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Chronologie : Der Amoklauf von Winnenden und die Tage danach

  • Aktualisiert am

Am 11. März 2009 tötet der 17 Jahre alte Tim K. in Winnenden und Wendlingen in Baden-Württemberg 15 Menschen und sich selbst. In den darauffolgenden Tagen, während die Angehörigen und Betroffenen noch unter Schock stehen, wird nach Gründen für die Tat gesucht. Eine Chronologie.

          3 Min.

          11. März 2009

          9.30 Uhr: Der 17-jährige Tim K. dringt in Winnenden (Rems-Murr- Kreis) in die Albertville-Realschule ein und erschießt während des Unterrichts acht Schülerinnen und einen Schüler im Alter von 14 bis 15 Jahren sowie drei Lehrerinnen.
          9.33 Uhr: Ein Notruf eines Schülers aus der Realschule geht bei der Polizei ein.
          9.35 Uhr: Eine Streife mit drei Beamten trifft am Tatort ein und verhindert damit ein noch größeres Blutbad. Der Täter flüchtet, nachdem er einen Schuss auf die Beamten abgegeben hat.
          9.43 Uhr: Zwei Interventionsteams der Polizei dringen in das Gebäude ein und finden die zwölf Leichen. Auf dem Weg in die Innenstadt erschießt der Amokläufer einen Mann, der im Zentrum für Psychiatrie gearbeitet hat.
          Gegen 9.45 Uhr: Der Täter ist in die Innenstadt von Winnenden unterwegs. Er kidnappt auf dem Parkplatz der Psychiatrie den 41- jährigen Fahrer eines VW Sharan und zwingt ihn mit der Waffe zur Fahrt durch Stuttgart auf die Autobahn A81 in Richtung Süden. Wegen eines Staus lässt der Täter die Richtung in das 40 Kilometer vom Tatort entfernte Wendlingen (Kreis Esslingen) ändern.
          Kurz vor 12.00 Uhr: An einer Kontrollstelle der Polizei beim Autobahnkreuz Wendlingen bremst der Fahrer und fährt auf eine Böschung zu, um sich kurz darauf aus dem rollenden Wagen zu retten und die Beamten zu alarmieren. Der Täter flüchtet zu Fuß zum Industriegebiet in Wendlingen.
          12.01 Uhr: Der Täter betritt ein VW-Autohaus in Wendlingen, fordert einen Wagen und erschießt einen Kunden (46) sowie einen Verkäufer (36) während des Verkaufsgesprächs, als seine Forderungen nicht sofort erfüllt werden.
          12.05 Uhr: Als der Amokläufer aus dem Autohaus kommt, eröffnet die Polizei das Feuer und verletzt den jungen Mann am Bein, der sich dann auf einem Parkplatz versteckt. Bei dem Schusswechsel werden zwei Beamte schwer verletzt.
          12.30 Uhr: Die Beamten finden den Täter zwischen einer Wand und einem parkenden Fahrzeug tot auf dem Rücken liegend. Er hat sich selbst gerichtet.
          18.45 Uhr: In Winnenden werden die toten Schüler und Lehrer aus der Schule in Leichenwagen abtransportiert.
          19.00 Uhr: Zum ökumenischen Trauergottesdienst für die Opfer in der katholischen Kirche St. Karl Borromäus in Winnenden erscheinen hunderte Besucher.









          12. März 2009:

          - Es wird bekannt, dass die Eltern von Tim K. ihren Wohnort Leutenbach bereits am Mittwoch zunächst verlassen haben.
          - Landesinnenminister Heribert Rech (CDU) gibt vorschnell bekannt, dass der Todesschütze seine Tat im Internet angekündigt hat. Tim K. habe unter Depressionen gelitten und sich behandeln lassen, die Therapie aber nicht fortgesetzt.
          - Die Betreiber der Seite www.krautchan.net, wo Tim K. seine Amokdrohung platziert haben soll, teilen mit, der angebliche Foren-Eintrag sei manipuliert und gefälscht gewesen.
          - Auch die Waiblinger Polizei teilt später Zweifel an der Echtheit des Eintrags in dem Internetchatroom mit. Es gebe keinen Beweis, dass Tim K. diesen Eintrag selbst verfasst habe. Innenminister Rech räumt in der „Süddeutschen Zeitung“ ein: „Irgendein Verrückter hat wohl eine schlimme Falschmeldung in die Welt gesetzt.“


          13. MÄRZ 2009:

          - Innenminister Rech weist Kritik an der Ermittlungspanne zurück. Die Polizei rätselt über das Motiv des Amokläufers.
          - Trittbrettfahrer halten die Polizei in Atem. Nachahmungstäter werden festgenommen. Landesjustizminister Ulrich Goll (FDP) fordert härtere Strafen für sie.

          14. März 2009:

          - Unter großer öffentlicher Anteilnahme wird in Winnenden das erste Opfer des Amokläufers beigesetzt.
          - Der Amokläufer war nach Auskunft seiner Eltern nie in psychotherapeutischer Behandlung. Die Ermittler widersprechen dem.
          - Polizei und Staatsanwaltschaft berichten, sie hätten neben Killerspielen auch eine Menge Pornobilder von nackten und gefesselten Frauen auf dem PC des Todesschützen gefunden.
          - Die Eltern von Tim K. erwägen strafrechtliche Schritte gegen den Leiter des Klinikums Weissenhof in Weinsberg, Matthias Michel. Mit seinen Aussagen über die Behandlung des 17-Jährigen wegen psychischer Probleme habe er seine Schweigepflicht gebrochen.


          15. März 2009:

          - Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) macht sich für bessere Kontrollen von Waffenbesitzern stark. Politiker von SPD und Grünen fordern eine Verschärfung des Waffenrechts.

          16. März 2009:

          - Die Staatsanwaltschaft Stuttgart leitet gegen den Vater des Amokläufers ein Ermittlungsverfahren wegen fahrlässiger Tötung in 15 Fällen ein. Der Junge hatte für die Tat Waffe und Munition des Vaters benutzt.

          17. März 2009:

          - Winnenden bereitet sich auf einen Massenansturm bei der zentralen Trauerfeier am Samstag (21. März) vor. Bürgermeister Norbert Sailer rechnet mit bis zu 30 000 Gästen.
          - Ermittler sehen einen deutlichen Zusammenhang zwischen den Killerspielen von Tim K. und dem Blutbad.
          - Der Amokläufer hat sich mit einem Kopfschuss selbst gerichtet, sagt die Staatsanwaltschaft Stuttgart. Demnach schoss sich Tim K. am Ende seiner Flucht in die Stirn.
          - Die Familie des Amokläufers Tim K. spricht in einem offenen Brief erstmals den Opfern des 17-Jährigen ihr Mitgefühl aus.


          18. März 2009:

          - Eine Woche nach dem Amoklauf gedenkt Baden-Württemberg um 10.00 Uhr mit einer Schweigeminute der 15 Opfer. Der Bundestag befasst sich mit den Folgen des Massakers.
          - Laut Innenminister Rech sind von 82 Amokdrohungen 61 geklärt.

          19. März 2009:

          - Nach dem Amoklauf geben immer mehr Bürger im betroffenen Rems-Murr- Kreis ihre Waffen freiwillig ab.

          21. März 2009:

          - Die Familien von fünf beim Amoklauf getöteten Schülern wenden sich in einem offenen Brief an die Politik und fordern Konsequenzen aus der Tat.
          - Tausende Menschen gedenken in Winnenden bei der zentralen Trauerfeier des Landes Baden-Württemberg der Opfer des Amoklaufs.

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