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Alpen : Kein Beweis für frühe Zugspitz-Erstbesteigung

  • Aktualisiert am

Gipfel der Zugspitze: War Naus doch Erster? Bild: dpa

Als „alpinhistorische Sensation“ hatte der Deutsche Alpenverein den Fund einer historischen Karte angekündigt. Sie beweise, daß die Erstbesteigung der Zugspitze fünfzig Jahre früher war. Bei der Präsentation des Materials zeigte sich vor allem eines: Zweifel.

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          Das Rätsel um die Erstbesteigung der Zugspitze bleibt ungelöst. Eine wiederentdeckte historische Karte zeigt nach Angaben des Deutschen Alpenvereins (DAV), daß wahrscheinlich schon vor 1750 ein Mensch auf dem Gipfel von Deutschlands höchstem Berg stand. Bisher ging man davon aus, daß Leutnant Josef Naus 1820 als erster den 2962 Meter hohen Gipfel bezwang. Bei der Präsentation der handgezeichneten Karte räumte DAV-Expertin Friederike Kaiser in München ein, daß diese nur ein starkes Indiz, aber kein sicherer Beweis für eine schon viel frühere Besteigung durch unbekannte Hirten oder Jäger sei.

          Die 50 mal 110 Zentimeter große kolorierte Karte stamme aus der Zeit zwischen 1700 und 1750, sagte Historiker Thomas Engelke vom Bayerischen Hauptstaatsarchiv und begründete dies mit der Art der Schriftzeichen. Auf der Karte ist ein Steig über das Zugspitzplatt bis zum Gipfel („ybers blath ufn Zugspitz“) und auf die andere Seite zum Eibsee mit einer zart gestrichelten Linie eingezeichnet. Außerdem wird in der Kartenlegende die Gehzeit vom Reintalanger bis zum Gipfel mit vier Stunden angegeben. „Die Besteigungsgeschichte der Zugspitze muß neu geschrieben werden“, hatte der DAV dies noch am Montag in einer Pressemitteilung vollmundig kommentiert und von einer „alpinhistorischen Sensation“ gesprochen.

          Zweifel bei Alpinisten

          Doch das löste auch unter Alpinisten Widerspruch aus. Waren die frühen Bergsteiger wirklich bis zum Gipfel oder nur in den Gipfelbereich vorgedrungen? Und hätten Hirten damals überhaupt zum Gipfel vordringen können, wo doch die Zugspitze damals viel stärker von Gletschern bedeckt war und es noch keine Steigeisen gab, lauteten einige der kritischen Fragen bei der Kartenpräsentation. Und im Übrigen sei es doch nichts Neues, daß es bei der touristischen Nutzung immer einen offiziellen Erstbesteiger gebe, man aber auch bei anderen Bergen von einer wesentlich früheren Gelände-Erkundung durch Einheimische ausgehen müsse.

          Friederike Kaiser, Leiterin des Alpinen Museums in München, zeigt die Karte
          Friederike Kaiser, Leiterin des Alpinen Museums in München, zeigt die Karte : Bild: dpa

          AV-Vizepräsident Andi Dick räumte denn auch ein, daß es noch etliche offene Fragen gebe. „Mit 150-prozentiger Sicherheit wird man nie nachvollziehen können, ob jemand schon vor Naus da war“, sagte Kaiser, die das Alpine Museum des DAV in München leitet. Ein solcher Nachweis wäre nach ihren Worten nur möglich, wenn historisches Material vom Gipfel - wie ein Stück Holz oder Stoff oder ein Knochenstück - vorliegen würde. Leutnant Naus bleibe auf jeden Fall der erste namentlich bekannte Besteiger des Zugspitzgipfels.

          Im Zuge des von der EU geförderten Projekts „Historisches Alpenarchiv“ war die aus einem Nachlaß stammende Karte im Archiv des DAV gefunden worden. Möglicherweise war sie vor dem Hintergrund von Grenzstreitigkeiten zwischen dem bayerischen Hochstift Freising und Tirol erstellt worden. Die Karte war bereits in frühen Büchern über die Zugspitze erwähnt worden, galt seit 1945 aber als verschollen. Bei der Archivierung entdeckte die Münchner Kunsthistorikerin Martina Sepp das historische Dokument. Sie sei gleich elektrisiert gewesen, sagt die 44jährige. Und vielleicht hat sie dafür gesorgt, daß ein paar Hirten und Jäger im weiß-blauen Himmel über eine späte Anerkennung frohlocken können.

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