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Vereinigte Staaten : Mit dem Ananas-Express gegen die Dürre

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Der Rekorddürre im amerikanischen Bundesstaat Kalifornien naht nun ein Ende: Der sogenannte Ananas-Express bringt Feuchtigkeit an die Westküste. Bild: dpa

Ein seltenes Wetterphänomen, der atmosphärische Fluss, bringt Kalifornien wuchtige Niederschläge.

          Für die meisten Kalifornier ist der starke Regen, der dieser Tage auf große Teile ihres Bundesstaates niederprasselt, im wahrsten Sinne des Wortes ein Geschenk des Himmels. Nach fast fünf Jahren anhaltender Dürre, in der Gouverneur Jerry Brown per Dekret eine umfassende Wasserrationierung verordnete, sind die wuchtigen Niederschläge der vergangenen Wochen endlich ein Lichtblick.

          Vor allem der Schnee, der jetzt in großen Mengen auf die Sierra Nevada fiel, den mächtigen Gebirgszug im Osten des Staates, dürfte nach seiner Schmelze im Frühjahr und Sommer den akuten Wassermangel in Kalifornien verringern. Besonders ist auch der Ursprung der gegenwärtigen Regenwalze an der amerikanischen Westküste: Der Niederschlag stammt aus dem subtropischen Pazifik auf der Höhe der Hawaii-Inseln.

          Die gegenwärtige Dürreperiode begann vor fünf Jahre mit einem niederschlagsarmen Winter. Im Jahre 2013 fielen über ganz Kalifornien gemittelt nur 34 Prozent des durchschnittlichen Niederschlags. Im Winter 2014/15 betrug die Schneemenge in der Sierra Nevada nur fünf Prozent des langjährigen Durchschnitts. Aus der Analyse von Baumringen kalifornischer Eichen schlossen amerikanische Forscher im vergangenen Jahr, dass es zu keiner Zeit seit Kolumbus Amerika entdeckte an der Pazifikküste so trocken war wie jetzt.

          Rationierung des Wassers verordnet

          Die Lage wurde schließlich so prekär, dass Gouverneur Brown im vergangenen Jahr den Notstand ausrief und dem Bundesstaat eine Rationierung des Wassers verordnete. Durch die Bank mussten alle Kalifornier in Haushalten, Industrie und in der Landwirtschaft ihren Wasserverbrauch um ein Viertel einschränken. Das traf die Bauern in dem von der künstlich bewässerten Landwirtschaft geprägten Zentraltal besonders hart.

          Gouverneur Jerry Brown verordnete dem Bundesstaat im vergangenen Jahr eine Rationierung des Wassers.

          Eine der Ursachen für die Rekorddürre ist ein parallel zur kalifornischen Küste verlaufender Hochdruckrücken, der sich in den vergangenen Jahren besonders stur verhielt. In den Sommermonaten bewirkt dieser Rücken, dass die vom Pazifik herangewehten Tiefdruckgebiete nach Norden abgelenkt werden und sich über den Bundesstaaten Oregon und Washington abregnen. Das bringt Kalifornien seine angenehm trockenen Sommer. Allerdings bricht dieser Rücken im Winter normalerweise zusammen und öffnet somit das Regentor zum Pazifik. Zu diesem Kollaps kam es aber in den vergangenen Wintern so gut wie nie, und der extrem geringe Niederschlag war die Folge.

          Westwinde bringen Feuchtigkeit nach Kalifornien

          In diesem Winter hat aber der starke El Niño dem Hockdruckrücken den Garaus gemacht, und die Westwinde bringen nun seit Wochen ungehindert Feuchtigkeit nach Kalifornien. Dennoch sind die 46 großen, vom Bundesstaat kontrollierten Stauseen immer noch nur zu knapp zwei Drittel voll. Allerdings fielen am vergangenen Wochenende allein im Großraum San Francisco mehr als 25 Zentimeter Niederschlag und die Talsperren sammelten insgesamt fast 1,5 Billionen Liter Wasser – genug, um sechs Millionen Einwohner jeweils ein Jahr lang mit Wasser zu versorgen.

          Der Grund für die Niederschläge der vergangenen Tage ist ein recht seltenes Wetterphänomen über dem östlichen Pazifik. Gelegentlich verdunstet über dem subtropischen Teil des Stillen Ozeans derart viel Wasser, dass es sich nicht in Tiefdruckgebieten sammelt und mit ihnen in Richtung amerikanisches Festland gelangt. Vielmehr bildet sich in der Atmosphäre ein vom Westwind getriebenes schmales, aber sehr langes Band hoher Luftfeuchtigkeit, das direkt von dem Meeresgebiet westlich von Hawaii bis nach Kalifornien reicht.

          Auf einer Länge von mehr als 4000 Kilometer trägt dieser von Meteorologen als „atmosphärischer Fluss“ bezeichnete Luftstrom mehr Wasser als der Amazonas. Seit im Dezember 2010 ein solcher aus der Nähe von Hawaii stammender Fluss innerhalb weniger Tage mehr als 70 Zentimeter Regen in San Francisco und mehr als fünf Meter Schnee in der Sierra Nevada brachte, haben die Wetterphänomene ihren eigenen Spitznamen: Weil es auf Hawaii so viele Ananas-Plantagen gibt, heißen die atmosphärische Flüsse, die Niederschläge zur Westküste tragen, nur noch „Pineapple Express“. Nach den jüngsten Wetterprognosen soll der gegenwärtige Ananas-Express noch bis zum Anfang nächster Woche fahren und noch mehr Niederschlag in das von der Dürre geplagte Kalifornien bringen.

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