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Schauspieler Frederick Lau : Einer will gewinnen

Alle lieben den Schauspieler Frederick Lau. Bild: Matthias Lüdecke

Sein alter Vater und die Jungs von der Straße waren seine Mentoren, dann kam der Ehrgeiz: Alle lieben den Schauspieler Frederick Lau dafür, dass er so anders ist.

          Bei seinem ersten Kuss war Frederick Lau neun Jahre alt. Ein „Ausversehenkuss“, sagt Lau heute. Eigentlich hätte sich das Mädchen, das für einen Kinderfilm des ZDF eine Punkerin spielte und doppelt so alt war wie er, vorher von ihm abwenden sollen. Aber irgendeine Regieanweisung muss untergegangen sein. Plötzlich jedenfalls spürte Lau die fremden Lippen auf seinen. Mit neun.

          Julia Schaaf

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Mit 16 Jahren zog Frederick Lau zu Hause aus. Mit 18 bekam er für die Rolle eines verstörenden Außenseiters in „Die Welle“ seinen ersten Deutschen Filmpreis. Heute, mit gerade 27, da andere in seinem Alter grübeln, wie aus ihrem Studium jemals ein Beruf werden soll und ob der WG-Kühlschrank sie ernährt, wenn Papi den Geldhahn zudreht, wohnt der Schauspieler in einem Häuschen mit Garten in Berlin-Steglitz. Er ist verheiratet und hat vor einem halben Jahr sein zweites Kind bekommen. Zwei Grimme-Preise. Zwei Deutsche Filmpreise.

          Vorspultaste gedrückt

          Im Leben des Frederick Lau geht es zu, als hätte jemand die Vorspultaste gedrückt. Er weiß das selbst: „Es läuft schon schnell teilweise.“ Er atmet tief durch. „Aber was soll ich dazu sagen? Es ist halt so. Ich mach’ halt viel.“

          Gerade hat er die mit Spannung erwartete Serie „4 Blocks“ über einen Araberclan in Berlin-Neukölln abgedreht, derzeit stürzt er sich in die Hauptrolle einer luxemburgischen Produktion. Spätestens seit dem Jubel um „Victoria“ im vergangenen Jahr hätte Lau keine Schwierigkeiten, mit interessanten Rollen hierzulande gutes Geld zu verdienen. Dieses rauschartige, ohne einen einzigen Schnitt gedrehte Berlinstück von Sebastian Schipper darüber, wie eine Clubnacht und ein sommerlicher Flirt in einen Bankraub mit Katastrophe münden können, war die perfekte Bühne für den Autodidakten: Die Unmittelbarkeit seiner Leinwandpräsenz, die Natürlichkeit und die physische Wucht seines Spiels stechen in der Menge der braven, gutaussehenden, exzellent ausgebildeten Kollegen schließlich schon lange heraus.

          Unter Vertrag in London

          Nachdem ihn nun eine Londoner Agentur unter Vertrag genommen hat, plant Lau, nächstes Jahr mitsamt Familie für drei Monate an die Themse zu ziehen. Seinen Heimatkiez Berlin-Steglitz liebt er sehr, er hat nie woanders gewohnt. Aber: „Ich bin gerade an einem Punkt, wo ich sage, ich habe jetzt Lust, mich weiter zu trauen.“

          Boxernase, feine Linien auf der sommersprossigen Stirn, die sich so herrlich in Falten legen lässt, die Schiebermütze passt gut zu dem rötlichen Bart: Frederick Lau sitzt in einem Café nicht weit entfernt von dem Viertel, in dem er aufgewachsen ist. Einmal stand in einem Porträt über ihn, dass es wichtig sei, wie ein Schauspieler ein Café betrete. Lau ist deshalb sicherheitshalber schon vor dem verabredeten Zeitpunkt gekommen. „Ich habe mich heute morgen gefragt, ob ich aufgeregt bin“, sagt er. „Aber jetzt bin ich entspannt.“

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