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Waffe in Handyform : Statt Anruf Schuss

  • -Aktualisiert am

Meister der Tarnung: Was aussieht wie eine Buchse für Kopfhörer, ist in Wahrheit der Lauf einer Pistole. Bild: dpa

Ein amerikanisches Unternehmen hat eine Waffe entwickelt, die aussieht wie ein Smartphone. Die Mini-Pistole hat aber nicht nur beim Gebrauch, sondern auch rechtlich ihre Tücken.

          Eine Pistole in Smartphone-Optik? Zumindest laut Hersteller Ideal Conceal, übersetzt etwa „Ideales Verstecken“, in den Vereinigten Staaten schon vor dem Verkauf der ersten Waffe ein potentieller Bestseller.

          Wie Unternehmenschef Kirk Kjellberg auf seiner Website wissen lässt, erreichten die Firma im ländlichen Minnesota bereits einige Tausend Anfragen, seit sie die Handfeuerwaffe in der vergangenen Woche ankündigte. „Man sieht Smartphones heute überall. Die neue Pistole fällt daher gar nicht auf. So lange der Griff nicht aufgeklappt ist, kann man sie nicht erkennen“, preist Kjellberg das Design an.

          „Egal ob Hausfrau oder Manager“

          Das Drücken eines Sicherheitsknopfs genüge, um die etwa zehn mal fünfzehn Zentimeter große Handy-Attrappe in eine funktionstüchtige Pistole zu verwandeln. „Egal ob Hausfrau oder Manager – diese Waffe gibt jedem die Möglichkeit, kein Opfer zu werden“, wirbt der Hersteller Ideal Conceal. Das Modell soll von Herbst an für etwa 400 Dollar in Amerika verkauft werden.

          Nicht nur handlich, sondern auch preiswert: Für 346 Euro wird man zum Besitzer der Waffe.

          Waffengegner wie der New Yorker Senator Chuck Schumer, der mit der kalifornischen Senatorin Dianne Feinstein schon in den neunziger Jahren ein Gesetz für das Verbot von Sturmgewehren erstritt, fürchtet dagegen um Amerikas Sicherheit. „Warum sollten wir es Verbrechern oder Terroristen wie denen, die Paris und Brüssel angegriffen haben, auch noch erleichtern?“, fragte der Demokrat. „Was ist das Nächste? Eine Waffe, die aussieht wie ein Schokoriegel?“ Schumer warnte, die Pistole in Smartphone-Optik könne Polizeibeamte bei der Überprüfung Verdächtiger verwirren. Der Senator verwies auf Zwischenfälle, bei denen Beamte Mobiltelefone mit Waffen verwechselten.

          Kriminelle mögen versteckte Waffen

          Die meisten Bundesstaaten würden zudem getarnte Waffen in Form von Kugelschreibern und Brieftaschen verbieten. Schumer forderte nun das amerikanische Justizministerium sowie die Sicherheitsbehörde für Alkohol, Tabak, Schusswaffen und Sprengstoff (ATF) auf, die „Ideal Conceal Pistol“ zu überprüfen. Auch der Jurist Adam Winkler warnte vor der Smartphone-Waffe. Der Wissenschaftler, der an der University of California in Los Angeles (UCLA) Verfassungsrecht lehrt, nannte Kriminelle als mögliche Kunden.

          Da eine Handfeuerwaffe in der Art der „Ideal Conceal“ meist weniger zuverlässig sei als gängigere Modelle, wäre sie für die meisten Käufer eher uninteressant. „Kriminelle legen dagegen mehr Wert auf eine gut versteckte Waffe als auf eine zuverlässige“, sagte Winkler dem „Guardian“.

          Unternehmenschef Kjellberg versucht derweil, die Wogen zu glätten. Da die Waffe im Handy-Look aus Metallteilen bestehe, könne sie nicht durch die Sicherheitsschleusen an Flughäfen und öffentlichen Gebäuden geschmuggelt werden. Auch das Ministerium für Innere Sicherheit sei bereits eingeschaltet: „Wir führen Gespräche, wie die Sicherheitsbeamten die Waffe am besten erkennen können.“

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