https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/amerika-verhandelt-mit-verbuendeten-eine-preisobergrenze-fuer-erdoel-18116761.html

Druck auf Russland : Amerika verhandelt mit Verbündeten eine Preisobergrenze für Erdöl

  • Aktualisiert am

Finanzministerin in den USA: Janet Yellen Bild: AP

Der hohe Ölpreis treibt die Inflation rund um die Welt und sichert Russland wichtige Einnahmen. Die amerikanische Finanzministerin will den Preis nun einfrieren.

          2 Min.

          Die Vereinigten Staaten und mit ihnen verbündete Länder verhandeln nach Angaben der amerikanischen Finanzministerin Janet Yellen über eine Preisobergrenze für Erdöl, um die wirtschaftlichen Folgen des Ukrainekriegs einzudämmen und Russlands Einnahmen aus Öl-Exporten zu senken. Die Partner verhandelten darüber, wie sie „negative Auswirkungen auf die Weltwirtschaft verhindern“ könnten, sagte Yellen am Montag während eines Besuchs in Kanada. Dänemark gab indes aus Sorge um seine Gasvorräte eine Frühwarnung heraus.

          Yellen nannte in Kanada „Preisobergrenzen“ oder eine „Preisausnahme“ als mögliche Optionen. Beide hätten ihr zufolge mehrere Auswirkungen: Sie würden westliche Sanktionen auf russische Energieträger „verstärken“, den Preis für russisches Öl nach unten drücken und somit die Einnahmen für die russische Regierung senken – während sie es gleichzeitig ermöglichten, dass mehr Öl auf den internationalen Markt gelange. Eine Preisobergrenze würde laut Yellen zudem „Nebeneffekte auf einkommensschwache Länder und Entwicklungsländer“ verhindern, die derzeit mit den hohen Preisen für Nahrungsmittel und Energie zu kämpfen hätten.

          Yellen gab die Verhandlungen bei einem Besuch bei ihrer kanadischen Amtskollegin und Vize-Regierungschefin Chrystia Freeland bekannt. Bei dem Treffen ging es unter anderem um Strategien im Umgang mit den Auswirkungen des Ukrainekriegs, der hohen Inflation und Problemen in den globalen Lieferketten.

          Russland verkauft mehr Öl an China

          Die Regierung in Dänemark rief derweil aus Sorge um die Gasversorgung unterdessen die Frühwarnstufe im Gas-Notfallplan aus. „Die Situation ist ernst, sie wurde durch gedrosselte Lieferungen weiter verschärft“, erklärte der Leiter der dänischen Energie-Agentur Martin Hansen laut einer Mitteilung. Derzeit seien die dänischen Gasspeicher zu 75 Prozent gefüllt, es sei zuletzt weiteres Gas hinzugefügt worden. Ende Mai hatte Gasprom den Lieferstopp an das dänische Unternehmen Orsted bekanntgegeben.

          In dem Gas-Notfallplan, der auf einer EU-Verordnung aus dem Jahr 2017 beruht, folgen die Alarmstufe und die Notfallstufe. Der Plan ermöglicht die gegenseitige Unterstützung der EU-Staaten bei Gaslieferungen, kann aber auch die Rationierung von Gas begründen. Deutschland hatte schon Ende März die Gas-Frühwarnstufe ausgerufen. Am vergangenen Freitag hatte die Bundesnetzagentur die Lage in ihrem Lagebericht als „angespannt“ eingestuft, nachdem der russische Gasprom-Konzern seine Gaslieferungen nach Deutschland mehrfach gedrosselt hatte.

          Russland wiederum verkauft infolge der westlichen Sanktionen inzwischen deutlich mehr Öl nach China und Kohle nach Indien. Im Mai stieg Moskau sogar zum größten Öllieferanten der Volksrepublik auf, wie die Zollbehörde in Peking zu Wochenbeginn mitteilte. Russland exportierte beinahe zwei Millionen Barrel pro Tag (bpd), das waren etwa 55 Prozent mehr als vor Jahresfrist sowie etwa ein Viertel mehr als im April.

          Damit verdrängte Russland nach 19 Monaten wieder Saudi-Arabien von Rang eins der größten Öllieferanten Chinas. Chinesische Unternehmen wie der Raffinerie-Riese Sinopec profitierten dabei von kräftigen Preisnachlässen, nachdem sich westliche Ölunternehmen und Handelshäuser aufgrund der Sanktionen wegen des Ukrainekriegs vom russischen Markt zurückgezogen hatten.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Satellitenbilder zeigen die Zerstörung nach einem Angriff auf den russischen Militärstützpunkt Saki auf der Krim

          Nach Explosionen auf der Krim : Moskaus Angst vor den Ukrainern

          Die russischen Flugzeuge könnten nach dem Angriff auf der Krim zurückgezogen werden. Kiew äußert sich zurückhaltend. Ist das ein Mittel der Kriegspsychologie?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.