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Amoklauf bei Paris : Massaker in Nanterre bleibt rätselhaft

  • Aktualisiert am

Geschockt: Bürgermeisterin Jacqueline Fraysse Kasalys mit Premierminister Lionel Jospin Bild: AP

Das Motiv des Amokläufers von Nanterre, der acht Menschen getötet und 19 weitere verletzt hat, bleibt weiterhin ein Rätsel.

          Auch nach weiteren Untersuchungen ist das Motiv des Amokläufers von Nanterre unklar. Der 33-Jährige hatte nach einer Stadtratssitzung acht Stadtverordnete erschossen und 19 Menschen zum Teil lebensgefährlich verletzt.

          Erst als er eine Waffe zum zweiten Mal nachladen wollte, konnte der Schütze überwältigt werden. „Sonst wären wir alle tot“, sagte die Bürgermeisterin von Nanterre, Jacqueline Fraysse. Der Täter hätte nach der Sitzung ohne erkennbares Motiv begonnen, „schweigend zu töten“. Ein weiterer Augenzeuge, der das Massaker ebenfalls unverletzt überstand, berichtete, der Täter sei „methodisch vorgegangen, das hörte gar nicht auf.“

          Tätermotiv völlig unklar - politische Motive?

          Den Namen des arbeitslosen Mannes gab die Polizei des westlichen Pariser Vorortes mit Roland Durne an. Erste Ermittlungen ergaben, dass er Sportschütze war und seine Waffen legal besaß. Polizeilich sei er bisher nicht in Erscheinung getreten, allerdings habe er sich in psychologischer Betreuung befunden. Er hatte kurz vor 1.15 Uhr mit zwei automatischen Handfeuerwaffen etwa 40 bis 50 Schüsse auf die Stadträte abgegeben, die ihre Sitzung gerade beendet hatten. Premierminister Lionel Jospin, der ebenso wie Präsident Jacques Chirac nach Nanterre geeilt war, sprach von einem „Akt des Wahnsinns“. Auf Fragen der Polizei habe der Täter „völlig zusammenhanglos“ reagiert.

          Warum der Mann den blutigen Anschlag verübte, ist völlig unklar. Nach Angaben von Laurent Vibert, ein Sprecher der Rettungskräfte, war der Täter in der Lokalpolitik der 90.000-Einwohner-Gemeinde aktiv. Er soll vor allem bei den Grünen tätig, aber kein Parteimitglied gewesen sein. Ein Grünen-Sprecher sagte, der Mann habe mit „linken und ökologischen Anliegen sympathisiert“ und sei der Meinung gewesen, dass es im Stadtrat von Nanterre ein „Demokratie-Problem“ gebe.

          Notstandsalarm ausgelöst

          Jacqueline Fraysse berichtete, dass sich der Mann, nachdem sie die Ratssitzung beendet hatte, von seinem Platz im Zuschauerbereich erhob und das Feuer eröffnete. Zunächst habe er einige Schüsse in den Raum abgegeben und sei dann in den Sitzungsbereich gegangen. „Er sagte nichts“, berichtete die Bürgermeisterin, und: „Es dauerte lange, mehrere Minuten.“

          Die Präfektur des zuständigen Départements Hauts-de-Seine löste den Alarm für höchsten Notstand aus. Im Einsatz waren etwa 200 Feuerwehrleute. 20 Krankenwagen brachten die Verletzten in die Hospitäler. Zeugen der Bluttat werden psychologisch betreut. Bei den Waffen handelt es sich um zwei Neun-Millimeter-Pistolen des österreichischen Herstellers Glock und eine Smith and Wesson.

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