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Amerika : Rock für Rassisten

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Hitler als Smiley Bild: Archiv

Ein bizarres Projekt: Sie sind blond, blutjung - und können singen. Die Zwillinge Lamb und Lynx Gaede begeistern mit ihrem rechtsextremen Liedgut vor allem Neonazis in Amerika. „Prussian Blue“ gehören dort zu den prominentesten Botschaftern des Rassenhasses.

          Sie haben ihre blonden Haare zu Pferdeschwänzen gebunden, reißen ihre blauen Augen weit auf und sehen dabei mit ihrem Zahnspangenlächeln und den kurzen Röckchen ziemlich niedlich aus. Und hinge nicht die Fahne mit der Lebensrune hinter ihnen, könnte man sich die Zwillinge ohne weiteres als Stars in jedem Kinderprogramm vorstellen. In Wahrheit aber sind Lamb und Lynx Gaede die neuen Ikonen der amerikanischen Nazi-Rockszene.

          Einer ihrer bisher größten Hits ist ein Loblied auf Rudolf Heß: „Ein Mann des Friedens, der niemals aufgab“, trällern die beiden Dreizehnjährigen fröhlich daher, unterbrochen wird die Darbietung nur von ihren eigenen Zwischenrufen: „Strike Force! White Survival!“ Bei Konzerten vor Hunderten Zuschauern brüllen ihnen einige der Männer im Publikum immer wieder „Sieg Heil!“ entgegen, und nach Ende der Vorstellung schlägt den Mädchen donnernder Applaus entgegen.

          Gerade weil sie eben nicht dem Klischee stiernackiger, tätowierter Glatzköpfe entsprechen, gehören „Prussian Blue“ in den Vereinigten Staaten zu den derzeit prominentesten Botschaftern des Rassenhasses, wobei ihre ehrgeizige Mutter April Gaede als eigentlicher Motor hinter dem bizarren Projekt steht. Seit die bekennende Rassistin vor vier Jahren der rechtsradikalen „National Alliance“ beigetreten ist, läßt sie gemeinsam mit dieser Organisation nichts unversucht, um aus ihren Töchtern rassistische Pop-Sternchen zu machen.

          „Wir schämen uns nicht für unsere Lieder”

          April Gaede ist selbst die Tochter eines im kalifornischen Fresno stadtbekannten Neonazis, der als Hufschmied und Viehzüchter seinen Pickup-Truck mit Nazi-Emblemen dekoriert hat und als Brandzeichen für seine Tiere ein Hakenkreuz registrieren ließ. Im Alter von zwanzig Jahren brach April Gaede ihr Studium ab und heiratete nach eigenen Angaben einen „haschrauchenden isländischen Stabhochspringer“.

          Plattenvertrag über rechtsextreme „National Alliance“

          1993 brachte sie die Zwillinge Lamb und Lynx (was auf deutsch Lamm und Luchs heißt) zur Welt, aber obwohl ihr Ehemann „gute Gene für arischen Nachwuchs lieferte“, wie April Gaede treuherzig bekundet, ließ sie sich drei Jahre später von ihm scheiden. Später klagte sie in einem Interview über „die vielen verlorenen Jahre, in denen ich vier bis sechs Kinder hätte produzieren können, die die gleichen idealen eugenischen Qualitäten haben wie Lamb und Lynx“.

          Nach einer kurzen Karriere als Pferdetrainerin verlagerte April Gaede ihren Wohnsitz ins kalifornische Bakersfield, um fortan „meine Energie in meine Kinder zu stecken“, wie sie sagte. Als erstes verschaffte sie den Zwillingen einen Auftritt vor dem Patriarchen der rechtsextremen „National Alliance“, William Pierce. Der war offenbar begeistert von dem Ständchen und vermittelte die Kinder an das organisationseigene Plattenlabel „Resistance Records“.

          Unterstützung des „Ku Klux Klan“

          Dessen Manager und Pierce-Intimus Erich Gliebe sieht den soften Folk von „Prussian Blue“ als ideale Ergänzung zur ansonsten eher härteren Kost seines Hauses und hofft, endlich auch eine junge und möglichst weibliche Zielgruppe zu erreichen. Eine erste CD erschien Ende 2004 unter dem Titel „Fragments of the Future“, offizielle Verkaufszahlen gibt die Plattenfirma bisher nicht bekannt. Allerdings verkaufe sich das Machwerk „wie heiße Cookies“, heißt es bei den Produzenten.

          Nicht nur das Plattenstudio promotet die Mädchen, inzwischen ist auch der erzrassistische „Ku Klux Klan“ auf „Prussian Blue“ aufmerksam geworden und schaltet deren Werbebanner auf seiner Internetseite. Dessen ehemaliger Vorsitzender David Duke hatte schon während diverser politischer Kundgebungen auf die musikalische Unterstützung von „Prussian Blue“ gesetzt.

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