meinung äußern!"

          So hatte Dianas Mutter das allerdings nicht gemeint. Frances Shand Kydd war die unbekannte königliche Großmutter des Landes, die andere "Granny" der Prinzen William und Harry neben der Königin. Über die Rolle als Mutter kann man geteilter Meinung sein; Diana zum Beispiel war es offenbar. Vier Monate vor ihrem Tod hatten die zwei willensstarken Frauen sich noch einmal zerstritten. Bittbriefe ihrer Mutter ließ Diana ungeöffnet zurückschicken. Es begab sich, daß der Riß bis zum Unglückstag 1997 nicht geheilt werden konnte, und diese Wendung des Schicksals war für die Mutter vielleicht noch schlimmer als die anderen, die sie erlitten oder zugefügt hatte.

          Wischiwaschi-Mutter

          Auf ihre Art hatte Frau Shand Kydd das zwar einmal abgetan: "Wer möchte schon eine Wischiwaschi-Mutter haben!" Doch das Trauma von 1967, als Frances den Mann, die Kinder und das Leben auf dem gräflichen Gutssitz Althorp im Stich ließ und sich einem reichen australischen Tapetenfabrikanten anheimgab, sollte die damals sechseinhalb Jahre alte Diana weit ins Leben hinein begleiten. Das Geräusch von Schritten, die auf Kies knirschten, soll sie auch als Edelfräulein noch bedrückt haben, denn es weckte die Erinnerung an den Abend, an dem sich ihre Mutter davonstahl.

          Das Geheimnis, worüber der Streit mit Diana von 1997 ging, hat die Mutter jetzt mitgenommen. Vielleicht war nur ein Interview mit einer Illustrierten schuld, in dem Frau Shand Kydd die Tochter maßregelte, weil sie dem ganzen Königreich ihre Eheprobleme ausgebreitet hatte. Dabei hätte sie Diana noch einiges erzählen können! Auch die Hochzeit der besseren Tochter Frances Ruth Burke Roche mit dem zwölf Jahre älteren Johnnie Althorp, dem künftigen Graf Spencer, 1954 in der Londoner Westminster Abbey, war eine königliche Angelegenheit gewesen.

          Übertritt zum katholischen Glauben als Trotzreaktion

          Dreizehn Jahre und sechs Kinder später, von denen eins die Geburt nur um Stunden überlebt hatte, traf die Gräfin Spencer bei einem Dinner den Mister Shand Kydd. "Es war nicht Liebe auf den ersten Blick, aber wir brachten einander zum Lachen." Die Ehescheidung war bitter, ihre eigene Mutter stand gegen sie auf, und die Kinder wurden dem Mann zugesprochen. Frances, nun Frau Shand Kydd, folgte ihrem zweiten Mann nach Australien. 1988 verließ er sie für eine jüngere Frau, und Dianas Mutter flüchtete auf die Insel vor der schottischen Küste, auf der sie am Donnerstag im Alter von 68 Jahren gestorben ist.

          Ihre letzte und zusammenfassende Trotzreaktion, der Übertritt zum katholischen Glauben, liegt schon lange zurück. Sieht man ab vom Begräbnis ihrer unglücklichen Tochter, war die Eremitin seither nur zweimal wieder ans Tageslicht getreten. 1996 wurde ihr Name einmal auch in den Städten der Kuriosität wegen genannt, denn sie mußte wegen Trunkenheit am Steuer ein Jahr lang den Führerschein abgeben und stieg aufs Fahrrad. Man sagte damals, sie trinke.

          Im Herbst 2002 hatte man auch die Person noch einmal gesehen, als Frau Shand Kydd im Londoner Verfahren gegen Dianas früheren Butler aussagte. Da war die Gestalt schon von der Krankheit gezeichnet. Ein fast possierliches Unglück überschattete selbst diesen Auftritt; während ihrer Abwesenheit brachen Diebe, die offenbar die Zeitung gelesen hatten, in ihr Häuschen auf der Insel ein. In den letzten Jahren auf Seil hatte sie manchmal auch jener Peter Shand Kydd besucht, mittlerweise selbst zum drittenmal geschieden, der sie einmal zum Lachen gebracht hatte.

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