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Amoklauf bei „Batman“-Premiere : „Er kam über die Treppe und schoss sofort um sich“

  • Aktualisiert am

Holmes trug diese Gasmaske, als er auf die Besucher schoss Bild: dapd

Die amerikanische Polizei hat bei der Durchsuchung der Wohnung des mutmaßlichen Täters Sprengstofffallen gefunden. Der Mann hatte bei einer „Batman“-Premiere in einem Kino in Denver zuvor mindestens zwölf Personen getötet und zahlreiche verletzt.

          Ein schwer bewaffneter Amokläufer hat bei einer nächtlichen Batman-Filmpremiere in einem Kino bei Denver 12 Menschen erschossen und 59 verletzt. James Holmes trug kugelsichere schwarze Kleidung, Handschuhe und eine Gasmaske wie der Bösewicht Bane in dem Actionfilm „The Dark Knight Rises“. Die Menschen versuchten in Panik, aus dem Kino herauszukommen. Über das Motiv des 24 Jahre alten Schützen, der nach dem Blutbad in der Stadt Aurora festgenommen wurde, herrschte Rätselraten. Der amerikanische Präsident Barack Obama äußerte Entsetzen. Das Verbrechen löst abermals eine Debatte über die Waffengesetze in den Vereinigten Staaten aus.

          Der junge Mann hatte den Kinosaal im amerikanischen Bundesstaat Colerado kurz nach Filmbeginn betreten und wild um sich geschossen, wie Augenzeugen erzählten. Zuvor habe er Tränengas in den Saal gesprüht. Unter den Zuschauern herrschte Chaos. Die Polizei schloss Terrorismus als Motiv aus und geht davon aus, dass der Täter allein handelte.

          Bei der Festnahme auf einem Parkplatz hinter dem Kinokomplex habe er vier Schusswaffen bei sich getragen. Der Mann habe keinen Widerstand geleistet. Es wurde zunächst das Auto des Täters auf Sprengstoff untersucht.

          James Holmes hatte bisher kein kriminelles Strafregister. Er fiel nur einmal als Verkehrssünder auf und erhielt ein Strafmandat, wie der örtliche Polizeichef Dan Oates sagte. Die Sprengfallen, die der Täter vor dem Blutbad in seiner Wohnung legte, beschrieb Oates als etwas, „was wir noch nie gesehen haben“. Sie setzten sich aus entzündlichen und chemischen Substanzen zusammen, „und es gibt eine Menge Drähte“. Wie es weiter hieß, soll Holmes am kommenden Montag erstmals vor einem Richter erscheinen.

          Viele der zumeist jungen Premierengäste dachten zunächst, die Schüsse gehörten zum Film Bilderstrecke

          New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg rief Obama und dessen republikanischen Herausforderer bei der Präsidentenwahl, Mitt Romney, dazu auf, für eine Verschärfung der Waffengesetze zu sorgen. Bloomberg ordnete nach CNN-Angaben zudem Sicherheitsvorkehrungen bei Batman-Vorführungen in seiner Stadt an. Das Filmteam selbst sagte geplante Werbeauftritte in Paris ab.

          Videoaufnahmen von Zuschauern zeigten schreckliche Szenen: Menschen schrien und drängten zu den Ausgängen, einige waren blutüberströmt. Nach Angaben von Augenzeugen trat der Täter etwa eine Viertelstunde nach Beginn des Films durch einen Notausgang in den Kinosaal Nummer 9.

          „Der Typ kam über die Treppe und schoss sofort um sich“, berichtete ein junger Mann CNN. Einige Kugeln durchschlugen die Wand zum Kinosaal nebenan. Viele der zumeist jungen Premierengäste dachten zunächst, die Schüsse gehörten zum Film. „Ich habe zunächst überhaupt nicht begriffen, was los ist.“

          Viele der Verletzten hatten Schusswunden, einige erlitten Rauchvergiftungen, wie KUSA berichtete. Unter den Verletzten seien mehrere Kinder. Auch ein drei Monate altes Baby wurde in einem Krankenhaus behandelt, hieß es weiter. Der lokale Polizeichef Dan Oates schilderte, zehn der Opfer seien im Kino gestorben, die zwei weiteren im Krankenhaus.

          Einem Bericht des Senders NBC zufolge soll Holmes in Aurora Neurowissenschaften studiert haben. Er sei aber dabei gewesen, sein Studium aufzugeben.

          Obama legte bei seinem Auftritt in Florida zusammen mit seinen Zuhörern eine Schweigeminute ein. Er sprach von einer herzzerreißenden Tragödie und einem „sinnlosen Akt der Gewalt“. Die Opfer hätten Träume gehabt, „die jetzt nicht mehr erfüllt werden können“. Er ordnete an, die Flaggen an allen Bundesgebäuden auf halbmast zu setzen.

          Zuvor hatte Obama in einer schriftlichen Erklärung versichert, seine Regierung werde alles tun, um den Opfern und den Betroffenen zu helfen. Der Täter werde zur Rechenschaft gezogen. Obama brach seine Wahlkampftour in Florida ab, um nach Washington zurückzukehren. Auch Romney äußerte in einer Erklärung Entsetzen und Anteilnahme.

          Superhelden-Epos: „The Dark Knight Rises“

          Im neuen Batman-Film „The Dark Knight Rises“ ist der Bösewicht ein anarchischer Maskenmann. In dem 160 Minuten langen Film, der an diesem Freitag in Amerika anlief und in Deutschland am kommenden Donnerstag (26. Juli) in die Kinos kommt, trifft der dunkle Fledermaus-Mann Batman (zum dritten Mal gespielt von Christian Bale) auf einen maskierten Gegenspieler namens Bane (Tom Hardy).

          Bane kontrolliert die Unterwelt von Gotham City. Seine Emotionen versteckt der Bösewicht hinter einer maulkorbartigen Maske. Mit einem Fusionsreaktor als Bombe droht er, Gotham in Schutt und Asche zu legen. „The Dark Knight Rises“ ist der dritte Batman-Film des Regisseurs Christopher Nolan und insgesamt seit 1989 der siebte in der Reihe der Batman-Verfilmungen.

          Da der Vorgänger-Film „The Dark Knight“ (2008) mit der legendären Performance des früh gestorbenen Heath Ledger als Joker zu den erfolgreichsten Werken der Filmgeschichte zählt, gab es um den Start des neuen „Dark Knight“-Films einen großen Hype. In vielen amerikanischen Kinos wurden für das düstere Superhelden-Epos Previews bereits um Mitternacht angesetzt. Es gab lange Schlangen vor den Kinos und zum Teil hohe Ticket-Preise. (dpa)

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